Übergewicht

Seit 1975 hat sich die Anzahl von Menschen mit Übergewicht verdreifacht. In den OECD Ländern, zu denen zum Beispiel die USA, Island, Japan und der Großteil der europäischen Länder gehören, ist jeder zweite Erwachsene übergewichtig und jeder fünfte adipös. Übergewicht ist somit zu einer Volkskrankheit geworden, die jährlich alleine in Deutschland Kosten von ungefähr 15 Milliarden Euro verursacht.

Übergewicht ist eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts. Das Körpergewicht wird mithilfe des Body-Mass-Index abgeschätzt, der die Körpergröße mit dem Gewicht in Beziehung setzt.. Bei einem BMI von über 25 kg/m^2 wird von Übergewicht gesprochen. Ein BMI von über 30 gilt als Adipositas. Übergewicht und Adipositas sind chronische Krankheiten, die dein Sterberisiko und die Wahrscheinlichkeit einer Folgeerkrankung erhöhen.

Der BMI (Body-Mass-Index) ist die gängigste Methode, das Körpergewicht abzuschätzen. Da die Größe eines Menschen einen Einfluss auf das Körpergewicht hat, wird hierfür der Quotient aus dem Körpergewicht in Kilogramm und der Körpergröße in Metern zum Quadrat gebildet. Zwar beeinflusst auch die Körperzusammensetzung, also die Verteilung von Fett, Muskeln und Knochen, das Gewicht, jedoch ist es schwer, diese genau zu bestimmen. In der Praxis wird deswegen der BMI genutzt.

Um deinen BMI zu berechnen, kannst du zum Beispiel den BMI-Rechner der Deutschen Adipositas-Gesellschaft nutzen.

Abhängig von dem BMI werden drei große Gewichtsgruppen gebildet, die jeweils unterschiedliche Risiken von Übergewicht-assoziierten Begleiterkrankungen aufweisen:

  • Untergewicht: BMI < 18,5
  • Normalgewicht: BMI 18,5-24,9
  • Übergewicht: BMI ≥ 25
  • Präadipositas: BMI 25 - 29,9
  • Adipositas Grad 1: __BMI 30 - 34,9 __
  • Adipositas Grad 2: BMI 35 - 39,9
  • Adipositas Grad 3: BMI ≥ 40

Das Risiko von Übergewichts-assoziierten Begleiterkankungen steigt mit dem zunehmenden BMI. Während bei einer so genannten Präadipositas das Risiko nur gering erhöht ist, ist es bei einer Adipositas Grad 2 schon hoch und einer Adipositas Grad 3 sehr hoch.

Der BMI ist leider nur eine grobe Orientierung zur Einschätzung deines Körpergewichts. Da deine Körpergröße in der Berechnung zum Quadrat genommen wird, können kleinste Messfehler hierdurch zu großen Veränderungen des errechnetes BMI führen.

Das Fettverteilungsmuster hat auch einen großen Einfluss auf das Gesundheitsrisiko bei Adipositas. Fett, welches im Bauch getragen wird, so genanntes viszerales Fett, hat einen höheren Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem und führt somit zu mehr Komplikationen des Übergewichts. Es schüttet im Gegensatz zum Fett direkt unter der Haut, dem subkutanen Fett, Hormone aus, die in unterschiedlichsten Organen Auswirkungen haben.

Um diesen Faktor mit einzuberechnen, wird auch dein Taillenumfang gemessen, um das Risiko von Begleiterkrankungen von Übergewicht einzuschätzen. Er gilt als gutes Indiz für die Menge an viszeralem Fett und wir abhängig vom Geschlecht eingestuft.

  • Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
  • Frauen ≥ 80cm; Männer ≥ 94cm
  • Abdominelle Adipositas (Fettleibigkeit des Bauches):
  • Frauen ≥ 88cm; Männer ≥ 102cm

Viele Faktoren haben Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht und Adipositas. Ein wichtiger Faktor ist das Ungleichgewicht zwischen der Energieaufnahme und dem Energieverbrauch. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben:

  • Genetische Faktoren
  • Lebensstil: Bewegungsmangel und Fehlernährung
  • „Verführung“ durch ständig erreichbares Essen
  • Schlafmangel und Stress: Beide Faktoren können nicht nur zu vermehrtem Essen führen, sondern haben auch Einfluss auf den Hormonhaushalt.
  • Depressive Erkrankungen können zu mangelnder Bewegung und erhöhter Essensaufnahme führen.
  • Niedriger Sozialstatus: Es konnte gezeigt werden, dass Menschen mit einem niedrigeren Einkommen und Bildungsstand vermehrt unter Übergewicht leiden.
  • Essstörungen: Häufige Essattacken (Binge-Eating-Disorder), häufiges nächtliches Essen (Night-Eating-Disorder)
  • Störungen des Hormonhaushaltes: Schilddrüsenunterfunktion oder ein krankhaft erhöhter Cortisolspiegel (Cushing-Syndrom)
  • Medikamenteneinnahme: Einige Medikamente können eine Gewichtszunahme auslösen.

