COVID-19

Was wir über Corona-Varianten wissen

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Letzte Aktualisierung: 28. Jan. 2021

Wie gefährlich sind die neuen Coronavirus-Varianten? Müssen wir uns ernsthafte Sorgen machen?

Die Nachrichten über neue Coronavirus-Mutationen überschlagen sich – und niemand weiß, worauf wir uns in Zukunft einstellen müssen. Fest steht: Es ist wichtig, dass die Virusmutationen sorgfältig überwacht werden. Es könnte aber auch sein, dass es sich bei den Mutationen um eine ungefährliche Entwicklung des Virus handelt. Dr. Annette Alaeus, ärztliche Leiterin der Abteilung Infektionskrankheiten bei Kry, klärt auf.

Überblick

  • Das Virus mutiert ständig – Forschende haben bereits mit Mutationen gerechnet
  • Es gibt keine Hinweise darauf, dass vorhandene Impfstoffe gegen die neuen Varianten nicht wirken
  • Während das Virus weiter mutiert, könnte es weniger gefährlich werden

In den Nachrichten wurde in letzter Zeit viel über Mutationen des Coronavirus berichtet. Du hast vielleicht Berichte gehört, dass ansteckendere Varianten des Virus in Großbritannien, Südafrika, Brasilien und kürzlich auch in Deutschland aufgetreten sind.

Viren verändern sich ständig durch Mutation, und es ist damit zu rechnen, dass im Laufe der Zeit neue Varianten eines Virus auftreten. Mehrere Varianten des Virus, das COVID-19 verursacht, wurden weltweit während dieser Pandemie dokumentiert.

Was wissen wir bisher über Virusmutationen?

Wenn sich eine Zelle oder ein Virus reproduziert, kann es passieren, dass ein Teil des genetischen Codes nicht genau kopiert wird. Diesen Vorgang bezeichnet man als Mutation.[2]

Die meisten dieser Mutationen haben wenig oder keinen Einfluss auf die Ausbreitung eines Virus oder dessen Gefährlichkeit. Wenn jedoch zahlreiche Mutationen auf einmal auftreten oder eine einzelne und signifikante Mutation in einem wichtigen Teil des genetischen Codes auftritt – beispielsweise im Spike-Protein des Coronavirus – kann sich das Virus so stark verändern, dass es als neue Variante eingestuft wird.

Weltweit zirkulieren mehrere Varianten des Coronavirus. In Großbritannien ist eine neue Variante aufgetreten, die sich leichter und schneller zu verbreiten scheint als andere Varianten. Derzeit besteht noch Unsicherheit darüber, ob diese Variante bei bestimmten Bevölkerungsgruppen zu einer schwereren Erkrankung oder einer erhöhten Sterblichkeit führt.

In Südafrika hat sich eine andere Variante entwickelt. Diese ist unabhängig von der britischen Variante entstanden, obwohl beide einige Gemeinsamkeiten aufweisen. Auch außerhalb von Südafrika hat diese Variante einige Erkrankungen verursacht und es scheint, dass sich diese leichter und schneller ausbreitet als andere Varianten. Aber auch bei dieser Variante gibt es keine Hinweise darauf, dass sie zu einer schwereren Erkrankung oder einer erhöhten Sterblichkeit führt.

Hinzu kommen Meldungen über eine neue Virusvariante aus Brasilien, die erstmals in Japan bei brasilianischen Reisenden nachgewiesen wurde.

Dr. Alaeus erklärt: „Keine dieser Varianten kam für die wissenschaftliche und klinische Gemeinschaft überraschend. Wir wussten, dass das Virus, das sich in Wuhan verbreitete, nicht dasselbe war wie das Coronavirus, das wir zum ersten Mal in Italien nachgewiesen haben. Wir wussten auch, dass das Coronavirus weiter mutieren und neue Varianten ausbilden würde.”

Dr. Alaeus fügt hinzu: „Wir waren darauf vorbereitet.“ Seit Beginn der Pandemie haben Wissenschaftler das Covid-19-Genom sequenziert und Tausende verschiedener Mutationen untersucht, um neue Varianten zu identifizieren, die gefährlicher sein könnten.

Wie werden die neuen Varianten erkannt?

Großbritannien ist in Europa bei diesen Tests führend. Seit seiner Gründung im April letzten Jahres hat COVID-19 Genomics UK – eine Gruppe aus Gesundheitsbehörden, akademischen Einrichtungen und Forschungseinrichtungen – 140.000 Virusgenome von mit Covid-19 infizierten Personen sequenziert.

