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Impfungen: eine geniale erfindung

Impfungen: eine geniale Erfindung

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Letzte Aktualisierung:
Do., 1. Juli 2021
Warum sind Impfungen so wichtig? Was ist Herdenimmunität? Wie funktionieren Impfstoffe? Wir beantworten die häufigsten Fragen zum Thema Impfen

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben wir bislang Impfstoffe für mehr als 20 lebensbedrohliche Krankheiten entwickelt. Diese Impfstoffe helfen, jedes Jahr 2-3 Millionen Todesfälle zu verhindern. In jüngster Zeit wurden Millionen Menschen in ganz Europa gegen Covid-19 geimpft, wodurch die Fallzahlen drastisch gesenkt werden konnten.

„Impfstoffe sind die wichtigste Entwicklung in der Geschichte der medizinischen Wissenschaft", sagt Dr. Annette Alaeus. Sie retten Millionen von Leben und schützen ganze Gesellschaften.

Dr. Annette Alaeus ist Ärztin bei Kry und Spezialistin für Infektionskrankheiten. Hier beantwortet sie die häufigsten Fragen zum Thema Impfen.

Wie funktionieren Impfstoffe?

„Impfstoffe wirken, indem sie eine milde Form einer natürlichen Infektion imitieren“, so Dr. Alaeus. „Sie regen das Immunsystem an, Antikörper zu bilden. Antikörper werden spezifisch für einen bestimmten Erreger gebildet, in der Regel ein Virus oder eine Bakterienart.”

Das bedeutet: Der Körper weiß dann, was zu tun ist, wenn er dem Erreger wirklich begegnet. Statt einer schädlichen oder gar tödlichen Infektion hat die Person meist nur eine leichte oder gar keine Infektion. In der Medizin nennen wir das Immunisierung”, erklärt Dr. Alaeus.

Was ist der Unterschied zwischen Antigenen und Antikörpern?

Jeder Erreger hat einen einzigartigen Satz von Eiweißen auf seiner Oberfläche, die Antigene genannt werden. Wenn der Erreger in den Körper eindringt, lernt das Immunsystem, Immunzellen zu bilden, die gegen diese Antigene gerichtet sind. Diese Zellen werden Antikörper genannt.

Die Antikörper und Antigene passen zusammen wie Schloss und Schlüssel. Wenn ein Antikörper auf das Antigen trifft, das er bekämpfen soll, bindet er sich daran und zerstört den Erreger. Die unschädlichen Reste werden vom Körper ausgeschieden. Nach der Erstinfektion verbleiben sogenannte Gedächtniszellen im Körper, die sich an Antigene „erinnern” können. Dadurch können bei einer erneuten Infektion schneller Antikörper gebildet werden.

Kann ich durch eine Impfung die Krankheit bekommen, die sie verhindern soll?

Das hängt von der Art des Impfstoffs ab. Lebendimpfstoffe trainieren das Immunsystem, indem sie eine abgeschwächte Version des Erregers abgeben. Menschen, die zum Beispiel gegen Masern geimpft sind, können einen kleinen Ausschlag und leichtes Fieber bekommen. Die Symptome sind jedoch viel milder als beim Ausbruch der vollen Krankheit.

Andere Impfstoffe liefern eine inaktivierte (oder abgetötete) Version des Erregers, die keine Krankheitssymptome auslöst. Beispiele hierfür sind der inaktivierte Polio-Impfstoff und einige inaktivierte Grippeimpfstoffe.

Einige Covid-19-Impfstoffe verwenden eine neue Technologie, die mit der messenger-RNA (mRNA) arbeitet. Sie liefert einen genetischen Code, den der Körper nutzt, um Covid-19-Antikörper zu bilden. Menschen können Covid-19 nicht durch den Impfstoff bekommen.

Weitere Infos zu den Covid-19-Impfstoffen findest du in unseren Corona-Updates.

Warum ist Impfen so wichtig für die Gesellschaft?

