Hausstaubmilbenallergie

Immer mehr Menschen leiden heutzutage unter Allergiebeschwerden. Eine der häufigsten Allergien ist die Hausstaubmilbenallergie, oft auch einfach nur Hausstauballergie oder Stauballergie genannt. Die Beschwerden können Heuschnupfen ähneln, doch ist es wichtig, sie zu unterscheiden, um sie richtig behandeln zu können.

Eine Allergie ist die Überempfindlichkeit gegenüber einem körperfremden Stoff, einem Allergen. Dieser ist an sich meist harmlos, das Immunsystem reagiert jedoch mit einer überschießenden Entzündungsreaktion, welche zu Beschwerden führen kann. Die Hausstaubmilbenallergie ist, anders als der Name vermuten lässt, weder eine Allergie gegen Hausstaub an sich noch gegen Hausstaubmilben. Vielmehr reagiert der Körper auf Substanzen, die vermehrt im Kot der Hausstaubmilben zu finden ist. Dieser ist im normalen Hausstaub mit enthalten und kann beim Einatmen, aber auch bei direktem Kontakt mit der Haut, allergische Symptome hervorrufen.

Hausstaubmilben sind kleine, nicht mit dem bloßen Auge sichtbare Spinnentiere. Hier in Deutschland sind vor allem die europäische Milbe (Dermatophagoides pteronyssinus) und die amerikanische Milbe (Dermatophagoides farinae) von Bedeutung. Die Milben sind harmlos. Sie können in jedem Haushalt vorgefunden werden und sind kein Anzeichen für mangelnde Hygiene. Die Tiere leben im Hausstaub, und da sie sich vorwiegend von Hautschuppen, Schimmelpilzen und Mehlpartikeln ernähren, sind sie meist in Matratzen, Polstern, Kissen, Teppichen und anderen Textilien im Haushalt zu finden. Hier sammeln sich die Hautschuppen, die wir täglich verlieren.
Am liebsten leben sie bei 25°C und einer Luftfeuchtigkeit von 65-80%. Sie vermehren sich deswegen vor allem in den Sommermonaten und sterben im Herbst, wenn die Temperaturen sinken, wieder ab. Der von ihnen abgesonderte Kot enthält Stoffe, auf die viele Menschen allergisch reagieren können. Da Milben im Herbst absterben, werden diese Stoffe vermehrt freigesetzt, wodurch Menschen, die unter einer Hausstaubmilbenallergie leiden, in dieser Zeit am meisten Beschwerden aufweisen. Hienzu kommt, dass die durch das Heizen erwärmte Luft nach oben steigt und damit den Hausstaub aufwirbelt. Dies verstärkt das Herumfliegen der allergieauslösenden Stoffe in der Atemluft.

Immer mehr Menschen leiden unter Allergien. Die Ursachen dieses Trends sind noch nicht genau erforscht. Eine möglicher Grund für die Zunahme der Hausstaubmilbenallergie ist die verbesserte Raumabdichtung. Zwar können auf diese Weise Heizkosten gespart werden, jedoch erhöht sich auch die Luftfeuchtigkeit innerhalb eines isolierten Raumes. Durch die luftdichte Isolierung gegenüber der Außenwelt findet seltener ein Luftaustausch statt. Für eine Hausstaubmilbe ist die hohe Luftfeuchtigkeit der optimale Lebensraum.

Die Art und der Schweregrad der Beschwerden hängt von der Menge an Hausstaubmilbenkot ab, mit dem du in Kontakt kommst. Einige der Anzeichen für eine Hausstaubmilbenallergie sind:

  • Ganzjährliche allergische Rhinitis: Schnupfen mit klarem Sekret, Niesen
  • Allergische Konjunktivitis: Rötung der Augen, Juckreiz und Tränen
  • Allergisches Asthma bronchiale: Atembeschwerden durch Verengung der Atemwege, zum Teil mit akuter Atemnot
  • Allergisch bedingter Husten mit Verschleimung
  • Hautausschlag, Juckreiz oder sogar Quaddelbildung

