Bluthochdruck: Ein häufig unbemerkter und unterschätzter Risikofaktor

Je höher das Alter, desto wahrscheinlicher lautet die Diagnose Bluthochdruck. Doch nicht nur ältere Menschen sind von der Volkskrankheit betroffen. Studien zufolge leiden 50% der Erwachsenen an Bluthochdruck. Häufig fällt die Erkrankung erstmalig bei dem Besuch einer Arztpraxis auf.

Bluthochdruck sollte ernst genommen und mit ärztlicher Hilfe behandelt werden, da er einen Risikofaktor für verschiedene Folgeerkrankungen darstellt. Auch du kannst einen entscheidenden Beitrag zu deiner Herzgesundheit leisten und die schwerwiegenden Folgen von Bluthochdruck vermeiden.

Der Blutdruck ist der Druck, mit dem das Herz das Blut durch den Körper pumpt. Überschreitet dieser einen bestimmten Wert (140/90 mmHg) spricht man von Bluthochdruck oder arterieller Hypertonie. Besteht dieser über einen langen Zeitraum, führt dies zu Schäden an den Gefäßen und einer Erhöhung des kardiovaskulären (= Herzkreislaufsystem betreffenden) Risikos.

Es sind eine Reihe von Risikofaktoren bekannt, die zu einem erhöhten Blutdruck führen können:

  • Rauchen
  • Fettleibigkeit
  • Zu hoher Alkohol-, Koffein- und Salzkonsum
  • Diabetes Mellitus
  • Medikamenteneinnahme
  • Drogenkonsum

Es sind darüber hinaus genetische Faktoren bekannt, die das Risiko für Bluthochdruck erhöhen. Zusätzlich spielen ein hohes Lebensalter sowie psychische Belastung eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Krankheit.
Hoher Blutdruck kann auch die Folge von einer anderen, zugrunde liegenden Krankheit sein. So kann beispielsweise das Schlafapnoesyndrom einen Risikofaktor darstellen. Bei dieser Erkrankung leiden die Patienten während des Schlafens an kurzen Atempausen, die sie immer wieder hochschrecken lassen. Sie wachen mit schnellem Herzschlag oder verschwitzt auf, sind morgens unausgeschlafen und leiden unter Tagesmüdigkeit sowie Sekundenschlaf. Auch kann jede Nierenerkrankung sowie verschiedene hormonelle Erkrankungen zu einem erhöhten Blutdruck führen.

Im Übrigen hat auch die Süßigkeit Lakritz einen blutdrucksteigernden Effekt: durch eine Behinderung des Flüssigkeitsausgleichs im Körper steigt der arterielle Blutdruck. In der Tat müssen jedoch große Mengen (100 Gramm pro Tag) von der bittersüßen Delikatesse vernascht werden, um die blutdrucksteigernde Wirkung zu entfalten.

Da die Erkrankung nicht selten ohne Symptome verläuft, fällt ein erhöhter Blutdruck häufig erst im Rahmen eines Arztbesuches auf.

Bei manchen Patienten zeigen sich dennoch Symptome wie Kopfschmerzen, Ohrensausen und Schwindel. Außerdem klagen die Betroffenen über Herzklopfen und Brustschmerzen. Gelegentlich kann sich ein erhöhter Blutdruck mit Nasenbluten bemerkbar machen. Schlafstörungen können Ursache und Folge des erhöhten Blutdrucks ausmachen.

Ziel der Diagnostik ist es, die Ursache für den erhöhten Blutdruck herauszufinden. Liegt eine Grunderkrankung vor, die den erhöhten Blutdruck begünstigt? Außerdem ist es wichtig, Risikofaktoren für die Erkrankung zu detektieren und zu ändern.

Zunächst wird der Arzt dir einige Fragen stellen, ehe er dich körperlich untersucht und den Blutdruck nachmisst. Sobald erhöhte Blutdruckwerte festgestellt werden konnten, erfolgt eine 24-Stunden-Blutdruckmessung. Dadurch kann der Arzt auf (die) Ursache(n) schließen und die Schwere der Erkrankung feststellen.

Zusätzlich sollte eine Laboruntersuchung des Blutes angestrebt werden, um beispielsweise einen erhöhten Blutzucker oder erhöhte Blutfettwerte zu erkennen. Ebenfalls sollte eine Untersuchung des Urins durchgeführt werden.
Jungen Menschen wird empfohlen, sich ab dem 18. Lebensjahr alle fünf Jahre auf einen Bluthochdruck testen zu lassen. So kann die Erkrankung erfasst und Folgeschäden vermieden werden.

