Kontrazeptiva

Bei der Suche nach dem richtigen Verhütungsmittel stehen Frauen und Männer häufig vor der Qual der Wahl. Die große Auswahl macht die Suche schwer und unübersichtlich. Die Verhütungsmethoden unterscheiden sich individuell stark zwischen Wirkprinzip und Sicherheit. Auch die weitreichenden Nebenwirkungen einiger Präparate sollten bei der Entscheidung mitbedacht werden.

Verhütungsmittel (Kontrazeptiva) werden zum Zweck der Empfängnisverhütung verwendet. Sie schützen vor ungewollter Schwangerschaft, indem sie den Eisprung, die Befruchtung der Eizelle oder das Einnisten der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter verhindern. Lediglich Kondome oder Femidome schützen darüber hinaus vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten.
Der Pearl-Index ist ein Maßstab für die Sicherheit einer Verhütungsmethode. Ein Pearl-Index von 20 gibt an, dass 20 von 100 Frauen, die ein Jahr ein Verhütungsmittel eingenommen haben, trotzdem schwanger wurden. Je geringer der PI, desto sicherer ist folglich das Kontrazeptivum.

  • Kondome: Kondome schützen nicht nur vor ungewollter Schwangerschaft, sondern auch vor der Übertragung der meisten Geschlechtskrankheiten. Sie hindern die Übertragung von Körperflüssigkeiten auf den Geschlechtspartner und sollten auch bei Oral- und Analsex genutzt werden. PI 2 - 12
  • Femidom: Das Kondom für die Frau bietet ebenfalls Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und ungewollter Schwangerschaft. Femidome sind deutlich teurer als Kondome und in der Handhabung anspruchsvoller. PI 5 - 25
  • Scheidendiaphragma: Das Diaphragma wird vor dem Geschlechtsakt in die Scheide eingeführt und kommt vor dem Muttermund zum Liegen. Der richtige Sitz erfordert viel Übung und Fingerspitzengefühl. Die Anwendung sollte in Kombination mit spermienabtötenden Cremes erfolgen. Das Diaphragma kann nach Säuberung immer wieder genutzt werden. PI 1-20
  • Portiokappe: Die Portiokappe wird auch vor dem Sex in die Scheide eingeführt und sollte ebenfalls in Kombination mit chemischen Verhütungsmitteln verwendet werden. Die Anpassung für den richtigen Sitz muss im Vorhinein mit dem Frauenarzt erfolgen.
  • Chemische Verhütungsmittel: Die spermizide Wirkweise der chemischen Verhütungsmittel basiert auf der Abtötung der Spermien. Es werden verschiedene Gels, Cremes, Zäpfchen und Tabletten angeboten, die vor dem Sex in die Scheide eingeführt werden. Chemische Verhütungsmittel sind sehr unsicher und sollten nur in Kombination mit anderen Verhütungsmethoden angewendet werden. PI 3 - 21
  • Natürliche Verhütung: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auf natürlichem Wege eine Schwangerschaft zu verhüten. Als hormonfreie Verhütungsmethoden bieten diese eine Alternative zu den herkömmlichen Kontrazeptiva. Als sicherste Variante sei hier die symptothermale Methode erklärt. Hierbei wird der Zyklus über die Temperatur und die Beschaffenheit des Zervixschleims getrackt. Kurz vor Eisprung steigt die Körpertemperatur und der Schleim wird flüssiger und lässt sich leichter spinnen. Während des Eisprungs müssen infolgedessen Kondome verwendet werden oder auf Sex verzichtet werden. Die Frauen müssen jeden Morgen zur gleichen Zeit ihre Temperatur messen und die Spinnbarkeit ihres Schleimes überprüfen. Voraussetzungen für die Sicherheit dieser Methode sind ein regelmäßiger Schlaf-Wachrhythmus und eine hohe Zuverlässigkeit: bereits Schwankungen wie Nachtschichten können zu Verfälschungen führen. Bei verhältnismäßig hohem Aufwand gibt es bei dieser Methode keine Nebenwirkungen. Bei richtiger Ausführung hat die symptothermale Verhütung einen vergleichbar hohen Pearl-Index wie die Pille. PI 0,4 - 1,8
  • Sterilisation: Bei der Sterilisation werden bei Frauen unter Vollnarkose die Eileiter durchtrennt und bei Männern unter Lokalanästhesie die Samenleiter durchgeschnitten. Während der Eingriff bei der Frau endgültig und mit hohen Risiken verbunden ist, ist er bei Männern vergleichsweise einfacher und risikoärmer. Eine Sterilisation sollte nur bei abgeschlossener Familienplanung durchgeführt werden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 500 bis 600 Euro.