„Impfungen sind extrem wichtig für die öffentliche Gesundheit", so Dr. Alaeus. „Impfstoffe haben uns die Möglichkeit gegeben, Leben zu retten und Krankenhausaufenthalte zu reduzieren. Sie haben uns auch geholfen, Menschen vor den schädlichen Langzeitfolgen einiger Infektionen zu schützen.“

Vor der Polio-Impfung zum Beispiel blieben Menschen, die die Infektion überlebten, oft mit unheilbaren Gesundheitsproblemen wie Lähmungen oder Atembeschwerden zurück. Polio (Kinderlähmung) ist eine Abkürzung für Poliomyelitis, eine hochansteckende Infektionskrankheit mit dem Polio-Virus.

Auf gesellschaftlicher Ebene reduzieren Impfstoffe die finanziellen und menschlichen Kosten, die mit Krankenhausaufenthalten und langfristigen Gesundheitsproblemen verbunden sind.

Was ist Herdenimmunität?

Herdenimmunität hilft, die Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu verhindern. Sie ist das Hauptziel der meisten Impfkampagnen.

Sie tritt auf, wenn die Mehrheit der Menschen in einem Land oder einer Region ein gewisses Maß an Immunität gegen eine Krankheit hat. Die Menschen können Antikörper entwickelt haben, indem sie die Infektion auf natürliche Weise oder durch Impfung bekämpft haben.

„Polio und Masern zum Beispiel wurden dank der durch Impfung hervorgerufenen Herdenimmunität fast ausgerottet. Jetzt sehen wir nur noch Ausbrüche, wenn sich eine Gruppe von Menschen entscheidet, sich nicht impfen zu lassen", sagt Dr. Alaeus.

Was ist eine Impfstoff-Resistenz – und warum nimmt sie zu?

Einige Viren durchlaufen viele Mutationen. Manchmal kann ein neuer Stamm den Stamm ablösen, gegen den wir den Impfstoff entwickelt haben. Das bedeutet, dass wir den Impfstoff anpassen müssen, um sicherzustellen, dass er noch wirksam ist", sagt Dr. Alaeus.

Obwohl in den letzten Monaten in den Medien viel über Impfstoff-Resistenzen berichtet wurde, erklärt Dr. Alaeus, dass es sich dabei nicht um ein häufiges Phänomen handelt.

Die meisten Viren und Bakterien sind sehr stabil. Einige Atemwegsviren, wie Grippe-Viren und in gewissem Maße auch das Coronavirus, können sich jedoch anpassen, um der Immunität zu entgehen.

„Aber die Wissenschaft ist darauf vorbereitet. Wir haben neue Technologien, und Hersteller und Forschende können die Impfstoffe an den dominanten Virusstamm anpassen", fügt sie hinzu.

Warum sollten Eltern ihre Kinder impfen lassen?

„Impfungen gehören zur Gesundheitsvorsorge. Sie helfen, potenziell gefährliche, langfristige Auswirkungen von Infektionskrankheiten zu vermeiden,“ so Dr. Alaeus. Impfungen im Kindesalter haben auch gesellschaftliche Vorteile. Selbst, wenn ein ungeimpftes Kind nicht stark unter einer Infektion leidet, kann es diese leicht auf andere übertragen: zum Beispiel die Großeltern oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Soll ich mich vor einer Reise impfen lassen?

Der Impfplan eines jeden Landes ist darauf ausgelegt, die Bevölkerung vor den Krankheiten zu schützen, denen sie zu Hause am ehesten ausgesetzt ist. Wenn Reisende ins Ausland gehen, können sie dort mit anderen Krankheitserregern in Kontakt kommen – und ihnen können Antikörper zur Abwehr dieser Erreger fehlen. Darüber hinaus können sie schwere Erkrankungen mit nach Hause bringen.

Deshalb empfiehlt das Robert Koch Institut (RKI) Reiseimpfungen für alle, die aus Deutschland in bestimmte Länder reisen. In vielen Ländern sind Einreisende sogar verpflichtet, Nachweise über bestimmte Impfungen (z.B. Gelbfieber oder Polio) vorzulegen.

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