COVID-19

Schwangerschaft in Corona-Zeiten

Guter Hoffnung in der Krise – Titelbild
Letzte Aktualisierung: 15:45 7. Mai 2020

Ratschläge für Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit während der Corona-Pandemie

Wenn du oder jemand, den du liebst, gerade schwanger ist oder ein Baby bekommen hat, kann diese Zeit nicht nur aufregend, sondern auch besorgniserregend sein. Wir haben recherchiert, was für Schwangere und Stillende jetzt wichtig ist. Eines schon mal vorab: Die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen aufgrund von COVID-19 ist insgesamt äußerst gering.

Weltweit werden täglich 350.000 Babys geboren. Wer jetzt schwanger ist, erlebt andere Umstände im doppelten Sinne: Da ist das wachsende Leben, verbunden mit jeder Menge Vorfreude, und dazu kommen zahlreiche Ängste, die durch die aktuelle Corona-Pandemie entstehen. Auch Frauen, die gerade entbunden haben, haben viele Fragen zu diesem Thema und sind verständlicherweise um ihre eigene Sicherheit und die ihres Babys besorgt.

Wie sicher sind Schwangere, die mit dem Coronavirus infiziert sind?

Generell sind Schwangere durch das Coronavirus nicht stärker gefährdet als die allgemeine Bevölkerung – zumindest gibt es aktuell keine Hinweise darauf. Die meisten schwangeren Frauen entwickeln lediglich leichte oder mittelschwere Symptome, ähnlich wie bei einer Erkältung oder Grippe. Schwerer wiegende Symptome oder Komplikationen können eher auftreten, wenn bei der Schwangeren zusätzlich eine Herz- oder Lungenerkrankung vorliegt.

Erhöht das Coronavirus das Risiko einer Fehlgeburt?

Es gibt zurzeit keine Hinweise darauf, dass eine COVID-19-Erkrankung eine Fehlgeburt wahrscheinlicher macht. Auch wird es als unwahrscheinlich angesehen, dass das Coronavirus zu Anomalien beim Fötus führt. Allerdings gibt es hier bislang nur eine sehr kleine Datenbasis: In einer chinesischen Studie wurden 20 Schwangere untersucht, bei denen im letzten Schwangerschaftsdrittel COVID-19 diagnostiziert wurde. In keinem Fall hat sich das Baby infiziert und es wurden auch sonst keine Auffälligkeiten festgestellt, weder bei den Müttern noch bei den Kindern.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind vor der Geburt notwendig?

Für Schwangere werden die gleichen Schutzmaßnahmen empfohlen, die auch für die allgemeine Bevölkerung gelten. Vor allem Schwangere, die die 28-Wochen-Grenze überschritten haben, sollten konsequent Social Distancing praktizieren und auch den Kontakt zu Familienangehörigen und Freunden, mit denen sie nicht zusammenleben, nach Möglichkeit vermeiden. Häufiges Händewaschen ist sinnvoll, ebenso wie eine gesunde Ernährung und ein proaktiver Umgang mit Stress. Die vorgeburtlichen Termine können und sollen mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

Was ist zu tun, wenn Symptome von COVID-19 auftreten?

Wenn bei dir COVID-19-Symptome auftreten und du als Schwangere ins Krankenhaus musst, solltest du im Vorfeld dort anrufen und dich erkundigen, was zu tun ist. So kann sich das medizinische Personal auf dich vorbereiten und dich zum weiteren Vorgehen beraten.

Wie verläuft die Geburt bei einer Infektion mit dem Coronavirus?

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfiehlt Krankenhäusern, Patientinnen im Verdachtsfall auf einem Isolierzimmer unterzubringen und mit medizinischem Atemschutz auszustatten. Dies dient allerdings dem Schutz des Klinikpersonals und der Mitpatienten – die werdende Mutter ist keinem zusätzlichen Risiko ausgesetzt.

Bei den Begleitpersonen sind die Vorgaben aktuell sehr streng: Die Schwangere darf lediglich von einer anderen Person in den Kreißsaal begleitet werden, und das auch nur, wenn diese Person nicht positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Wenn der werdende Vater also an COVID-19 erkrankt ist, darf er bei der Geburt nicht dabei sein.

Kann das Coronavirus an das Kind weitergegeben werden?

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Coronavirus während der Schwangerschaft oder während der Geburt auf das Baby übergeht, gilt als sehr gering. Aktuell gibt es keine Studien, die belegen, dass COVID-19 im Mutterleib übertragen werden kann. Eher schon kann das Virus während des Stillens an das Kind weitergegeben werden, da sich Mutter und Kind bei dieser Aktivität sehr nahe kommen. Sollte zum Zeitpunkt der Geburt bei der Mutter eine Infektion mit COVID-19 vorliegen, wird auch das Baby auf das Coronavirus getestet.

Kann normal gestillt werden?

Derzeit deutet nichts darauf hin, dass COVID-19 über die Muttermilch übertragen werden kann. Die Vorteile des Stillens überwiegen die potenziellen Risiken einer Virusinfektion. Daher werden auch mit dem Coronavirus infizierte Mütter und Mütter mit Verdacht auf COVID-19 dazu ermutigt, etwa 1 Stunde nach der Geburt mit dem Stillen zu beginnen. Die DGGG rät zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen:

  • Händewaschen vor und nach jedem Kontakt mit dem Baby
  • Tragen einer Mundschutzmaske während des Stillens
  • Strikte Einhaltung der Sterilisationsvorgaben bei Fläschchen
  • Verwendung einer speziellen Pumpe für das Abpumpen von Muttermilch im Krankenhaus
  • Gründliche Pumpenreinigung nach jedem Gebrauch
  • Husten bzw. Niesen in die Armbeuge, nicht auf das Baby
  • Regelmäßige Reinigung und Desinfektion berührter Oberflächen

Diese Vorgaben gelten natürlich auch, wenn ein Kind von jemand anderem als der Mutter mit abgepumpter Muttermilch oder entsprechenden Ersatzprodukten gefüttert wird.

Sind Fruchtbarkeitsbehandlungen weiterhin erlaubt?

Die Europäische Gesellschaft für menschliche Reproduktion und Embryologie empfiehlt, geplante Fruchtbarkeitsbehandlungen wie z. B. In-vitro-Fertilisationen vorerst zu pausieren. Nicht alle Kinderwunschkliniken folgen jedoch dieser Vorgabe. Das Einfrieren von Eizellen oder Spermien aufgrund einer Krebsbehandlung sollte allerdings durchgeführt werden. Wer bereits mit einem IVF-Zyklus begonnen hat, soll der Empfehlung zufolge Eizellen bzw. Embryonen einfrieren und die Implantation nach der Krise vornehmen.

Letzte Aktualisierung:
15:45 7. Mai 2020