All diese Beschwerden verstärken sich meist nachts oder morgens direkt nach dem Aufstehen. Im Bett hast du durch deine Matratze, das Kissen und die Decke den meisten direkten Kontakt zu Hausstaubmilben.
Es kann schwer sein, diese Beschwerden von anderen allergischen Erkrankungen zu unterscheiden. Hier sind jedoch einige Faktoren, auf die du achten kannst:
Heuschnupfen wird durch Pollen ausgelöst. Am meisten Beschwerden sind, abhängig von der auslösenden Pollensorte, deshalb im Frühjahr oder Sommer zu erwarten. Die Beschwerden einer Hausstaubmilbenallergie können das ganze Jahr über auftreten, verschlechtern sich jedoch meist im Herbst. Auch kannst du darauf achten, ob deine Beschwerden vor allem draußen oder drinnen auftreten. Pollen fliegen draußen, Hausstaub in geschlossenen Räumen.
Schwerer ist es, die Hausstaubmilbenallergie von anderen Innenraumallergien abzugrenzen. Hierzu zählen zum Beispiel eine Allergie gegen Schimmelpilze oder Tierhaar. Auch diese treten ganzjährig auf.

Die Hausstaubmilbenallergie gehört zum sogenannten atopischen Formenkreis. Das bedeutet, dass Menschen mit dieser Allergie ein erhöhtes Risiko haben, eine andere Erkrankung dieses Kreises auszubilden. Hierzu gehören:

  • Asthma bronchiale
  • Atopische Dermatitis/Neurodermitis (auch Verschlechterung der Symptome möglich)
  • Nahrungsmittelallergien (Nüsse, Soja, Ei, Weizen, Milcheiweiß, Schalentiere, Obst, etc.)

Es kann auch sein, dass im Verlauf der Allergie,vor allem ohne Behandlung, ein Etagenwechsel stattfindet, also ein Wechsel der Symptome von den oberen Atemwegen (Niesen, laufende Nase) zu den unteren Atemwegen (Asthma bronchiale). Asthma bronchiale erkennst du an Hustenanfällen, die nicht im Rahmen einer Erkältung auftreten, und pfeifenden Atemgeräuschen. Bei Kindern ist zum Beispiel Asthma bronchiale in drei Viertel der Fällen durch eine Allergie verursacht.

Um eine Diagnose zu ermöglichen, wird dein Arzt dir einige Fragen zur Art und dem Umfang deiner Beschwerden stellen. Auch ist es zum Beispiel relevant, ob bereits Allergien in deiner Familie bekannt sind, oder du selbst andere Allergien hast. Zusätzlich sind einige Tests möglich, um das ursächliche Allergen zu finden und andere Allergien auszuschließen. Hierzu gehört zum Beispiel ein Hauttest (Pricktest). Bei diesem Test werden anhand deiner Beschwerden verschiedene mögliche Allergene ausgesucht, und mit Hilfe einer kleinen Nadel unter die Haut gebracht. Dein Immunsystem würde auf ein Allergen mit einer Entzündungsreaktion antworten. Statt Husten oder Niesen wird hier auf eine Rötung und Schwellung gewartet.

Ursächlich kannst du leider nichts an einer Hausstaubmilbenallergie ändern. Hierzu musst du einen Arzt aufsuchen. Du kannst jedoch vieles tun, um deine Beschwerden zu lindern.
Bei einer Allergie ist es wichtig, den auslösenden Stoff zu vermeiden oder zu verringern. Leider ist es nicht möglich, Hausstaub komplett zu vermeiden. Es gibt jedoch viele Wege die Lebensbedingungen von Hausstaubmilben zu verschlechtern, somit die Symptome zu lindern und womöglich sogar die benötigte Medikamentenmenge zu verringern.

