Reizdarm und Reizmagen

Das Reizdarmsyndrom ist eine chronische Erkrankung, die mit Bauchschmerzen und gestörter Magen - und Darmfunktion einhergeht. Verschiedene strukturelle, molekulare, genetische, immunologische, nervale und psychosoziale Veränderungen können zu einem Reizdarmsyndrom führen. Betroffene klagen oft über wechselndes Stuhlverhalten (Durchfall und/oder Verstopfung). Die Erkrankung tritt häufiger bei jungen Menschen ,insbesondere Frauen, auf. Die Behandlung beschränkt sich auf eine Symptomlinderung und die Vermeidung von Triggerfaktoren.

Das Reizdarmsyndrom ist ein Symptomkomplex mit lang anhaltenden wiederkehrenden Magen- und Darmbeschwerden ohne auffindbare Darmschädigungen, die zu diesem Beschwerdebild führen können.

Es wird zwischen drei Haupttypen unterschieden:

  • Reizdarm mit Durchfall
  • Reizdarm mit Obstipation (Verstopfung)
  • Reizdarm vom Mischtyp (sowohl Durchfall als auch Verstopfung können abwechselnd auftreten)

Die Symptome von Reizdarm können folgende umfassen:

  • Bauchschmerzen
  • Völlegefühl nach den Mahlzeiten
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • unvollständige Darmentleerung u. v. m.

In den Fachkreisen werden genetische, hormonelle, bakterielle, psychische und neuroimmunologische Faktoren sowie Störungen der Darmbarrierefunktion beschrieben, die ein Reizdarmsyndrom begünstigen können.

Eine gestörte Darmbewegung und eine Überempfindlichkeit des Darms gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln oder Darminhalten können die Symptome vom Reizdarm erklären.

Das Nervensystem spielt eine wichtige Rolle in der Regulation der menschlichen Darmbewegung. Wenn die Verbindung zwischen dem Nervensystem und dem Darm aufgrund von genetischen, mikrobiellen oder sogar psychischen Veränderungen (z. B. Stress, Depressionen) gestört wird, kann daraus eine unregelmäßige und beeinträchtigte Darmfunktion entstehen. Dies macht sich wiederum in Form von Bauchschmerzen, Durchfällen bzw. Verstopfungen bei den Individuen bemerkbar.

Der Reizdarm ist eine lebenslange rezidivierende Erkrankung, die unterschiedliche Ausprägungen bei den Betroffenen zeigt und von beschwerdefreien Intervallen unterbrochen wird.

Reizdarm ist bisher eine reine Ausschlussdiagnose. Das heißt, der Arzt soll andere organische Erkrankungen, die die Symptome erklären können, ausschließen, bevor die Diagnose “Reizdarm” gestellt wird. Zu den diagnostischen Maßnahmen gehören unter anderem: Blut- und Stuhluntersuchungen, ausführliche Krankengeschichte (z. B. Häufigkeit und Dauer der Darmbeschwerden), körperliche Untersuchung und in manchen Fällen auch eine Magen- und/oder Darmspieglung.

Falls du eine lang anhaltende Veränderung des Stuhlgangs hast oder andere Symptome (z. B. Bauchschmerzen, Blähungen) verspürst, die auf ein Reizdarmsyndrom hindeuten können, solltest du einen Arzt kontaktieren.

Eine Veränderung des Lebensstils mit mehr Sport (mindestens 20 Min 3 bis 5 mal pro Woche) sowie das Einhalten von regelmäßigen Bettgehzeiten mit ausreichender Schlafdauer (8 Stunden pro Nacht) führt zur Stressreduktion und beruhigt den Körper (und somit auch den Darm).

Bestimmte Nahrungsmittel wie z. B. koffeinhaltige Getränke können den Darm anregen und die Beschwerden verschlimmern. Deshalb sollte man diese vermeiden. Ballaststoffreiche Ernährung (insbesondere Flohsamen) sowie eine laktose- bzw. glutenfreie Diät können auch in manchen Fällen den Krankheitsverlauf verbessern.

Eine medikamentöse Therapie ist nur eingeschränkt zu empfehlen. Abhängig von der Schwere der Symptomatik können Medikamente gegen Verstopfung (z. B. Laxantien), Durchfall (Hemmung der gesteigerten Darmbewegung) oder Schmerzen verabreicht werden.

Probiotika (Arzneimittel mit Mikroorganismen wie z. B. der Darmflora förderlichen Bakterien) können in ausgewählten Situationen und nach Rücksprache mit dem Arzt eingesetzt werden.

Liegt bei dir ein Reizdarmsyndrom vor? Gibt es andere Erkrankungen, die deine Symptome erklären können? Welche Behandlungsoptionen kommen für Dich in Frage? Welche Vorbeugungsmaßnahmen kannst Du ergreifen? solltest bestimmte Medikamente einnehmen, um deine Beschwerden zu therapieren? Diese Fragen und Andere kannst über die KRY-Videosprechstunde mit einem Arzt besprechen.

Falls es notwendig ist, kann der Arzt dir eine Überweisung zum Gastroenterologen ausstellen.

  1. S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom
    https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-016l_S3_Reizdarmsyndrom_2011-abgelaufen.pdf
  2. International Foundation for Gastrointestinal Disorders, What is IBS?
    https://aboutibs.org/what-is-ibs-sidenav.html
  3. The National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Irritable Bowel Syndrome (IBS)
    https://www.niddk.nih.gov/health-information/digestive-diseases/irritable-bowel-syndrome
  4. Herold , Innere Medizin 2019, Reizdarmsyndrom (RDS).
  5. Schemann, M. (03.02.2017): „Reizdarm und Reizmagen – Pathophysiologie und Biomarker“, https://www.springermedizin.de/reizdarm-und-reizmagen-pathophysiologie-und-biomarker/12043350, Last access: 15.05.2020
Letzte Aktualisierung:
7. Mai 2020