Furunkel

Ein Furunkel kann sich durch die Entzündung eines Haarfollikels bilden. Er macht sich anfangs als rote, schmerzhafte Schwellung bemerkbar, die sich im weiteren Verlauf mit Eiter füllt. Meist verheilen Furunkel von alleine, jedoch kann es nötig werden, den Eiterpfropf von einem Arzt professionell entfernen zu lassen, um Komplikationen zu vermeiden. Warum du einen Furunkel niemals selber ausquetschen solltest, erfährst du hier.

Ein Furunkel bildet sich meistens aus einer kleineren Entzündung eines Haarfollikels - einer Follikulitis. Wenn sich die Entzündung weiter ausbreitet, kann sie als rote, schmerzhafte Schwellung mit einem zentralen, tief gelegenen Knoten beschwerden bereiten. Die Schwellung wird größer und füllt sich mit Eiter, den du als gelb-weißliche Spitze des “Pickels” sehen kannst. Die Schmerzen nehmen in der Regel immer weiter zu, bis sich der Furunkel spontan entleert hat. Mit dem Austritt des Eiters und dem zentralen Gewebepfropf lässt der Schmerz sofort nach. Dieser ganze Prozess kann nur 2 Tage lang andauern, sich aber auch über 3 Wochen ziehen. Nachdem der Furunkel sich entleert hat, beginnt der Heilungsprozess, welcher leider meist mit einer kleinen, eingezogenen Narbe endet.

Furunkel können überall am Körper auftreten, finden sich jedoch meistens an den Stellen, die vermehrt behaart sind. Schweiß und starke Reibung verstärken das Risiko für eine Furunkelbildung. Die typischen Stellen sind:

  • Gesicht
  • Nacken
  • Achseln
  • Oberschenkel
  • Gesäß und Genitalregion

Nicht behandelt kann sich die Haarbalgentzündung innerhalb des Gewebes weiter ausbreiten und zur Bildung von multiplen Furunkeln führen. Diese können unter der Haut zu einem großen (3-10 cm), entzündeten Bereich, einem Karbunkel, verschmelzen. Karbunkel sind sehr tiefgehende Entzündungen und verheilen deshalb eher unter Narbenbildung als ein einzelner Furunkel. Durch die starke Entzündungsreaktion kann ein Karbunkel mit Fieber einhergehen. Die Infektion kann über die Blutbahn zu einer Blutvergiftung (Sepsis), einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) oder des Knochenmarks (Osteomyelitis) führen. Wenn wiederholt Furunkel auftreten oder Furunkel immer wieder schubweise zum Vorschein kommen, spricht man von einer Furunkulose.

Ein Furunkel wird im Großteil der Fälle durch eine Infektion mit Staphylococcus aureus ausgelöst. Obwohl dieses Bakterium bei einigen Menschen in der Normalflora der Haut und der Nase gefunden werden kann und dort keinerlei Beschwerden auslöst, kann er über kleine Verletzungen und Stiche in die Haut eindringen und dort die Entzündung eines Haarfollikels auslösen. Während der Entzündung sammeln sich tote Bakterien, Immunzellen, Blut und tote Hautzellen in der Mitte der Schwellung und bilden dort einen Eiterpfropf. Dieser Prozess wird durch eine Schwächung des Immunsystems begünstigt und häufiger bei Männern beobachtet.

Der Furunkel ist eine Blickdiagnose. Die typische klinische Präsentation erlaubt es, die Diagnose ohne weitergehende Untersuchungen zu stellen. Wenn Furunkel im Rahmen einer Furunkulose wiederholt auftreten oder nicht auf die normale Therapie ansprechen, kann es jedoch auch nötig werden, den Eiter für eine mikrobiologische Untersuchung in ein Labor einzuschicken. Hierdurch kann der auslösende Erreger identifiziert und mögliche Antibiotikaresistenzen aufgezeigt werden.

Einzelne Furunkel können zuhause behandelt werden und stellen meistens kein Grund dar, einen Arzt aufzusuchen. Da jedoch die Möglichkeit der Entwicklung von Komplikationen, wie zum Beispiel einer Endokarditis, besteht, gibt es einige Symptome, bei denen du sicher zum Arzt gehen solltest.

