22. Jan. 2020

“Bei uns steht der Patient immer an erster Stelle“ – Dr. Gratzke im Interview

Wie die Video-Sprechstunde Ärzten hilft, sich wieder mehr auf den Patienten zu konzentrieren

Eine ärztliche Behandlung per Video gehört in vielen europäischen Ländern längst zur Norm – seit 2018 ist das nun auch in Deutschland möglich. Neben den verkürzten Wartezeiten wird dank der Telemedizin vor allem eine flächendeckende Versorgung auf höchstem Niveau gewährleistet, unabhängig vom Wohnort. Doch wer steckt eigentlich dahinter und wie funktioniert das für die Ärzte? Dr. Monika Gratzke, die ärztliche Direktorin bei KRY erklärt uns, wer die Ärzte sind und wie eine telemedizinische Behandlung bei KRY für sie abläuft.

Mit über 600 Ärzten und 1,4 Mio Patienten in Schweden, Norwegen, Großbritannien, Frankreich und nun auch Deutschland gilt KRY mittlerweile als europäischer Marktführer auf dem Segment. Was macht KRY europaweit so erfolgreich?
Dr. Monika Gratzke: Nun bei uns steht der Patient immer an erster Stelle. Wir stellen die Bedürfnisse der Patienten immer in den Vordergrund und richten alles, was wir tun, darauf aus. Ferner sind bei uns die Qualitätsstandards sehr hoch. Zusätzlich haben wir eine enge Vernetzung mit den anderen Ländern in denen wir vertreten sind, sodass wir unsere Erfahrungen über Ländergrenzen hinweg miteinander teilen können. Die internationale Vernetzung verschiedener Gesundheitssysteme ist nicht selbstverständlich und für herkömmliche Praxen nahezu unmöglich.

Wie läuft so eine Behandlung per Video für Ärzte ab?
Dr. Monika Gratzke: Eigentlich genau so, wie sonst auch: während des Behandlungsgesprächs sitzt der Patient dem Arzt virtuell via Smartphone oder Tablet App gegenüber.

Vor der eigentlichen Sprechstunde füllt der Patient einen Fragebogen in der App aus, in dem die Symptome konkretisiert werden können. Mit Hilfe dieses Fragebogens kann der Arzt sich dann optimal auf die Sprechstunde vorbereiten und sich währenddessen voll und ganz dem Gespräch widmen ohne dabei den Patienten zum wiederholten Mal nach den Formalien ausfragen zu müssen. Die Angaben vorab nutzt der Arzt auch, um festzustellen wie dem Patienten am besten geholfen werden kann. Bei einem Beinbruch beispielsweise würde der Arzt eine Weiterbehandlung durch einen physischen Arzt vor Ort empfehlen.

Bei Bedarf stellt der Arzt dem Patienten auch eine fachärztliche Überweisung, ein Rezept oder ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis ausstellen. Im Anschluss an das Gespräch übermittelt der Arzt den Überweisungsschein und/oder die Krankschreibung dann via App an den Patienten. Stellt der Arzt ein Rezept aus, wird dieses direkt an die Wunschapotheke des Patienten übermittelt.

In welchen Fällen ist eine Behandlung per Video geeignet und wie kann sie dem Patienten von Nutzen sein?
Dr. Monika Gratzke: Zunächst gilt: akute, nicht lebensbedrohliche Fälle sind häufig gut für Telemedizin geeignet. Das kann sich zum Beispiel jeder lebhaft vorstellen, der schon einmal mit einem Infekt morgens aufgewacht ist und sich zu schwach gefühlt hat, in die Arztpraxis zu gehen. Oder jemand, der sich aufgrund eines Magen-Darm Infekts nicht aus dem Haus getraut hat.

Einer der größten Nutzen für den Patienten liegt jedoch in der schnellen und überregionalen Verfügbarkeit der Ärzte durch KRY. Denn alle Patienten erhalten die gleiche hochwertige ärztliche Versorgung – unabhängig davon in welcher Region des Landes sie leben. Außerdem sind Termine in der Regel innerhalb weniger Minuten verfügbar, sodass dem Patienten auch die langen Wartezeiten erspart bleiben.

Patienten profitieren außerdem auch von der hohen Qualität der Behandlung. Denn dank der wegfallenden üblichen Hektik einer Arztpraxis haben die Ärzte sogar mehr Zeit sich auf den Patienten und das Behandlungsgespräch zu konzentrieren. So kann eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau garantiert werden.

Schlussendlich denke man auch an die Ansteckungsgefahr – diese wird natürlich auch dadurch minimiert, dass der Patient sich nicht mit anderen Wartenden, den Sprechstundenhilfen und dem Arzt in der Praxis aufhält.