Den größten Einfluss auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat, neben dem Rauchen, das sogenannte metabolische Syndrom. Es ist eine Kombination aus vier verschiedenen Komponenten, die häufig aus Überernährung und mangelnder körperlicher Bewegung resultieren.

  1. Abdominelle Adipositas
  2. Bluthochdruck
  3. Störungen des Fettstoffwechsels (erhöhte Blutfettwerte)
  4. Gestörte Regulation des Blutzuckers

Übergewicht trägt zu einer erhöhten Sterblichkeit bei. Diese ist höher, je höher der BMI und je jünger die Person ist, die unter Übergewicht leidet. Das geringste Sterberisiko hat ein Mensch bei einem BMI von 22,5 - 24,9. Wenn du in der Gewichtsklasse Adipositas Grad 1 bist, dann ist deine Lebenserwartung 2 - 4 Jahre niedriger als sie bei Normalgewicht wäre. Bei einer Adipositas Grad 3 wären es sogar 8 - 10 Jahre weniger. Dieses erhöhte Sterberisiko hat viele verschiedene Ursachen, die vor allem durch den veränderten Hormonhaushalt bei einer Fettleibigkeit erklärt werden können.

Einige der Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit sind zum Beispiel:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Gallensteine
  • Fettleber
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle
  • Bluthochdruck
  • Gelenkbeschwerden: V.a. Knie- und Hüftprobleme
  • Gicht
  • Speiseröhrenentzündung
  • Einige Krebserkrankungen
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom
  • Rückenschmerzen
  • Hormonstörungen und Infertilität
  • Erhöhtes Risiko in der Schwangerschaft
  • Erhöhtes Operations- und Narbenrisiko
  • Demenz

Wichtig ist sich klar zu machen, dass Adipositas kein rein medizinisches oder körperliches Problem ist. Mit dem starken Übergewicht können viele Probleme im Alltag entstehen. Menschen mit Übergewicht werden oft diskriminiert und leiden unter negativer Stigmatisierung. Sie werden häufig als faul oder willensschwach angesehen, was sogar zu Problemen in der Jobsuche führen kann. Menschen mit Adipositas haben auch ein erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken.

Um die Diagnose einer Adipositas zu stellen, steht deinem Arzt nicht nur die Waage zur Verfügung. Es ist wichtig, mehr über die Geschichte der Gewichtsveränderung und vorherigen Abnehmversuchen zu erfahren. Obwohl es schwer sein kann, Fragen zu deinem Gewicht zu beantworten, ist es von großer Bedeutung, dass du die Fragen deines Arztes ehrlich beantwortest. Er ist eine Vertrauensperson, dessen Priorität es ist, dir die bestmögliche Therapie zu bieten und dich auf dem Weg des Abnehmens zu begleiten. Um die Begleiterkrankungen von Übergewicht zu untersuchen, sind einige der möglichen Tests eine Blutdruckmessung, die Untersuchung des Herzens mittels Elektrokardiogramm (EKG) oder Ultraschall (Herzecho). Auch kann eine Blut- und/oder eine Urinabnahme durchgeführt werden, um einen Überblick über deinen Hormonhaushalt zu bekommen.

Dein Arzt sollte der erste Ansprechpartner sein, wenn du das Gefühl hast, dass du ein Problem mit deinem Gewicht hast. Da die Folgeerkrankungen einer Adipositas große Auswirkungen auf deine Gesundheit haben können, sollten diese so schnell wie möglich behandelt werden. Dein Arzt kann dir dabei helfen, dein weiteres Vorgehen zu planen und dich zum Beispiel auf spezialisierte Ernährungsberatungen aufmerksam zu machen.

Viele Patienten berichten, dass ihnen vor allem der Austausch mit anderen viel bedeutet. In Selbsthilfegruppen kannst du Tipps zum Umgang mit Adipositas finden und dich mit anderen Betroffenen unterhalten. Internetseiten, auf denen du nach Selbsthilfegruppen in deiner Nähe suchen kannst, sind zum Beispiel die des Adipositas Verbandes oder unter Adiposita.de.

Ernährung spielt eine sehr große Rolle in der Therapie von Übergewicht. Du kannst dir bei einer Ernährungsberatung oder einem Ernährungstherapeuten Hilfe holen, jedoch gibt es auch viele Sachen, die du schon jetzt in deinen Alltag einbauen kannst. Bevor du deine komplette Ernährung auf einmal umstellst, kann es helfen, dir bewusst zu werden, was du durchschnittlich am Tag isst. Am besten geht das mit einem Ernährungsprotokoll. Indem du alles aufschreibst, was du an einem Tag isst, kriegst du über längere Zeit ein Gefühl dafür, an welchen Stellschrauben du am einfachsten drehen kannst. Einige Veränderungen, die du machen kannst, sind zum Beispiel:

