Kehldeckelentzündung: Epiglottitis

Die akute Epiglottitis ist eine gefürchtete Kinderkrankheit, die sich mit Schluckbeschwerden, kloßiger Sprache und hohem Fieber bemerkbar macht. Mit Einführung der Impfung vor circa fünfzig Jahren ist die Anzahl der Neuinfektionen stark zurückgegangen. Derzeit erkranken nunmehr häufig ältere sowie ungeimpfte Menschen an der Infektion.

Die Epiglottitis, auch genannt Laryngitis supraglottica, beschreibt eine akute Entzündung des Kehlkopfdeckels. Der Kehlkopf ist eine anatomische Struktur zwischen Rachen und Luftröhre. Er erfüllt eine wichtige Funktion beim Schlucken sowie Sprechen. Durch die Entzündung schwillt der Kehlkopf zunehmend an, was den Patienten die klassischen Halsschmerzen, Schluck- sowie Sprechbeschwerden verursacht. Die große Gefahr bei Auftreten der Krankheit besteht im Zuschwellen der Atemwege: der Patient kann ersticken.

Eine Kehldeckelentzündung kann durch verschiedene Bakterien ausgelöst werden. Meistens ist Haemophilus influenzae Typ B (Hib) verantwortlich. Darüber hinaus ist das Hib Auslöser schwerwiegender eitriger Hirnhautentzündungen.

Heutzutage kommen auch einige andere Erreger als Auslöser der Epiglottis in Betracht wie beispielsweise Streptokokken und Pneumokokken.

Die Erkrankung zeichnet sich durch einen sehr plötzlichen Beginn mit hohem Krankheitsgefühl aus. Bei Verdacht auf Kehldeckelentzündung sollte umgehend ein Krankenwagen mit Notarzt gerufen werden, da der Erstickungstod droht.

  • Hohes Fieber
  • Halsschmerzen, Schluckbeschwerden
  • Kloßige Sprache, veränderte Stimme
  • Hoher Speichelfluss
  • Atembeschwerden bis hin zur Atemnot, Schnarchendes Atemgeräusch beim Ausatmen

Meistens tritt bei den Betroffenen kein Husten und keine Heiserkeit auf. Die Patienten neigen dazu, eine nach vorne gebeugte, sitzende Haltung einzunehmen, um besser Luft zu kriegen.

Die Übertragung der ansteckenden Bakterien geschieht als Tröpfcheninfektion: über die Luft können winzige Tröpfchen von Erkrankten verteilt werden (beispielsweise durch Husten und Niesen) und anschließend durch Gesunde eingeatmet werden. Zwei bis fünf Tage nach Ansteckung treten die Symptome auf. Da die meisten Menschen geimpft sind, besteht für sie in der Regel keine Ansteckungsgefahr.

Bei Verdacht auf Kehlkopfdeckelentzündung sollte umgehend ein Krankenwagen gerufen werden. Der Transport in die nächste Klinik sollte mit Arzt in sitzender Körperhaltung geschehen.

Die Erkrankung wird anhand ihrer Symptome diagnostiziert. Unter Umständen wird der Arzt den Rachen und Kehlkopf inspizieren- dies ist jedoch nur bei vorheriger Intubation möglich und nicht empfehlenswert.

Es gibt einige andere Erkrankungen, die der Epiglottitis ähneln:

  • Grippaler Infekt (Erkältung): Hier treten Halsschmerzen, Schnupfen, Husten und Heiserkeit im Rahmen eines Infektes der oberen Atemwege auf. Der Beginn der Erkältung ist schleichend und es bestehen meistens keine Atembeschwerden.
  • Subglottische Laryngitis (Pseudokrupp): Bei dieser durch Viren ausgelösten Erkrankung stehen Husten und Heiserkeit im Vordergrund. DIe Kinder haben kein Fieber und sind in einem guten Allgemeinzustand. Pseudokrupp tritt deutlich häufiger als die Epiglottitis auf und heilt folgenlos ab.
  • Kehlkopfdiphterie (Echter Krupp): Auch hier fallen die Symptome Husten, Heiserkeit sowie Atemnot auf. Zusätzlich bestehen häufig ein süßlicher Mundgeruch und stark geschwollene Lymphknoten. Die seltene Erkrankung wird durch Bakterien ausgelöst, gegen die eine Impfung zur Verfügung steht.

Auch kann das Verschlucken eines Fremdkörper an eine Kehlopfentzündung erinnern. Es sollte bei jedem Verdacht umgehend ein Arzt konsultiert werden.

In erster Linie geht es bei der Therapie um das Offenhalten und die Sicherung der Atemwege. Dies kann durch Sauerstoffgabe und Intubation geschehen. Zusätzlich bieten einige Antibiotika eine wirksame Therapie gegen die auslösenden Bakterien. Diese können im stationären Rahmen über die Vene gegeben werden, um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten.

Bei Einleitung angemessener Sofortmaßnahmen lässt sich die Erkrankung schnell in den Griff kriegen, und die Dauer beschränkt sich auf wenige Tage. Ohne umgehende Aufnahme in ein Krankenhaus und intensive Überwachung kann die Kehldeckelentzündung tödlich enden.

Die ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung gegen Hämophilus Influenzae im Rahmen der Sechsfachimpfung für Kinder im ersten Lebensjahr. Die Grundimmunisierung sollte im zweiten Lebensmonat begonnen werden und besteht aus vier Impfungen: sie schützt gegen die Krankheitserreger von Kehlkopfentzündung, Keuchhusten, Polio, Tetanus, Diphtherie und Hepatitis B. Anschließend sollten zwei Auffrischimpfungen im fünften sowie im fünfzehnten Lebensjahr stattfinden.

Sehr selten besteht die Möglichkeit, dass Patienten trotz Impfung an einer Epiglottitis erkranken. Diese Patienten bezeichnet man als Impfversager.

Bei dem Verdacht auf Epiglottitis solltest du nicht zögern und umgehend einen Krankenwagen holen. Sollte dein Kind oder du unter ähnlichen Symptomen leiden und du bist dir nicht sicher, um was es sich handelt? Über die KRY-App kannst du jederzeit einen Arzt konsultieren und ihm die Beschwerden schildern. Er wird dir beratend zur Seite stehen und dir gegebenenfalls geeignete Medikamente verschreiben. Er kann dir außerdem Fragen zur Impfung beantworten und dir Tipps im Umgang mit Kinderkrankheiten geben.

  • https://www.reanitrain.de/downloads/leitlinien/Notfaelle/paediatrische%20Notfaelle/Epiglottitis/Epiglottitis%20DGH.pdf
  • https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-010_S3_Halsschmerzen_Lang_10-2009_12-2013_abgelaufen.pdf
  • https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/kehlkopfentzuendungen/kehlkopfentzuendungen-laryngitis-pseudokrupp-epiglottitis.html
Letzte Aktualisierung:
17. Apr. 2020