Welchen Vorteil sehen Sie für Ärzte darin eine Behandlung digital anzubieten und was macht KRY für Ärzte so attraktiv?
Dr. Monika Gratzke: Bei uns können Ärzte sich auf das wesentliche konzentrieren – nämlich den Patienten. Denn mit KRY wird ein sehr flexibles Arbeiten mit minimalem bürokratischen Aufwand ermöglicht. So bleibt mehr Zeit für den Menschen.

Ferner werden unsere Ärzte untereinander vernetzt und erhalten online regelmäßig Fortbildungen. Zusätzlich werden sie auf technisch höchstem Niveau versorgt, um sich dem Kern der ärztlichen Tätigkeit zu widmen: der Patientenbehandlung und nicht der Bürokratie.

Welche Qualifizierung benötigen Ärzte, um Behandlungen per Video anbieten zu können?
Dr. Monika Gratzke: Die Erfahrung ist hier der entscheidende Faktor. Denn zum Glück gibt es so etwas wie reine „Telemediziner“ nicht. Bei KRY arbeiten nur hoch qualifizierte Kolleginnen und Kollegen mit deutscher Zulassung und langjähriger Berufserfahrung in der Behandlung von Patienten. Diese Expertise wird auch benötigt, um beurteilen zu können was sie per Video-Sprechstunde behandeln können. Für uns ist außerdem von unschätzbarem Wert, wenn Ärzte digitale und Vor-Ort-Behandlungen in Kombination anbieten. Das macht ihren beruflichen Alltag einfach vielfältiger und sie können Erkenntnisse aus beiden Behandlungsformen ziehen und diese auf den jeweils anderen Bereich übertragen.

Wie nehmen deutsche Ärzte die fortschreitende Digitalisierung der Branche wahr?
Dr. Monika Gratzke: Das Interesse an digitalen Vorsorgekonzepten wächst auch unter Ärzten täglich weiter und die Zahl der Mediziner, die Video-Sprechstunden in ihr Behandlungsangebot integrieren wollen steigt zunehmend. Denn bei einer Online-Behandlung gehen weder die Qualität noch die zwischenmenschliche Beziehung verloren. Sobald die Kollegen sehen, wie eine solche Video-Sprechstunde abläuft und dass ein echter Kontakt zwischen dem Arzt und dem Patienten stattfindet, sind sie überzeugt. Ich rate allen Unentschlossenen es einfach einmal zu sehen bzw. auszuprobieren – der Mehrwert für sowohl den Arzt als auch den Patienten wird schnell ersichtlich.

Verändert das Aufkommen neuer Behandlungsmöglichkeiten und die Verschiebung auf den digitalen Bereich den Arztberuf?
Dr. Monika Gratzke: Definitiv. Ich denke die neuen technologischen Möglichkeiten sind eine exzellente Ergänzung und sinnvolle Bereicherung für Ärzte. Dadurch wird der Arztberuf sich in jedem Fall weiterentwickeln und der zwischenmenschliche Kontakt wird durch die Verbesserung der Behandlungswege wieder stärker in den Fokus gerückt. Nichtsdestotrotz machen nach wie vor eine fundierte Ausbildung und Erfahrung einen guten Arzt aus, weshalb uns das so wichtig ist. Denn die ärztliche Expertise bleibt natürlich in jedem Fall die gleiche – ob analog oder digital.

Wie ist der aktuelle Stand der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens und wie bewerten Sie diesen?
Dr. Monika Gratzke: Dank der Änderungen der Gesetzeslage, hat Deutschland im telemedizinischen Bereich schon einen riesigen Schritt nach vorn gemacht. Deutschland ist nicht gerade Vorreiter, aber aktuell ergeben sich viele neue Wege. Von erwarteten Änderungen im Arzneimittelgesetz um fälschungssichere Rezepte elektronisch auszustellen bis hin zu neuen und verbesserten Versorgungskonzepten, die bundesweit angeboten werden können – die nächsten Jahre werden sehr spannend. Andere Länder sind da schon viel weiter. Wir bei KRY haben bereits maßgeblich dazu beigetragen diese Entwicklungen in anderen europäischen Ländern voranzutreiben, und freuen uns darauf den Wandel auch in Deutschland voranzubringen.

Vielen Dank Dr. Gratzke!


Dr. Monika Gratzke ist Medizinische Direktorin bei KRY und ist sowohl für die Qualität der medizinischen Leistung als auch für strategische medizinische Projekte verantwortlich. Sie ist ausgebildete Fachärztin für Anästhesie, Intensivmedizinerin, Notärztin und Schmerztherapeutin mit langjähriger oberärztlichen Tätigkeit an der LMU München.