Apropos: Wusstest du, dass es einen sogenannten Weißkittel-Bluthochdruck gibt? Studien haben gezeigt, dass einige Patienten nur bei Besuch einer Arztpraxis unter erhöhten Drücken leiden. Dieser lässt sich ebenfalls durch eine längere Blutdruckmessung in der häuslichen Umgebung eruieren und bedarf zumeist keiner Therapie.

Die Behandlung zielt darauf ab, den Blutdruck auf normale Werte zu senken und dadurch das kardiovaskuläre Risiko zu minimieren.

Zunächst sollte eine Lebensstiländerung mit mehr körperlicher Bewegung, Gewichtsabnahme sowie Anpassung der Ernährung an eine salzarme Diät vollzogen werden.

Experten raten gerne zur sogenannten “Mediterranen Diät”:

  • Viel Obst, Gemüse und Salat
  • Wenig tierische Fette, wenig rotes Fleisch
  • Viel Fisch
  • Viel Nüsse
  • Olivenöl
  • Vollkornprodukte

Auf Alkohol und Zigaretten sollte nach Möglichkeit gänzlich verzichtet werden.

Patienten wird empfohlen, den eigenen Blutdruck weiterhin regelmäßig zu messen. So kann der Erfolg der Therapiemaßnahmen gut nachvollzogen werden.

Wenn die Lebensstiländerung nicht ausreichend ist, kann eine medikamentöse Blutdruckeinstellung versucht werden. Hierfür stehen verschieden Präparate zur Verfügung, die je nach Patient und Begleiterkrankungen gewählt werden können. Auch besteht die Möglichkeit, verschiedene Mittel zu kombinieren, um eine bessere Wirksamkeit zu erreichen.

Ein erhöhter Blutdruck schadet den Blutgefäßen langfristig und kann zu verschiedenen Folgeschäden führen:

  • Herz: Erhöhte Druckbelastung führt zu Herzinsuffizienz sowie zur Koronaren Herzerkrankung, die wiederum zu einem Herzinfarkt führen kann.
  • Gehirn: Es drohen Schlaganfälle sowie die Ausbildung einer vaskulär bedingten Demenz.
  • Auge: Die Hypertensive Retinopathie kann langfristig zur Erblindung führen.
  • Niere: Erhöhter Blutdruck lässt die Niere schrumpfen, bis hin zur Niereninsuffizienz.
  • Gefäßsystem: Die kleinen und großen Gefäße können von Aussackungen sowie Stenosen betroffen sein. Nicht selten werden Aortenaneurysma, Aortendissektion sowie Karotisstenose mit zu hohem Blutdruck in Verbindung gebracht.

Sollte der Blutdruck über Werte von 180 systolisch steigen, spricht man von einer hypertensiven Krise. In dem Falle sollte schnellstmöglich ein Arzt hinzugezogen werden, da schwere Komplikationen, wie beispielsweise eine Hirnblutung, folgen können.

Frauen können im Verlauf ihrer Schwangerschaft eine Hypertonie entwickeln. Dies wird mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten und untergewichtigen Neugeborenen in Verbindung gebracht. Da die Erkrankung sowohl für die Mutter, als auch für das ungeborene Kind schwere Folgen haben kann, erfordert sie eine Behandlung durch den Spezialisten.

Werdenden Müttern wird empfohlen, die Vorsorgetermine beim Frauenarzt regelmäßig wahrzunehmen. Bei den Untersuchungen wird der Blutdruck gemessen, und so lässt sich eine Schwangerschaftshypertonie schnell herausfinden und behandeln.

Du leidest an den oben genannten Symptomen und bist dir nicht sicher, um was es sich handelt? Über unsere KRY-App erreichst du Ärzte, die dir bei der Diagnose und dem Schweregrad der Erkrankung helfen können. Sie können dich beraten und dir gute Tipps geben, deinen Lebensstil zu ändern. Darüber hinaus können Sie dir Experten für die Weiterbehandlung empfehlen und dich dorthin überweisen.

Achtung! Bei sehr hohen Blutdruckwerten und Beschwerden solltest Du einen Notarzt rufen!

  1. https://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/2014_Pocket-Leitlinien_Arterielle_Hypertonie.pdf
  2. https://www.laekh.de/images/Hessisches_Aerzteblatt/2018/07_08_2018/CME_Update_arterielle_Hypertonie_2018_07_08.pdf
  3. http://www.herold-innere-medizin.de/pdf/Arterielle_Hypertonie.pdf
Letzte Aktualisierung:
17. Apr. 2020