Hormonelle Kontrazeptiva wirken über die Hormone Östrogen und Gestagen. Während Östrogen den Eisprung verhindert, verhindern Gestagene die Einnistung des befruchteten Eies in die Gebärmutter. Allen gemein ist das erhöhte Risiko für Nebenwirkungen: bei einigen Frauen kommt es zu Schwindel, Kopfschmerzen, Brustspannen, Depressionen, Gewichtszunahme sowie Libidoverlust (Geringe Lust auf Geschlechtsverkehr). Außerdem steigt das Risiko, an einer Thrombose zu erkranken insbesondere im ersten Jahr der Anwendung, im Verlauf bleibt es jedoch auch erhalten.Frauen mit hohem Körpergewicht und Raucherinnen ist von dieser Verhütungsmethode abzuraten. Wechselwirkungen mit insbesondere Johanniskraut und bestimmten Medikamenten sind zu beachten. Darüber hinaus gibt es weitere Kontraindikationen, die dringend mit dem Arzt abgesprochen werden sollten.

  • Pille: Die Pille ist das wohl bekannteste Verhütungsmittel für die Frau. Es gibt verschiedene Arten von Antibabypillen, die sich aus Östrogen und/oder Gestagen zusammensetzen. Östrogene verhindern hierbei den Eisprung und Gestagene die Einnistung des befruchteten Eies in die Gebärmutter. Die Mikropille ist ein Östrogen-Gestagen Kombinationspräparat mit sehr geringer Hormondosis, das häufig verschrieben wird. Die Minipille hingegen ist ein niedrig dosiertes Gestagenpräparat, das ohne Pause und stets zur selben Zeit eingenommen werden muss. Die Pille hat einen Einfluss auf das Risiko an Krebs zu erkranken: während sich das Risiko an Brust- und Gebärmutterhalskrebs erhöht, sinkt das Risiko für Eierstockkrebs, Darm- und Gebärmutterschleimhautkrebs. Bei Einnahme der Pille sollte eine regelmäßige gynäkologische Kontrolluntersuchung stattfinden. Die Pille kommt auch bei Erkrankungen wie dem PCO-Syndrom, Endometriose, Myomen oder starken Zyklusbeschwerden zum Einsatz. PI Mikropille 0,1 - 0,9 PI Minipille 0,5 - 3
  • Vaginalring: Der Ring wird zu Anfang des Zyklus in die Scheide eingeführt. Er gibt über den Zeitraum von 21 Tagen gleichmäßig die Hormone Gestagen und Östrogen ab. Anschließend wird er entfernt und nach Monatsblutung neu eingesetzt. Die Kosten belaufen sich auf circa 80 Euro im halben Jahr. PI 0,4 - 0,65
  • Pflaster: Auch das Pflaster wird über einen Zeitraum von 21 Tagen getragen und gibt über die Haut Hormone ab. Es muss alle sieben Tage gewechselt werden und kostet 13 Euro. PI 0,8
  • Spirale (Intrauterinpessar): Es gibt die Auswahl zwischen Kupferspiralen und Gestagen beschichteten Hormonspiralen, die vom Frauenarzt eingesetzt werden. Die Intrauterinpessare können drei bis fünf Jahre im Uterus verbleiben. Die Kosten für die Implantation belaufen sich auf circa 300 bis 400 Euro. Als Nebenwirkung kann es zu Schmerzen nach Einsetzen der Spirale, zu einer Entzündung der Uterusschleimhaut (Endometritis) und zur Abwehrreaktion des Körpers kommen. PI (Hormonspirale) 0,16 PI (Kupferspirale) 0,3 - 0,8
  • Dreimonatsspritze: Das Hormon Gestagen wird alle drei Monate in den Muskel gespritzt. Die Kosten belaufen sich auf circa 30 Euro. PI 0,3 - 0,88
  • Verhütungsstäbchen: Das Hormonimplantat wird in die Haut des Oberarms implantiert und gibt das Hormon Gestagen an die Haut ab. Dort verbleibt es für circa drei Jahre und kostet einmalig 350 Euro. PI 0.05

