Nesselsucht: Hintergründe zur akuten und chronischen Urtikaria

Die Nesselsucht, auch Nesselfieber genannt, hat ihren Namen tatsächlich von der Brennnessel: urtica bedeutet im Lateinischen Brennnessel, Urtikaria heißt die Krankheit in der medizinischen Fachsprache. Es handelt sich um eine häufig vorkommende Hauterkrankung – nicht zuletzt, weil eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen dafür infrage kommt.

Bei einer Nesselsucht reagiert die Haut mit Rötungen, Quaddeln und Juckreiz. Der Juckreiz kann bereits vor dem Auftreten eines Hautausschlags zu spüren sein. Ort, Form und Größe des Ausschlags können stark variieren. Typisch für Nesselsucht ist, dass nach ihrem Verschwinden keine Spuren auf der Haut zurückbleiben.

Je nach Verlauf unterscheidet man zwischen einer akuten Nesselsucht und einer chronischen Nesselsucht. Die akute Nesselsucht geht nach wenigen Tagen wieder vorbei. Halten die Symptome länger als 6 Wochen an, handelt es sich um eine chronische Nesselsucht. Sie kann Jahre oder sogar Jahrzehnte andauern.

Nesselsucht kann viele verschiedene Ursachen haben. Normalerweise tritt der Ausschlag auf, wenn Reizstoffe in den Körper gelangen und körpereigene Zellen daraufhin Histamin ausschütten. Die Haut öffnet sich und nimmt Blut auf, was den juckenden Ausschlag verursacht. Das kann beispielsweise bei Allergien, Infektionen oder der Einnahme von Medikamenten der Fall sein.

Die Reizung der Haut kann auch durch bestimmte Lebensmittel entstehen. Ebenso können Druck, Kälte, Sonnenlicht, Anstrengung, Stress oder der Kontakt mit Wasser die Haut reizen. Manchmal lässt sich der konkrete Auslöser auch gar nicht bestimmen, was die Behandlung der Nesselsucht natürlich erschwert.

Das typische Krankheitsbild der roten, juckenden Quaddeln macht es dem Arzt oft leicht, eine Urtikaria zu diagnostizieren. Doch um eine sinnvolle Nesselsucht-Behandlung zu planen, muss die genaue Form der Urtikaria identifiziert werden. Hierfür erfolgt eine gründliche Befragung des Patienten.

Bei Verdacht auf eine Allergie kann ein Allergietest dabei helfen, den Auslöser des Nesselfiebers zu finden. Liegt die Vermutung nahe, dass bestimmte Lebensmittel nicht vertragen werden, kann über mehrere Wochen eine pseudoallergenarme Diät mit anschließenden Provokationstests durchgeführt werden. Dabei verzichtet der Patient eine Zeit lang auf industriell verarbeitete und für das Nesselfieber kritische Nahrung, um danach Schritt für Schritt jedes Lebensmittel auf individuelle Verträglichkeit zu testen.

Wenn du unter einer lang anhaltenden Urtikaria leidest, kannst du die Nesselsucht-Behandlung durch dein eigenes Verhalten unterstützen. In einem Tagebuch kannst du festhalten, wann welche Symptome aufgetreten sind, was du gegessenen und getrunken und gegebenenfalls welche Medikamente du eingenommen hast.

Konntest du ernährungsbedingte Auslöser deiner Symptome ausmachen, solltest du diese kritischen Lebensmittel meiden. Dazu gehört oftmals stark Histaminhaltiges wie z. B. Erdbeeren, Sauerkraut, Fisch oder gereifter Käse. Gegen den Juckreiz kann eine kalte Dusche oder ein kühlender Balsam helfen.

Nesselfieber ist ungefährlich und verschwindet von selbst wieder. Dies kann allerdings viele Jahre dauern. Die Behandlung einer Nesselsucht richtet sich nach der Ausprägung der Beschwerden. Zur Standardtherapie gehört die Gabe von Antihistaminika. Bei schwereren Verläufen kann eine Behandlung mit Kortison notwendig sein.

Bei Juckreiz, geröteter Haut oder einem Ausschlag kannst du dich per Videoanruf von unseren Ärzten beraten lassen. So kannst du herausfinden, ob es sich tatsächlich um eine Urtikaria oder doch um eine andere Erkrankung handelt. Bei Bedarf können wir dir im Rahmen einer Nesselsucht-Behandlung auch ein Rezept ausstellen oder dich an einen Spezialisten überweisen.

Bei wiederkehrenden Hautausschlägen, die nicht innerhalb einer Woche wieder verschwinden, solltest du dich an einen Arzt wenden. Folgende Symptome sprechen für eine allergische Reaktion – in diesen Fällen solltest du sofort einen Notarzt aufsuchen:

  • Schnelle Ausbreitung des Ausschlags
  • Extrem starker Juckreiz
  • Vorhandene Lebensmittelallergie
  • Geschwollene Lippen oder geschwollene Zunge
  • Husten, Atembeschwerden
  • An der Kopfhaut beginnender Juckreiz, der auf das Gesicht übergreift
Letzte Aktualisierung:
7. August 2019
Fachliche Prüfung:
Dr. med. Monika Gratzke, Fachärztin für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie