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Letzte Aktualisierung: 18. März 2021

Machst du dir Gedanken darüber, welche Folgen eine späte Schwangerschaft hat? Dr. Elisabeth Rosen, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe bei Kry, verrät, was Frauen ab 35 wissen sollten.

Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, erst in einer späteren Lebensphase eine Familie zu gründen. Das Durchschnittsalter von Erstgebärenden in Europa liegt heute zwischen 29 und 30 Jahren. Viele machen sich Gedanken über das ideale Alter für ein Baby und über die Folgen einer späten Schwangerschaft.

Dr. Elisabeth Rosen räumt ein: Es ist gut, sich aller Risiken bewusst zu sein und zu wissen, wie man sie vermeiden kann. Aber sie weist auch darauf hin, dass eine zu starke Fokussierung auf mögliche Probleme nur dazu führt, dass wir uns Sorgen machen.

„Schon jetzt gibt es eine Vielzahl von Ängsten und Sorgen rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt. Tatsächlich stehen aber die Chancen auf eine unkomplizierte Schwangerschaft und ein gesundes Baby gut, wenn man generell gesund ist“, sagt sie. Zweifel sind dennoch ganz normal. „Keine Frau fühlt sich jemals zu 100% bereit, Mutter zu werden.“

Was passiert mit dem Körper und der Fruchtbarkeit im Alter?

„Die Eierstöcke werden im Embryonalstadium gebildet, und wir werden mit einer bestimmten Anzahl von Eizellen geboren“, erklärt Dr. Rosen. „Diese Eizellen ruhen dann bis zur Pubertät. Danach werden sie so lange benutzt, bis der Speicher leer ist, um es einfach auszudrücken.

Die Qualität der Eizellen nimmt im Laufe der Zeit ab. Das individuelle Ausmaß dieser Entwicklung ist jedoch von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Manche Frauen werden mit 40 problemlos schwanger, andere haben dagegen schon mit 30 Jahren Schwierigkeiten. Aber im Allgemeinen geht die Fruchtbarkeit etwa um das 35. Lebensjahr herum ziemlich drastisch zurück.

Welche Risiken sind damit verbunden, ab dem 35. Lebensjahr schwanger zu werden?

„Das Risiko, an Bluthochdruck oder Diabetes zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Eine Schwangerschaft kann dieses Risiko weiter erhöhen“, sagt Dr. Rosen.

„Es gibt auch Studien, die zeigen, dass das Risiko für Frühgeburten, ein niedriges Geburtsgewicht, Fehlgeburten, Chromosomenanomalien und Totgeburten mit dem Alter steigt.“ Deine Ärztin oder dein Arzt wird dich auf Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes untersuchen, und in den meisten Fällen können diese Erkrankungen erkannt und erfolgreich behandelt oder kontrolliert werden.

Wenn du deine Optionen abwägst, solltest du auch diese Risiken in Betracht ziehen. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass du für eine erfolgreiche künstliche Befruchtung eine Eizellspende benötigst. Dadurch steigt wiederum das Risiko für Bluthochdruck und Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung).

Wenn die Wehen einsetzen, brauchst du möglicherweise etwas mehr Unterstützung. Studien zeigen, dass das Risiko von Komplikationen mit dem Alter leicht ansteigt, erklärt Dr. Rosen. „Zu diesen Komplikationen kann auch ein leicht gesteigertes Risiko von Rissen gehören, da das Körpergewebe im Alter an Elastizität verliert. Außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Geburt künstlich eingeleitet werden muss oder ein Kaiserschnitt oder sonstige Eingriffe erforderlich werden.“

Wie gehe ich mit dem erhöhten Risiko um?

Viele Frauen, die gerne schwanger werden möchten, machen sich Gedanken über das erhöhte Risiko von Fehlgeburten und Chromosomenaberrationen (genetische Abweichungen). Es kann beruhigend sein zu wissen, dass das Risiko einer Fehlgeburt zwar nach dem 30. Lebensjahr ansteigt, aber bei Müttern im Alter von 25 bis 29 Jahren mit etwa 10 % auf einem sehr niedrigen Level beginnt.

„Das erhöhte Risiko einer Fehlgeburt ist eine Folge der geringeren Eizellqualität“, erklärt Dr. Rosen. „Auch Chromosomenaberrationen hängen damit zusammen.“ Mit einer Chromosomenanalyse während der Schwangerschaft kann deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt untersuchen, ob das ungeborene Kind ein Risiko für eine Chromosomen-Abweichung hat. Diese sogenannten Pränatal-Tests werden Schwangeren ab 35 routinemäßig angeboten.

Denk darüber nach, was ein mögliches Hochrisiko-Ergebnis für dich bedeuten würde, bevor du diese Tests durchführen lässt. Wenn du unsicher bist, welche Tests du machen lassen solltest, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Hat es auch Vorteile, später ein Baby zu bekommen? Woher weiß ich, wann ich bereit dazu bin?

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, erst nach dem 30. Geburtstag eine Familie zu gründen. Die Ausbildung wird später abgeschlossen, auch den ersten festen Job hat man später inder Tasche. Außerdem lernen viele Frauen erst spät einen geeigneten Partner kennen. Der Vorteil des späten Kinderkriegens ist die finanzielle Sicherheit und emotionale Stabilität, die Eltern ihrem Nachwuchs geben können. Einige Studien legen nahe, dass es den Kindern oft besser geht. Wenn man allerdings darauf wartet, dass alles perfekt ist, fühlt man sich vielleicht nie bereit.

„Die Fruchtbarkeit erreicht ihren Höhepunkt um das 25. Lebensjahr herum. Dennoch gibt es kein optimales Alter, um ein Baby zu bekommen.” Wenn du mit jemandem zusammen bist, mit dem du Kinder haben möchtest, solltest du aus Fruchtbarkeitsgründen das Kinderkriegen nicht allzu lang aufschieben. Wenn du dir unsicher bist, solltest du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über deine Möglichkeiten sprechen.

Was kann ich ab 35 tun, um meine Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen?

„Hör mit dem Rauchen auf, reduziere deinen Alkoholkonsum, treib Sport und achte auf eine ausgewogene Ernährung“, so Dr. Rosen. „Viel Koffein senkt die Chancen, schwanger zu werden, und kann das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen. Außerdem solltest du Stress vermeiden und einfach gut auf dich achten.“

Wenn du hoffst, schwanger zu werden, ist es eine gute Idee, täglich 400 Mikrogramm Folsäure einzunehmen – und zwar schon vor der Empfängnis und während der ersten 12 Wochen der Schwangerschaft. Das trägt dazu bei, das Risiko von Entwicklungsstörungen in den ersten Wochen zu verringern.

„Wenn du übergewichtig bist, kann eine Gewichtsabnahme deine Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen und die Risiken zu minimieren, wenn du schwanger wirst“, erklärt Dr. Rosen. „Gegebenenfalls solltest du dich ärztlich untersuchen lassen, um sicherzustellen, dass du generell bei guter Gesundheit bist. Lass deine Schilddrüsenfunktion überprüfen. Eine Unter- oder Überfunktion kann sich nachteilig auf deine Chancen auswirken, schwanger zu werden – und diese Erkrankungen lassen sich gut behandeln.“

Was kann ich tun, wenn ich einfach nicht schwanger werde?

„Die Behandlungsmöglichkeiten, die deine Ärztin oder dein Arzt dir empfehlen wird, hängen von der Ursache der verminderten Fruchtbarkeit ab“, sagt Dr. Rosen. Sie fügt hinzu, dass verschiedene Faktoren zu Empfängnisproblemen beitragen können: von einem unregelmäßigen Eisprung über die Spermienqualität bis hin zu Schwierigkeiten beim Sex.

Erkrankungen wie Endometriose und das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) sind weitere häufige Gründe, auch Essstörungen können eine Rolle spielen. „Manchmal reicht es aus, den Spermien dabei zu helfen, in die Gebärmutter zu gelangen. Ein anderes Mal müssen wir vielleicht auf künstliche Befruchtung zurückgreifen“, sagt Dr. Rosen. „Manchmal müssen wir die Gebärmutterschleimhaut stärken, damit sie eine befruchtete Eizelle festhält.“

„In etwa 70 % der Fälle von Unfruchtbarkeit gelingt es uns, die Ursache zu finden. Es gibt eine Reihe verschiedener Faktoren, die sich auf den Behandlungserfolg auswirken können, aber die meisten Frauen, die sich ein Baby wünschen, bekommen es am Ende auch.“

Welche Behandlungen dir zur Verfügung stehen, hängt von deinem Wohnort ab. Deine Ärztin oder Gynäkologin berät dich gern über deine Möglichkeiten.

Wie kann ich meinen Körper und mein Baby optimal unterstützen, nachdem ich schwanger geworden bin?

„Bewege dich, ernähre dich gesund und nimm weiterhin Folsäure ein – falls du das jedoch vergessen solltest, besteht kein Grund zur Sorge. Die meisten Frauen bekommen alles, was sie brauchen, über ihre Ernährung“, sagt Dr. Rosen.

Viele Frauen machen sich Sorgen über die Auswirkungen von Sport, aber die Forschung hat gezeigt, dass regelmäßiger, moderater Sport sicher ist und sogar das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes verringern kann.

„Es gibt Listen von Dingen, die man nicht tun oder essen sollte, und es ist gut, wenn du darüber Bescheid weißt. Viel wichtiger ist jedoch, dass du dich darauf konzentrierst, gut für dich selbst zu sorgen“, so Dr. Rosen.

Dieser Artikel wurde mit ärztlicher Genehmigung von Dr. Elisabeth Rosen, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe bei Kry veröffentlicht.

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