  • Du hast mehr als einen Furunkel
  • Du hast einen Furunkel im Gesicht (z.B. Nasenfurunkel), oder ein Furunkel behindert deine Sicht
  • Der Furunkel ist extrem schmerzhaft oder wird schnell größer
  • Du hast Fieber oder generelles Unwohlsein
  • Der Furunkel wird trotz Eigenbehandlung immer größer
  • Der Furunkel wird schwammig-weich. Ein schwammiger Furunkel neigt dazu, sich nicht von alleine zu entleeren.
  • Der Furunkel heilt über 2 Wochen lang nicht ab
  • Du hast wiederkehrende Furunkel (Furunkulose)

Die wichtigste Regel der Eigenbehandlung von Furunkeln ist das Manipulationsverbot. Drücke nicht an Furunkeln und schneide auch nicht in sie ein, um den Eiter abzulassen. Die Manipulation am Furunkel kann die Infektion weiter unter der Haut verbreiten und eine vermehrte Narbenbildung provozieren. Statt an dem Furunkel zu drücken, gibt es andere Möglichkeiten, die Abheilung zu beschleunigen:

  • Warme Kompressen
    Die Wärme hilft, Schmerzen zu lindern und erhöht den Blutfluss im entzündeten Hautbereich. Hierdurch werden vermehrt Immunzellen zum Entzündungsherd gebracht, die die Infektion bekämpfen können. Lege hierzu 3-4 mal am Tag einen warmen Waschlappen für 10-20 min auf die betroffene Stelle.
  • Zugsalbe (Ichthyol-Salbe)
    In der Regel werden Ichthyol-Salben mit einer Konzentration von 10,20 oder 50% zur Behandlung von Furunkeln genutzt. Beachte, dass am Hals, im Gesicht, oder am Genital nur Konzentrationen von bis zu 20% genutzt werden sollten.
  • Hände waschen
    Wasche dir immer die Hände bevor und nachdem du den Furunkel berührst. Über deine Hände können die Bakterien verbreitet werden.
  • Schmerzmedikamente
    Schmerzmedikamente können die Beschwerden des Furunkels vorübergehend lindern.
  • Abdecken nach Entleerung
    Nachdem sich der Furunkel entleert hat, solltest du ihn sauber abdecken, um ein Übertragen der Keime zu vermeiden.
  • Ruhigstellen des Körperabschnitts
    Vermeide starke Bewegungen des betroffenen Körperteils.

Wenn du einen der oben aufgelisteten Symptome zeigst, die auf einen schwerwiegenden Furunkel hinweisen, solltest du dir ärztliche Hilfe holen. Ein Arzt kann große Furunkel und Karbunke unter angemessen sterilen Bedingungen eröffnen und den Eiter ablaufen lassen. Um eine größere Entzündung in den Griff zu bekommen, kann auch die Einnahme von Antibiotika erforderlich sein.

Jeder Mensch kann einen Furunkel entwickeln, es ist jedoch wichtig sich vor Augen zu halten, dass Furunkel infektiöse Herde sind, die von Mensch zu Mensch übertragen werden können. Enger Kontakt zu Menschen mit einer Staphylokokkeninfektion erhöht demnach auch die Wahrscheinlichkeit, selbst einen Furunkel zu entwickeln.

Eine verminderte Immunabwehr erleichtert Bakterien die Besiedlung eines Haarfollikels. Diese verminderte Fähigkeit des Körpers, Keime abzuwehren, wird zum Beispiel häufig bei Menschen mit einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) gefunden. Auch andere Hauterkrankungen wie zum Beispiel Akne vulgaris oder Ekzeme verschlechtern die Hautbarriere und erleichtern somit eine Infektion.

Obwohl es nicht möglich ist, die Bildung von Furunkeln komplett zu verhindern, kannst du auf einige Sachen achten, um dein Risiko so gering wie möglich zu halten.

  • Regelmäßiges Händewaschen mit Seife.
  • Wunden abdecken, um sie so sauber wie möglich zu halten.
  • Hygieneartikel und persönliche Gegenstände nicht teilen. Hierzu gehören zum Beispiel Handtücher, Bettwäsche, Rasierer und Kleidung. Staphylokokken können nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch über Gegenstände übertragen werden.
  • Stärke dein Immunsystem durch eine ausgewogenen Ernährung und regelmäßigen Sport.

Möchtest du die Sicherheit haben, korrekt einen Furunkel diagnostiziert zu haben, kannst du über Kry einem Arzt direkt ein Foto von dem betroffenen Hautareal schicken. Er kann mit dir die möglichen Ursachen der Rötung besprechen und dir weitere Tipps zur Behandlung an die Hand geben. Falls du Beschwerden einer schwerwiegenden Infektion aufweist, kannst du über Kry direkt eine Überweisung an einen Facharzt erhalten, um die Therapie so schnell wie möglich einleiten zu können.

  1. Altmeyer, P. (10.09.2019): “Furunkel L02.92”, von: https://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/dermatologie/furunkel-1446, letzter Zugriff: 23.05.2020

  2. Schöfer, H. et al. (04/2011): “S2k + IDA Leitlinie: Diagnostik und Therapie Staphylococcus aureus bedingter Infektionen der Schleimhäute”, AWMF-Register Nr.: 013/038, Verfügbar unter: https://dgpi.de/wp-content/uploads/2013/04/013-038l_S2k_Staphyococcus_aureus_2011-09.pdf

  3. Mayo Clinic Staff: “Boils and carbuncles”, von: https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/boils-and-carbuncles/symptoms-causes/syc-20353770, letzter Zugriff: 23.05.2020

Letzte Aktualisierung:
17. Sep. 2020