Bei der Beratung zur richtigen Verhütungsmethode sollte ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt geführt werden. Wichtige Faktoren wie Vorerkrankungen, eine gynäkologische Anamnese sowie Risiken wie Rauchen sollten dabei angesprochen werden. Auch sollte der Lebensstil und die zukünftige Familienplanung thematisiert werden. Bei der Nutzung des gewählten Präparats solltest Du Deinen Körper stets im Auge behalten und bei Veränderungen dem behandelnden Arzt Bescheid geben.
Es werden einige kostenlose Apps angeboten, mit denen Du Deinen Monatszyklus tracken kannst. Dies kann Dir und dem Arzt helfen, Unregelmäßigkeiten und Auffälligkeiten zu erkennen und nachzuvollziehen.

Da die meisten Verhütungsmittel keinen hundertprozentigen Schutz vor Schwangerschaft bieten, kann es durchaus zu einer ungewollten Schwangerschaft kommen. Bei Zyklusunregelmäßigkeiten oder Ausbleiben der Monatsblutung sollte in jedem Fall ein Frauenarzt konsultiert werden. Im Falle einer Schwangerschaft sollte außerdem die Einnahme der Pille beendet werden. In der Stillzeit sollte die gestagenhaltige Minipille zum Einsatz kommen, da diese nicht in die Muttermilch übergehen kann.

Falls ungeschützter Geschlechtsverkehr stattgefunden hat, oder die Einnahme der Pille vergessen wurde, kann die Pille danach zur Anwendung kommen. Sie kann mit hoher Wahrscheinlichkeit das Eintreten einer Schwangerschaft verhindern. Bestenfalls wird sie innerhalb von 12 Stunden nach stattgehabtem Geschlechtsverkehr eingenommen (maximal drei bis fünf Tage in Abhängigkeit vom Präparat). Allerdings birgt die Einnahme der Pille danach auch Nebenwirkungen und sollte nur im Ausnahmefall eingenommen werden.
Falls Dein Sexualpartner an einer Geschlechtskrankheit leidet, solltest Du einen Arzt konsultieren. Er kann Dich beraten und Dir bei Infektion mit einer sexuell übertragbaren Krankheit gegebenenfalls Medikamente verschreiben. Außerdem besteht die Möglichkeit einer HIV-Postexpositionsprophylaxe, falls Dein Geschlechtspartner mit HIV infiziert ist und den Virus weitergibt. Dies sollte in der Regel so schnell wie möglich geschehen, um eine Ansteckung zu vermeiden.

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  1. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-015l_S3_Hormonelle_Empfaengnisverhuetung_2020-01.pdf
  2. https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/verhuetungsmethoden/
  3. https://www.gesundheitsinformation.de/hormonelle-verhuetungsmittel.2327.de.html?part=hormone-j6
  4. Bühling, Friedmann: Intensivkurs Gynäkologie und Geburtshilfe. Elsevier 2009, ISBN: 978-3-437-42401-4
Letzte Aktualisierung:
27. Feb. 2020