Reisekrankheit

Übelkeit und Erbrechen können langen Reisen schnell den Spaß nehmen. Sie werden häufig durch Bewegungen der Umgebung verursacht, weshalb sie in der Fachsprache als Kinetosen bezeichnet werden. In den allermeisten Fällen vergehen die Symptome von alleine.

Die Reisekrankheit, auch Kinetose genannt, steht im Zusammenhang mit Bewegung des eigenen Körpers oder der Umgebung. Unabhängig von der möglichen Bewegungsart - sei es an Land mit dem Auto, in der Luft im Flugzeug, auf See in einem Boot oder sogar im Weltall - wenn die Sinneseindrücke, die der Körper erhält, nicht zusammenpassen, kann er mit Übelkeit reagieren. Es ist auch möglich, dass diese Reaktion allein durch visuelle Reize, zum Beispiel in einem 3D-Kino, ausgelöst wird. Hier wird dann von einer Pseudokinetose gesprochen, da keine eigentliche Bewegung stattfindet.

Die Symptome einer Reisekrankheit beginnen meist schleichend mit Müdigkeit, vermehrtem Gähnen oder verminderter Aufmerksamkeit. In diesem Stadium ist es möglich, dass dir selbst noch nicht auffällt, dass sich eine Reisekrankheit entwickelt. Die Hauptbeschwerde einer Reisekrankheit ist der Schwindel. Zusätzlich dazu können sich Kaltschweißigkeit, Blässe und gelegentlich Kopfschmerzen bemerkbar machen. Abhängig vom Schweregrad können die Beschwerden mit vermehrtem Speichelfluss, starker Übelkeit und Erbrechen enden. Diese Symptome sind oft sehr belastend für die betroffene Person.

Am häufigsten leiden Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren unter einer Reisekrankheit. Im Alter verringern sich die Beschwerden oft, oder bleiben komplett aus.
Zur Zeit wird davon ausgegangen, dass Kinetosen durch Konflikte in der Sinneswahrnehmung entstehen - die Empfindungen der verschiedenen Organe stimmen nicht mit den Erwartungen überein. Es gibt viele Wege, wie dein Körper Bewegungen wahrnimmt:

  • Innenohr: Das Innenohr nimmt über Sinneszellen nicht nur Beschleunigungen in der horizontalen und vertikalen Achse auf, sondern kann auch Drehbewegungen wahrnehmen.
  • Augen: Deine Augen messen Bewegungen im Bezug zu deiner Umgebung.
  • Halsmuskulatur und Wirbelsäule: Über deinen Hals weiß dein Körper, wie der Kopf im Vergleich zum Körper steht.
  • Gelenke und Muskeln: Die Gelenke und Muskeln deines Körpers senden konstant Signale über deren Stellung. So erhält dein Gehirn Informationen über die Haltung deines Körpers.

Alle diese Informationen werden in deinem Gehirn zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Im Normalfall passen sie ohne Widersprüche zusammen. Ist dem nicht so, kann das Gehirn mit Müdigkeit und Übelkeit reagieren. Interessant ist, dass vor allem Bewegungen mit einer niedrigen Frequenz zu einer Kinetose führen, deshalb wirst du eher seekrank durch Wellengang als zum Beispiel “reitkrank” auf einem Pferd.

Nach Wegfall des Auslösers bilden sich die Symptome einer Reisekrankheit spätestens nach einem Tag zurück. Wenn die Bewegung anhält, gewöhnen sich die meisten Menschen jedoch auch relativ schnell daran. Nach einer längeren Zeit auf See kann es sogar zu Beschwerden beim ersten Landgang kommen. Der Körper hat sich an das Schwanken gewöhnt und reagiert auf den stillen Untergrund.

Die Reisekrankheit präsentiert sich meist mit sehr spezifischen Symptomen. Um andere HNO- oder neurologische Erkrankungen auszuschließen, kann es aber nötig sein, weiterführende Untersuchungen bei spezialisierten Ärzten durchführen zu lassen.

Wenn du dich stark von einer Reisekrankheit beeinträchtigt fühlst und medikamentöse Hilfe suchst, solltest du mit einem Arzt sprechen. Es gibt viele verschiedene Medikamente, die gegen Übelkeit wirken, jedoch ist es wichtig sie auf die individuellen Beschwerden und eventuelle Medikamenteneinnahme anzupassen.

Abhängig von der Dauer der auslösenden Bewegung gibt es verschiedene Arten, wie du gegen deine Reisekrankheit vorgehen kannst. Weißt du, dass du über längere Zeit der Bewegung ausgesetzt sein wirst, kannst du auf den Gewöhnungseffekt setzen.
Um die akuten Symptome zu erleichtern, solltest du versuchen, die Konflikte deiner Sinnesorgane weitestgehend zu beheben.