  • Energieaufnahme reduzieren: Kalorienreiche Lebensmittel, wie zum Beispiel “fast food”, sehr fettiges Essen oder Kohlenhydrat-lastiges Essen, machen oft nicht lange satt. Kurzkettige Kohlenhydrate wie Zucker und helles Weizenmehl werden schnell verdaut und enthalten wenige Nährstoffe.
  • Langsam essen: Oft sind die Augen größer als der Magen. Indem du große Portionen auf dem Teller vermeidest und dein Essen langsam zu dir nimmst, gibst du deinem Körper eine Chance, dir mitzuteilen, wann du genug gegessen hast.
  • Bunt essen: Abwechslungsreiches Essen ist wichtig für eine ausgewogene Ernährung. Du solltest mindestens 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst am Tag essen. Diese enthalten Vitamine und Ballaststoffe, die nicht nur zur Sättigung beitragen, sondern auch für eine gesunde Verdauung wichtig sind. Ein Grundsatz, den du beherzigen kannst ist, dass deine Diät eine Basis aus pflanzlichen Lebensmittel haben sollte, die du mit tierischen Produkten ergänzen kannst.
  • Vollkorn statt hellem Weizenmehl: Vollkornmehl hat mehr Nährwerte als sogenanntes Auszugsmehl (helles Mehl), da die Schale und der Keimling die meisten Ballaststoffe, Vitamine, gesunden Öle und Mineralstoffe enthält.
  • Wasser trinken: Es wird empfohlen, mindestens 1,5 L Flüssigkeit am Tag zu sich zu nehmen. Hiermit sind aber keine zuckerhaltigen Softdrinks gemeint. Sie enthalten viele Kalorien ohne dabei Nährwerte mit sich zu bringen. Wasser, ungesüßter Tee oder Kaffee sind eine bessere Wahl. Alkohol hat auch eine sehr hohe Kaloriendichte. Um abzunehmen, ist es demnach sinnvoll, dein Alkoholkonsum zu reduzieren.
  • Finde deinen Sport: Regelmäßige körperliche Bewegung ist nicht nur gut zum Abnehmen, sondern trainiert auch dein Herz-Kreislauf-System und fördert die Verdauung. Nicht jeder muss laufen gehen. Wenn du einen Sport findest, den du magst, ist es einfacher, ihm langfristig nachzugehen.

Dies sind nur einige Tipps, mit denen du anfangen kannst. Es ist schwer, Veränderungen auf Dauer beizubehalten. Es könnte dir helfen, dir zusammen mit Freunden oder Partnern Ziele zu setzen, damit ihr euch gegenseitig unterstützt.

Die Therapie von Übergewicht basiert aus einem Basisprogramm von Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie. Das Ziel ist es, das Gewicht zu reduzieren, und diese Gewichtsreduktion langfristig beizubehalten. Womit du am einfachsten beginnst, kannst du mit deinem Arzt besprechen. Bei extremer Adipositas und einem Versagen der Basistherapie kann an eine operative Lösung gedacht werden. Bevor du entscheidest, ob dieser Weg eine gute Wahl für dich wäre, solltest du mit deinem behandelnden Arzt die Nutzen und Gefahren einer solchen Operation gut abwägen.

Übergewicht ist die häufigste ernährungsabhängige Gesundheitsstörung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Anzahl übergewichtiger Kinder hat deutlich zugenommen. Bei Kindern und Jugendlichen führt das erhöhte Gewicht nicht nur zu Problemen in der Schule, sondern es kann auch langfristige, gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Da Kinder sich noch im Wachstum befinden, können für die Diagnose einer Adipositas nicht die Werte der Erwachsenen genutzt werden. Die Ernährung spielt in diesem Alter eine große Rolle für die Entwicklung. In einem Gespräch mit einem Pädiater kann der BMI mit dem von Kindern im gleichen Alter verglichen und die beste Ernährungstherapie besprochen werden.

Über KRY kannst du in einer persönlichen Sprechstunde mit einem Arzt über deine Probleme mit Übergewicht und das weitere Vorgehen sprechen. Er kann dir nicht nur einen Therapieplan aufstellen, sondern dir auch eine Überweisung zu einem Niedergelassenen Arzt oder einer Ernährungsberatung ausstellen, damit auch eine körperliche Untersuchung ermöglicht wird.

  1. Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) e.V. , (2014), S3-Leitlinie “Prävention und Therapie der Adipositas”. AWMF-Register Nr. 050/001. Verfügbar unter https://www.adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/PDF/Leitlinien/050-001l_S3_Adipositas_Praevention_Therapie_2014-11.pdf (Zugriff am 17.04.2020)
  2. Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) e.V., (2019), S3-Leitlinie “Therapie der Adipositas im Kindes- und Jugendalter”, AWMF-Register Nr. 050/002. Verfügbar unter https://www.adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/PDF/Leitlinien/Leitlinie_AGA_S3_2019.pdf (Zugriff am 17.04.2020)
  3. Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) e.V., (2019), Patientenleitlinie zur Diagnose und Behandlung der Adipositas. Verfügbar unter https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/050-001p_S3_Adipositas_Prävention_Therapie_2019-01.pdf (Zugriff am 17.04.2020)
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  5. WHO Health Topics: Obesity https://www.who.int/health-topics/obesity#tab=tab_1 (Zugriff am 17.04.2020)
  6. Tomiyama AJ. Stress and Obesity. Annu Rev Psychol. 2019;70:703-18.
Letzte Aktualisierung:
10. Juli 2020