Dr. Alaeus sagt: „In Großbritannien, Dänemark und den Niederlanden sind die Forschenden sehr erfahren und sequenzieren praktisch ständig, in anderen Ländern wurden jedoch keine regelmäßigen Sequenzierungen durchgeführt. Wenn man nach Varianten sucht, dann findet man auch welche.“

Tatsächlich identifizierten die Forschenden nur deshalb die neue, ansteckende Variante aus Großbritannien, weil sie aktiv danach suchten.

Ähnlich schnell gelang es in Dänemark, das auch mehr Genomsequenzierungen als viele andere europäische Länder durchführt, eine neue Coronavariante bei Nerzen zu erkennen.

Die britischen und südafrikanischen Varianten erhielten zwar in den Medien besonders viel Aufmerksamkeit, inzwischen wurden jedoch fast 4.000 Versionen (d.h. Veränderungen im genetischen Code) des Coronavirus identifiziert. Über die meisten davon, beispielsweise eine seltene Variante mit einer Veränderung des Spike-Proteins, die im April in Stockholm nachgewiesen wurde, wird nur in der Fachpresse berichtet.

Muss ich mir Sorgen machen?

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die neuen Varianten schwerere Symptome verursachen. Obwohl sich mehr Personen unter 20 Jahren mit der neuen britischen Variante infiziert haben, könnte das schlicht darauf zurückzuführen sein, dass diese Variante ansteckender ist und entstand, als die Schulen noch geöffnet waren.

Dr. Alaeus erklärt: „Die neue Variante, die in Großbritannien identifiziert wurde, hat zahlreiche Mutationen auf der Rezeptor-Bindungsdomäne, die dem Virus dabei helfen, sich in menschlichen Zellen einzunisten. Dadurch scheint diese Variante wesentlich leichter übertragbar zu sein. Aber wir wissen noch nicht wirklich, wie umfassend diese Veränderungen sind.“




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Wie wirksam sind die Impfstoffe gegen die neuen Corona-Varianten?

Noch wichtiger ist: Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine der neuen Varianten die Wirksamkeit der Impfstoffe verringern wird, die gerade weltweit zugelassen werden.

Dr. Alaeus erklärt: „Die Impfstoffhersteller haben neutralisierende Antikörper von geimpften Personen entnommen und im Labor auf die neuen Virusvarianten angesetzt. Dabei wurde nachgewiesen, dass sie auch die Virusvarianten neutralisieren können.“

Öffentliche Gesundheitsbehörden in ganz Europa sind jetzt in Alarmbereitschaft, um Fälle von Covid-19 bei Personen zu untersuchen, die geimpft wurden oder sich ein zweites Mal infiziert haben.

Selbst wenn Impfstoffe weniger wirksam werden, werden sie immer noch funktionieren. Dr. Alaeus sagt: „Selbst wenn die Wirksamkeit der Impfstoffe von 95 % auf, sagen wir, 70 % sinkt, wird das letztlich keinen großen Unterschied machen. Die Wirksamkeit sinkt nicht plötzlich auf Null.“

Da immer mehr Menschen eine Immunität gegen Covid-19 entwickeln, entweder durch die Impfung oder weil sie sich infiziert haben, wird es für das Virus auch schwieriger, sich zu verbreiten.

Diese Impfstoffe lassen sich außerdem relativ leicht anpassen. „Es kann sein, dass wir den Wirkverstärker ein wenig verändern müssen, aber dadurch werden die Impfstoffe nicht nutzlos“, erklärt Dr. Alaeus. In Zukunft können Risikopatienten zu Beginn jedes Winters eine leicht angepasste Corona-Impfung erhalten, genauso, wie wir es heute bereits mit der Grippeschutzimpfung handhaben.

Gibt es auch gute Nachrichten?

Die neuen Coronavirus-Varianten könnten sich als weniger gefährlich erweisen – denn wenn ein Virus eine schwere Erkrankung verursacht, reduziert es damit auch seine Möglichkeit, sich auszubreiten. Es liegt eigentlich nicht im Interesse des Virus, Todesfälle zu verursachen, da wir der Wirt sind, der es dem Virus erlaubt, zu überleben und sich weiter auszubreiten.

Erkältungsviren können sich unter anderem deshalb so gut verbreiten, weil sie Symptome verursachen, die so mild sind, dass wir oft weiter zur Arbeit oder zur Schule gehen – und so die Infektion weiter verbreiten.

Bis auf weiteres sollten wir alle uns weiterhin schützen, indem wir die aktuellen Beschränkungen beachten, uns regelmäßig die Hände waschen, Abstand zu unseren Mitmenschen halten, unsere Kontakte reduzieren und eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

Dieser Artikel wurde mit ärztlicher Genehmigung von Dr. Annette Alaeus, Leiterin der Abteilung Infektionskrankheiten bei Kry, veröffentlicht.

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