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Was hilft bei einsamkeit?

Was hilft bei Einsamkeit?

Soziale Isolation
Letzte Aktualisierung:
Do., 14. Okt. 2021
Was bedeutet soziale Isolation? Wie wirkt sich Einsamkeit auf unsere Psyche aus? Und was können wir tun, um Einsamkeit zu überwinden? Psychologin Dr. Cecilia Radecka hat Antworten und Tipps.

Einsamkeit war schon vor Corona verbreitet: 5 Prozent der Deutschen gaben 2018 an, sich häufig einsam zu fühlen. Durch die soziale Distanzierung, Kontaktbeschränkungen und andere Corona-Maßnahmen haben sich die Probleme noch weiter verschärft. In Deutschland stieg der Anteil derer, die sich mehr als die Hälfte der Zeit einsam fühlen, auf 24,5 Prozent.

Soziale Isolation oder Einsamkeit: Was ist der Unterschied?

„Der Hauptunterschied zwischen sozialer Isolation und Einsamkeit besteht darin, wie die Betroffenen ihre Situation selbst erleben“, erläutert Dr. Radecka. „Soziale Isolation bedeutet, dass jemand nur wenige bis gar keine sozialen Interaktionen hat. Einsamkeit ist ein Gefühl, bei dem man von Menschen umgeben sein kann – und sich trotzdem allein fühlt.“

„Studien zeigen, dass Einsamkeit stärker mit der Qualität als mit der Quantität der sozialen Interaktionen zusammenhängt“, erläutert Dr. Radecka. Soziale Medien können uns zwar dabei helfen, Kontakt zu halten, aber sie sind oft auch dafür verantwortlich, dass die Kontakte mit unseren Mitmenschen oberflächlich bleiben. Eine Studie ergab, dass zu viel Zeit in den sozialen Medien die wahrgenommene Einsamkeit zudem weiter verstärken kann.

Nicht nur Ältere fühlen sich einsam

Ältere Menschen sind von sozialer Isolation besonders stark betroffen. In einigen Ländern fühlt sich ein Drittel aller Senior:innen einsam. „Ältere Personen haben ein erhöhtes Risiko für Einsamkeit und soziale Isolation, weil sie oft allein leben, geliebte Menschen und Bezugspersonen verloren haben und häufig Gesundheitsprobleme haben“, so Dr. Radecka.

Aber soziale Isolation kann uns alle irgendwann einmal treffen. Für manche Menschen kommt und geht die soziale Isolation. Manchmal haben sie vorübergehend weniger Kontakte, vielleicht aufgrund einer Trennung oder eines Umzugs in eine neue Stadt, doch dann normalisiert sich diese Situation wieder. Für einige kann die soziale Isolation aber zu einem Dauerzustand werden.

Wie unser Gehirn auf Einsamkeit reagiert

„Die Forschung zeigt, dass sowohl erlebte Einsamkeit als auch soziale Isolation die Gehirnfunktion und die Kognition beeinträchtigen können“, erläutert Dr. Radecka.

Studien haben ergeben, dass die folgenden Hirnregionen besonders betroffen sind:

  • Hippocampus: Dieser Bereich des Gehirns spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung unserer Reaktion auf Stress. Eine Untersuchung ergab, dass Menschen mit weniger sozialen Kontakten einen höheren Spiegel des Stresshormons Cortisol aufweisen.

  • Amygdala: Dieser Bereich des Gehirns ist wichtig für die Bildung von Erinnerungen – Forschungen deuten darauf hin, dass dieser Bereich bei Menschen mit einem regen sozialen Leben größer ausgebildet ist.

  • Präfrontaler Cortex: Dieser Teil des Gehirns spielt eine wichtige Rolle für das Sozialverhalten, die Entscheidungsfindung und die Gedächtnisfunktion. Studien deuten darauf hin, dass die Funktion und das Volumen dieses Bereichs ohne regelmäßige soziale Interaktion reduziert werden.

„Soziale Isolation kann sich auch auf unser Gedächtnis und unsere Informationsverarbeitung auswirken“, so Dr. Radecka. „Es gibt sogar Hinweise darauf, dass soziale Isolation das Risiko von kognitiven Störungen erhöhen kann.“

Wie sich soziale Isolation auf unsere Psyche auswirkt

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Beziehungen zu anderen Menschen sind für unser psychisches Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung.

Soziale Isolation ist mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme wie Angstzustände und Depressionen verbunden. Psychische Erkrankungen können wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöhen, sich einsam zu fühlen. Forschende der Uni Leipzig haben herausgefunden, dass jede(r) vierte Deutsche allein lebt und daher Teil der Risikogruppe ist. Besonders stark betroffen sind Menschen mit psychischen Vorerkrankungen.

Die gute Nachricht dabei ist: Es gibt auch Hinweise darauf, dass die negativen Auswirkungen der Isolation durch die Wiederaufnahme von sozialen Kontakten umgekehrt werden können. In einer kürzlich durchgeführten Studie erholten sich Betroffene, die während des Lockdowns kognitive Einbußen erlitten, schnell wieder, sobald die Einschränkungen gelockert wurden.

Linderung brachten auch klare Informationen über die möglichen psychischen Folgen der Isolation und die soziale Unterstützung der Betroffenen.

Soziale Isolation und Einsamkeit überwinden

Es kann immer wieder Phasen geben, in denen wir uns einsam oder isoliert fühlen. „Einsamkeit ist eine normale menschliche Erfahrung,” so Dr. Radecka. Es gibt aber viele Möglichlichkeiten, diesem Zustand aktiv entgegenzusteuern. Hier findest du einige davon.

1. Soziale Kontakte als Priorität

„Es gibt viele Formen von Freundschaften – aber entscheidend ist hier die Qualität, nicht die Quantität“, erklärt Dr. Radecka. Verabrede dich mit jemandem, mit dem du schon lange nicht mehr gesprochen hast, oder vereinbare ein wöchentliches Telefongespräch. Vielleicht gibt es eine Person in deinem Umfeld, der es ähnlich geht wie dir und die sich sehr über den Austausch mit dir freuen würde.

2. Werde Teil einer Gemeinschaft

Nimm an einem Kurs teil, in dem du etwas Neues lernst, finde eine ehrenamtliche Tätigkeit oder verabrede dich mit Nachbarn zum Kaffeetrinken oder zum gemeinsamen Gassigehen. „Hobbys, die uns Spaß machen, sind gut für unser geistiges Wohlbefinden und eine tolle Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen“, so Dr. Radecka.

3. Bleib in Bewegung

„Bei sozialen Ängsten kann regelmäßige Bewegung die Stimmung verbessern und die Symptome von Depressionen verringern“, sagt Dr. Radecka. Mit regelmäßigem Training hältst du dich körperlich und geistig fit. Außerdem setzt dein Körper insgesamt weniger Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol frei, wenn du dich öfter bewegst.

4. Vertraue dich jemandem an

Wenn du das Gefühl hast, dass soziale Isolation und Einsamkeit deine Gesundheit belasten, sprich mit einer Freundin, einem Freund oder einem Familienmitglied. Natürlich kannst du dich auch an eine Ärztin oder einen Arzt wenden, um vertraulich über deine Situation zu sprechen. Sie oder er kann dir dabei helfen, die Unterstützung zu bekommen, die du vielleicht brauchst.

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