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Immunsystem bei Kindern stärken

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Letzte Aktualisierung: 18. Feb. 2021

7 Tipps vom Kinderarzt, wie du dein Kind vor Erkältungsviren und Covid-19 schützen kannst

Überblick:

  • Babys und Kleinkinder sind besonders oft krank, weil ihr Immunsystem noch in den Kinderschuhen steckt und sich mit jeder Erkrankung aufbaut. Sie bekommen 8 bis 12 Mal pro Jahr einen Infekt.
  • Bei Babys bis zu 2 Jahren kann Vitamin D helfen, die Abwehr zu stärken.
  • Am schnellsten erholen sich Kinder von Atemwegsinfekten, wenn sie viel schlafen.

„Zwischen 6 und 18 Monaten sind Kinder besonders anfällig für Infektionen. Die schützenden Antikörper, die sie von der Mutter mitbekommen haben, schwinden dann langsam. Gleichzeitig konnten sie noch nicht genug eigene Antikörper bilden,” sagt Tommy Södergren, Kinderarzt bei Kry.

Im Durchschnitt erkälten sich Kinder unter 2 Jahren 8 bis 12 Mal pro Jahr. Das liegt daran, dass sich Immunität auf 2 Arten entwickelt. Die angeborene Immunität bietet von Geburt an einen allgemeinen Schutz. Die erworbene Immunität entwickelt sich erst mit der Zeit, indem sie auf Krankheitserreger und Antigene reagiert und selbstständig passende Antikörper bildet. Das geschieht auch dann, wenn wir mit abgeschwächten Erregern geimpft werden.

Weil Kinder öfter mit neuen Krankheitserregern in Berührung kommen, ist ihr Immunsystem in ständiger Alarmbereitschaft. Das könnte erklären, warum Kinder seltener an Covid-19 erkranken. Forschende vermuten, dass ihre Abwehr das Coronavirus identifizieren und zerstören kann, noch bevor die Infektion ausbricht. Leider sind gelegentliche Infekte bei Kindern unvermeidlich. Dafür kannst du aber Einiges tun, um das Immunsystem deines Kindes zu stärken.

1. Für ausreichend Schlaf sorgen

Schlafen ist oft die beste Medizin – nicht nur sprichwörtlich. Wenn wir schlafen, können Entzündungen verheilen. Unser Körper kann in Ruhe beschädigte Zellen reparieren, was die Immunabwehr stärkt. Wenn unser Immunsystem gerade Erreger abwehrt, fühlen wir uns oft müde, weil der Körper viel Energie für die Bekämpfung der Infektion aufwendet.

Babys und Kleinkinder brauchen mindestens 12 bis 16 Stunden Schlaf einschließlich Nickerchen über den Tag. Kinder von 3 bis 5 Jahren brauchen 10 bis 13 Stunden Schlaf, Schulkinder zwischen 6 und 12 sollten 9 bis 12 Stunden pro Nacht schlafen. Bei Jugendlichen reichen 8 bis 10 Stunden Nachtruhe.

Manchmal ist es nicht einfach, Kinder zum Schlafen zu bringen. Eine feste Gute-Nacht-Routine ist der Schlüssel. Ein warmes Bett, gedämpftes Licht und eine ruhige Umgebung hilft auch Kindern, zur Ruhe zu kommen. Vermeide Tablets und Co vor dem Zubettgehen und sorge dafür, dass das Kinderzimmer gut gelüftet ist. Eine Zimmertemperatur von 16° bis 18° C ist zum Schlafen ideal.

2. Gesunde Ernährung fördern

Das Immunsystem deines Kindes braucht den richtigen Treibstoff, um Infektionen abwehren zu können. Studien bestätigen, dass viel Obst und Gemüse die Aktivität der Immunzellen unterstützen.

Eiweiß ist auch wichtig – besonders die Aminosäure Arginin, die in Nüssen, Soja, Fleisch und Bohnen enthalten ist. Diese Lebensmittel enthalten auch viel Zink, der die Dauer und Schwere von Infekten mildern kann. Probiotische Joghurts und Drinks können die Darmgesundheit verbessern, Entzündungen lindern und das Immunsystem stärken.

3. Vitamin D geben

In der dunklen Jahreszeit haben wir geringere Vitamin-D-Reserven, gleichzeitig hat die Erkältungszeit ihren Höhepunkt erreicht. Im Sommer ist es für gesunde Kinder ab 2 Jahren kein Problem, draußen Sonnenlicht zu tanken und genug Vitamin D zu produzieren. Für Babys gilt das nicht: Da sie nicht genügend Sonne bekommen, sollten sie ein Vitaminpräparat erhalten. Lass dich von einem Kinderarzt beraten, bevor du deinem Kind Vitamin D gibst.

4. Spaß an Bewegung vermitteln

„Wenn die ganze Familie aktiv ist, kann das helfen, Erkältungen fernzuhalten. Bewegung hilft dem Immunsystem, Infektionen aufzuspüren und zu beseitigen,” so Dr. Södergren. „Im Winter haben Infekte Hochsaison, weil wir mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, wo Viren leichter übertragen werden. Indem wir Zeit an der frischen Luft verbringen und dabei Abstand zu anderen halten, können wir die Verbreitung von Erkältungsviren eindämmen.”