Verminderung der Bewegung:
Um die Reizung deines Innenohrs zu vermindern, hilft es, vor allem vertikale Bewegungen zu vermeiden. Diese lösen verstärkt Reisekrankheit aus. Hierzu zählt das sogennante “Stampfen” eines Schiffes - das Schiff wird durch Wellen nach oben gedrückt und fällt anschließend ins folgende Wellental. Die Bewegung des Schiffes kannst du leider nicht beeinflussen. Wenn du seekrank bist, kann es aber hilfreich sein, sich in der Mitte des Schiffes aufzuhalten. Das Mittschiff bewegt sich meist in geringerem Maße als der Bug oder das Heck. Das gleiche Prinzip kannst du auch im Flugzeug anwenden. Weißt du, dass du unter Flug-bedingter Reisekrankheit leidest, kannst du versuchen, dir einen Sitz über den Tragflächen zu reservieren.

Synchronisierung der visuellen Reize:
Die Augen spielen eine wichtige Rolle in der Wahrnehmung deiner Bewegung. Im Auto oder im Bus vorne zu sitzen ermöglicht dir einen Blick nach vorne und nach außen. Du hast somit deine Umgebung besser im Blick. Am besten hilft es, einen festen, weit entfernten Punkt zu fixieren. Meistens bietet sich der Horizont an. Wenn du dazu nicht die Möglichkeit hast, kann es helfen, deine Kopfbewegungen zu minimieren und die visuellen Reize komplett auszuschalten, indem du deine Augen schließt.

Aktives synchronisieren:
Fühlst du dich trotz Seekrankheit in der Lage, aktiv zu sein, kannst du versuchen, durch aktive Ausgleichbewegungen oder Umhergehen deine Sinne aktiv wieder zu synchronisieren. Im Auto kann es hilfreich sein, selber das Steuer zu übernehmen.

Unabhängig der Sinneseindrücke gibt es auch einige andere Dinge, die du unternehmen kannst, um deine Beschwerden zu lindern oder zu komplett zu vermeiden. Ingwer, zum Beispiel, wirkt gegen Übelkeit und wird schon seit langer Zeit gegen Seekrankheit eingesetzt. Es wird auch vermutet, dass Vitamin C-Einnahme hilfreich sein kann. Angenehme Musik und Gerüche, sowie tiefe Atmung wirken beruhigend und können im Akutfall Abhilfe schaffen.
Weißt du, dass du eine lange Fahrt antrittst, solltest du auf Nahrungsmittel wie zum Beispiel Thunfisch, Emmentaler Käse, Salami, Sauerkraut und Rotwein verzichten. Sie enthalten viel Histamin - ein Stoff der Übelkeit auslöst. Wenn du Raucher bist, solltest du in Momenten der Übelkeit lieber auf Nikotin verzichten.

Die wichtigste Säule der Therapie einer Reisekrankheit ist das Verhalten während der Episode der Übelkeit. Durch entsprechende Maßnahmen kann deine Übelkeit eingegrenzt und so die weitere Reise möglichst angenehm weitergeführt werden.

Falls die Übelkeit sehr stark ist, kann der Einsatz von Medikamenten erforderlich sein. Einige von ihnen haben Nebenwirkungen, die du im Vorhinein mit einem Arzt besprechen solltest. Antihistaminika zum Beispiel können Müdigkeit verursachen, weshalb sie nicht für Fahrer geeignet sind.

Kinder leiden häufiger als Erwachsene unter Reisekrankheit. Alle oben genannten Tipps können auch bei Kindern angewendet werden. Wenn deinem Kind auf einer Autoreise schlecht wird, sollte es zum Beispiel nicht lesen, sondern zum Horizont gucken. Medikamente, die gegen Übelkeit helfen, sind oft auch als Zäpfchen für Kinder erhältlich.

Durch ein Gespräch mit einem Arzt kannst du über KRY die Ursachen deiner Übelkeit eingrenzen. Falls es sich um eine Kinetose handelt, kannst du mit dem Arzt dein weiteres Vorgehen besprechen und er kann dir, wenn nötig, Rezepte für die entsprechenden Medikamente ausstellen.

  1. Koch A, Cascorbi I, Westhofen M, Dafotakis M, Klapa S, Kuhtz-Buschbeck JP: The neurophysiology and treatment of motion sickness. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 687–96. DOI: 10.3238/arztebl.2018.0687
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Letzte Aktualisierung:
24. Apr. 2020