  • Verringerung der Luftfeuchtigkeit
    Hausstaubmilben lieben eine Luftfeuchtigkeit von über 60%. Durch häufiges Stoßlüften erlaubst du eine Luftzirkulation im Raum. Zusätzlich ist es sinnvoll, ein Bett mit Beinen zu besitzen, um auch eine Luftzirkulation unter deiner Matratze zu ermöglichen.
    Der Ort der höchsten Exposition: Schlafzimmer
    Deine Matratze dient als Rückzugsort für Hausstaubmilben. Es wurde nicht gezeigt, dass Synthetikmatratzen weniger Beschwerden bereiten, jedoch ist es besser, Matratzen mit Tierhaar zu meiden, da auch Allergien gegen diese möglich sind. Sinnvoll ist es, einen Schutzbezug (Encasing) für deine Matratze zu kaufen. Dieser erschwert Hausstaubmilben einen Zugang zu deinen Hautschuppen und vermindert den Durchtritt von Allergenen aus deiner Matratze. Diese Schutzbezüge haben verschiedene Standards, wobei die Anschaffungskosten bei einer nachgewiesenen Hausstaubmilbenallergie von vielen Krankenkassen übernommen werden.
  • Wasche deine Bettwäsche
    Am besten eignet sich Baumwollbettwäsche. Diese sollte bei 60°C gewaschen werden, um Hausstaubmilben abzutöten. Durch gutes Lüften des Bettzeuges nach dem Schlafen wird die in der Decke gesammelte Feuchtigkeit abgegeben. Auch die Bettdecke und das Kopfkissen enthalten Hausstaubmilben. Es kann nützlich sein, auch diese regelmäßig bei 60°C zu waschen. Kinder mit Hausstaubmilbenallergie sollten, wenn möglich, Kuscheltiere im Bett vermeiden. Wichtig ist zu wissen, dass Absaugen von Textilien alleine gegen Hausstaubmilben nicht ausreicht, da sie sich in diesen festkrallen können.
  • Staub vermeiden
    Auch wenn es nicht 100% möglich ist, Staub zu vermeiden, kann man dennoch steuern, wie viel davon in der Luft fliegt. Es hilft, häufig Staub zu saugen, am besten mit einem integrierten Feinstaubfilter, und darauf zu achten, dass der Beutel des Staubsaugers nicht zu voll ist. Wenn du Staub wischst, nimm lieber ein feuchtes Tuch statt einen Staubwedel. Dieser wedelt den Staub teilweise wieder auf, während ein feuchtes Tuch ihn größtenteils aufnimmt. Natürlich möchtest du nicht deine ganze Einrichtung verändern. Wenn du dir jedoch ohnehin ein neues Möbelstück zulegen solltest, ergibt es Sinn, die Beschaffenheit, beispielsweise hinsichtlich der Abwischbarkeit, bei der Auswahl zu berücksichtigen.
  • Staubfänger vermeiden
    Offene Regale und schwere, nicht waschbare Gardinen sind Staubfänger, die du vermeiden solltest. Auch ist es wichtig, bevor die Heizsaison im Herbst beginnt, die Heizkörper von Staub zu befreien.
  • Keine Pflanzen im Schlafzimmer
    Pflanzen erhöhen die Luftfeuchtigkeit in einem Zimmer. Zusätzlich bietet die Blumenerde einen guten Nährboden für Schimmelpilze. Beide diese Faktoren begünstigen das Leben für Hausstaubmilben.
  • Vermeide andere Schadstoffe
    Versuche, dich möglichst wenigen Schadstoffen auszusetzen. Hierzu gehören vor allem auch Zigaretten.

Die Therapie einer Hausstaubmilbenallergie kann in zwei Kategorien eingeteilt werden: die eine behandelt die Ursache der Allergie, während die andere sich mit den Beschwerden befasst.
Ursächlich kann nur ein Arzt eine Hausstaubmilbenallergie behandeln. Hierbei besteht die Möglichkeit, eine sogenannte Hyposensibilisierung durchführen zu lassen. Diese kann bis zu 3 Jahren dauern und eignet sich besonders fü Kinder, oder zum Beispiel bei einer neu aufgetretenen Allergie. Während der Hyposensibilisierung wird das Immunsystem wiederholt mit dem allergieauslösenden Stoff konfrontiert. Dies führt dazu, dass die Überempfindlichkeit schrittweise abgebaut wird.
Die Symptome einer Hausstaubmilbenallergie können mit verschiedenen Medikamenten gelindert werden. Abhängig von deinen Beschwerden gibt es zum Beispiel Nasensprays oder Augentropfen, um den Alltag zu erleichtern. Auch gibt es die Möglichkeit, sogenannte Antihistaminika einzusetzen. Diese Medikamente fahren die überschießende Immunreaktion des Körpers herunter, wodurch sich auch die Beschwerden verringern. Da sie keine ursächliche Behandlung sind, treten nach Absetzen der Medikamente die Beschwerden wieder auf.
Wichtig ist zu beachten, dass auch frei verkäufliche Medikamente ausgeprägte Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben können, die du eventuell schon einnimmst. Antihistaminika können zum Beispiel Müdigkeit hervorrufen. Du solltest deshalb mit einem Arzt besprechen, welche Medikamente für dich am besten geeignet sind.

Es gibt viele Faktoren, die Einfluss auf die Ausbildung von Allergien haben. Einige, wie zum Beispiel genetische Faktoren, kannst du nicht beeinflussen. Es gibt jedoch auch viele Empfehlungen, um das Risiko einer Allergie zu verringern:

  • Während der Schwangerschaft und Stillzeit wird eine ausgewogene Ernährung empfohlen. Es konnte nicht gezeigt werden, dass eine Vermeidung von möglichen Nahrungsmittelallergenen von Nutzen ist.
  • Säuglinge sollten, wenn möglich, die ersten 4 Lebensmonate voll gestillt werden. Wenn das nicht möglich ist, sollte entsprechende Formulanahrung eingesetzt werden.
  • In Deutschland wird empfohlen, ab dem 4. Lebensmonat Beikost einzuführen. Eine Verzögerung, um Allergien zu vermeiden, wird nicht empfohlen.
  • Bei Kinder sollte Übergewicht vermieden werden, um die Wahrscheinlichkeit von Asthma bronchiale zu senken.
  • Der Kontakt mit Tabakrauch sollte vermieden werden. Dies gilt auch in der Schwangerschaft.
  • Es gibt Hinweise, dass Impfungen das Allergierisiko senken können. Es wird deshalb empfohlen, auch Risikokinder nach den STIKO-Empfehlungen impfen zu lassen.

Bei KRY hast du die Möglichkeit, direkt mit einem Arzt über deine Beschwerden zu sprechen. Durch eine persönliche Beratung kann ein Arzt über KRY die Wahrscheinlichkeit einer Hausstaubmilbenallergie bei dir bestimmen, um dir die bestmögliche weitere Behandlung zu ermöglichen. Wir haben nicht nur die Möglichkeit, dir eine Überweisung für einen Allergietest auszustellen, sondern können dir auch, wenn sinnvoll, direkt Rezepte ausstellen, um deine Beschwerden zu lindern.

  1. Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), (2014), S3-Leitlinie Allergieprävention - Update 2014. AWMF-Register Nr. 061/016. Verfügbar unter https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-016l_S3_Allergieprävention_2014-07-abgelaufen.pdf (Zugriff am 04.11.2020)
  2. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/hausstaubmilbenallergie/was-ist-hausstaubmilbenallergie/ (Zugriff am 04.11.2020)
  3. Jacquet A. Innate immune responses in house dust mite allergy. ISRN Allergy. 2013;2013:735031.
  4. Sanchez-Borges M, Fernandez-Caldas E, Thomas WR, Chapman MD, Lee BW, Caraballo L, et al. International consensus (ICON) on: clinical consequences of mite hypersensitivity, a global problem. World Allergy Organ J. 2017;10(1):14.
  5. Thomas WR. Hierarchy and molecular properties of house dust mite allergens. Allergol Int. 2015;64(4):304-11.
Letzte Aktualisierung:
6. Mai 2020