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5. Über einen tierischen Mitbewohner nachdenken

Kinder mit Haustieren sind einer britischen Studie zufolge seltener krank, da sie ein stärkeres Immunsystem haben. Einige Forschende vermuten sogar, dass Haustiere ihre Besitzer vor Covid-19 schützen können – da sie bereits mit anderen Coronaviren in Berührung gekommen sind, die bei Tieren vorkommen.

Das Streicheln des Haustiers erhöht nachweislich die Konzentration des Immunglobulins A im Körper – einer Substanz, die Infektionen bekämpft. Menschen mit Haustieren erkranken seltener an einigen Magen-Darm-Viren. Außerdem kann das Aufwachsen mit Tieren dem kindlichen Immunsysrtem helfen, den Unterschied zwischen gefährlichen Krankheitserregern und harmlosen Allergenen zu erkennen.

6. Antibiotika nur mit Bedacht geben

„Wenn ein Kind erkältet ist, braucht es keine Antibiotika. Diese wirken nicht gegen Erkältungsviren und Husten,” sagt Dr. Södergren. „Eher können Antibiotika in diesem Fall noch zu zusätzlichen Symptomen wie Durchfall führen. Sie machen das Kind anfälliger für Infektionen, da sie die nützlichen Darmbakterien stören.” Erkältungen kannst du in der Regel zu Hause behandeln: Viel Ruhe und viel Trinken sind wichtig, auch Paracetamol oder Ibuprofen helfen.

„In seltenen Fällen können Kinder zusätzlich zu einer Erkältung eine bakterielle Infektion bekommen – wie eine Streptokokken-Mandelentzündung, eine Ohrenentzündung oder eine Lungenentzündung", fügt Dr. Södergren hinzu. „Selbst dann sind Antibiotika in den meisten Fällen nicht notwendig.“

Hol dir ärztliche Hilfe,

  • wenn die Erkältung nach 1 Woche nicht besser wird,
  • wenn sie sich nach 3 Tagen deutlich verschlimmert oder
  • wenn dein Kind sehr hohes Fieber hat.

„Schnupfen und Husten sind Anzeichen dafür, dass das Immunsystem daran arbeitet, den Körper von Antigenen und Schleim zu befreien – und diese Symptome können noch einige Zeit nach der Erkältung bestehen bleiben“, so Dr. Södergren. Wenn die Symptome länger als 6 Wochen andauern, solltet ihr zum Arzt gehen.

7. Auf Hygiene achten – aber nicht übertreiben

Ermuntere dein Kind dazu, sich nach jedem Toilettengang und vor dem Essen die Hände mit Wasser und Seife zu waschen. Damit die Hände wirklich gründlich sauber werden, schlage vor, dass dein Kind während des Händewaschens sein Lieblingslied singt.

Wenn jemand in der Familie erkältet ist, halte die Zahnbürste von denen der anderen Familienmitglieder fern. Wechsle sie aus, sobald die Symptome abgeklungen sind. Verwende Taschentücher nur einmal, um die Verbreitung von Keimen zu vermeiden.

Halte dein Kind davon ab, sich die Augen zu reiben oder an den Fingernägeln zu kauen. Wenn es in die Schule geht, pack ihm ein paar Feuchttücher oder Handdesinfektionsmittel in die Tasche, damit es sich immer die Hände reinigen kann.

Mach dir keine Sorgen, wenn sich dein Kind beim Spielen ein wenig schmutzig macht. Das ist sogar ganz gut so: Studien zeigen, dass der Kontakt mit Keimen und alltäglichen Infektionen die Immunität stärkt, während übertriebene Hygiene nicht unbedingt hilfreich für das Immunsystem ist.

Kinder und Corona

Kinder stecken Corona besser weg als Erwachsene. Selbst bei einer höheren Viruslast zeigen sie seltener Symptome. Die meisten Kinder haben einen symptomfreien bis milden Verlauf mit leichten Symptomen.

Mögliche Covid-19-Symptome bei Kindern:

  • erhöhte Temperatur
  • anhaltender Husten (Hustenanfälle, die länger als eine Stunde dauern, oder 3 oder mehr Hustenanfälle innerhalb von 24 Stunden)
  • Verlust oder eine Veränderung des Geruchs- oder Geschmackssinns

Hol dir sofort ärztliche Hilfe, wenn dein Kind

  • unter 3 Monate alt ist und eine Temperatur von 38°C oder höher hat
  • 3-6 Monate alt ist und eine Temperatur von 39°C oder höher hat
  • neben Fieber einen Hautausschlag oder andere Krankheitssymptome hat
  • seit mehr als 3 Tagen Fieber hat
  • schnell atmet oder Atembeschwerden hat
  • nicht essen möchte oder teilnahmslos ist
  • Fieber hat, das nicht durch Paracetamol gesenkt werden kann
  • dehydriert ist (die Windeln sind nicht sehr nass, es hat eingefallene Augen und keine Tränen beim Weinen)

Wann du mit einem Arzt sprechen solltest

Diese Zeit kann für viele beunruhigend sein, besonders für Eltern. Wenn du dir unsicher bist, ob du dir ärztliche Hilfe holen solltest, oder dir ein bestimmtes Symptom Sorgen macht, geh lieber auf Nummer sicher. Unsere Kinderärztinnen und Kinderärzte sind für dich da.

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