Syphilis

Syphilis ist eine sexuell übertragbare Erkrankung, die durch Bakterien verursacht wird. Die Krankheit führt zunächst zur Ausbildung eines schmerzlosen, harten Geschwürs, im Verlauf kann es zu einem stadienhaften Befall aller Organe kommen. Syphilis wird häufig übersehen, da die Symptome von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sind. Die antibiotische Therapie sollte so früh wie möglich begonnen werden, um schwere gesundheitliche Schäden zu vermeiden.

Syphilis (Lues) bezeichnet eine bakterielle Infektionskrankheit, die sexuell übertragbar ist. Bei Infektion kommt es zu einem stadienhaften, chronischen Verlauf. Die Erkrankung wird im Volksmund häufig Franzosenkrankheit genannt. Die Namensgebung geht auf das Jahr 1494 zurück, als es im Zuge des Italienischen Kriegs zu einem Syphilis Ausbruch während der Invasion durch französische Truppen kam.

Syphilis acquisita bezeichnet die erworbene Syphilis, beispielsweise durch den direkten sexuellen Kontakt.

Syphilis connata beschreibt die angeborene Syphilis, bei der es zu einer Infektion des ungeborenen Kindes im Mutterleib kommt.

Es wird darüber hinaus zwischen Frühsyphilis und Spätsyphilis unterschieden. Die ersten beiden Stadien bis zu einem Jahr nach Infektion werden unter dem Begriff Frühsyphilis zusammengefasst. Spätere Stadien sowie die Latenzphase werden Spätsyphilis genannt.

Ausgelöst wird die Erkrankung durch das spiralförmige Bakterium Treponema Pallidum. In den letzten Jahren hat die Häufigkeit von Neuinfektionen stark zugenommen, was vermutlich mit einem lascheren Umgang mit Kondomen sowie einem riskantem Sexualverhalten zusammenhängt. Syphilis tritt häufig als Begleiterkrankung bei HIV-Infektion auf. Besonders gefährdet sind homosexuelle Männer in großstädtischen Ballungsräumen. Es sind erheblich mehr Männer als Frauen von der Geschlechtskrankheit betroffen.

Die Ansteckung kann bei engem Körperkontakt mit einer infizierten Person erfolgen. Besonders in den ersten beiden Stadien ist die Erkrankung hoch ansteckend. Die Übertragung kann sowohl bei vaginalem, analem als auch bei oralem Geschlechtsverkehr geschehen. Dabei passieren Bakterien die Hautbarriere, indem sie durch kleine Verletzungen der Haut des Geschlechtspartners eindringen. Die Bakterien können auch über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Bei chronischer Erkrankung in späteren Stadien ist die Ansteckungsgefahr deutlich gemindert. Die Erkrankung kann außerdem von werdenden Müttern über die Plazenta auf ihre Kinder übertragen werden. Die Übertragung von Syphilis über Bluttransfusionen ist nicht zu befürchten. Blutprodukte werden systematisch getestet, und so kann eine Ansteckung nahezu ausgeschlossen werden. Nach ausgeheilter Erkrankung kann es immer wieder zur erneuten Syphilisinfektion kommen.

Die Beschwerden von erkrankten Menschen sind sehr unterschiedlich. Die Symptome werden dabei in drei bis vier Stadien eingeteilt. Diese Stadien folgen in der Regel zeitlich aufeinander. Es treten nicht immer die gleichen Symptome bei jedem Patienten auf. Asymptomatische Krankheitsverläufe sind möglich, auch Menschen ohne Symptome können an Syphilis erkrankt sein.

Zwei bis drei Wochen nach Ansteckung kommt es zu den ersten Symptomen der primären Syphilis. Die Erstinfektion macht sich mit einer kleinen rötlichen Hautläsion mit hartem Randbereich bemerkbar. Dieser sogenannte harte Schanker ist in der Regel schmerzlos. Je nach Eintrittsstelle der Erreger kann dieser im Genitalbereich, am After und im Bereich der Lippen, der Zunge sowie der Mundschleimhaut auftreten. Ärzte nennen diese lokale Hautmanifestation Ulcus durum oder harten Schanker. An dieser Stelle kommt die Haut mit dem Bakterium in Kontakt, und die Bakterien dringen durch einen kleinen Hautdefekt ein. Das Ulcus durum ist hochinfektiös. Nach circa sechs Wochen heilt die Stelle ab und hinterlässt meist Narben. Zusätzlich tritt häufig eine Schwellung der nahegelegenen Lymphknoten auf. Diese Lymphknotenschwellung wird in der Fachsprache Lymphadenopathie genannt.

Im zweiten Stadium kommt es zu einer Ausbreitung der Bakterien. Diese Phase wird auch sekundäre Syphilis genannt. Der Körper versucht die Infektionserreger abzuwehren und reagiert mit Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Im Rahmen dieser Immunreaktion kann es zu einem Hautausschlag sowie zu einer generalisierten Lymphknotenschwellung kommen. Der fleckige Hautausschlag zeigt sich meist im Bereich der gesamten Körperoberfläche. Der Ausschlag beginnt zumeist im Bereich des Körperstammes und breitet sich von dort aus.

Zusätzlich kann es zu infektiösen, rundlichen Knötchen besonders im Bereich des Genitale kommen. Diese Condylomata lata erinnern an Warzen und können überall auftreten.

Nach abgelaufenem zweiten Stadium kann es zu einer Latenzzeit kommen, die einige Monate bis Jahre dauern kann. Die Patienten sind beschwerdefrei. Die Krankheit kann während dieser Phase ausheilen oder aber wiederaufflammen und erneut zu Symptomen führen.

Während des dritten Stadiums kommt es wiederum zur Reaktion des Körpers auf die Erreger. Dabei kann einerseits eine kardiovaskuläre Syphilis auftreten in Form eines Aortenaneurysmas, andererseits kann es zu sogenannten Gummen kommen. Gummen sind Hauterscheinungen, die an kleine schlangenförmige Geschwüre erinnern.

Jahre nach der Primärinfektion ist schließlich auch das Nervensystem von den Immunreaktion auf die Bakterien betroffen. Im Rahmen der Neurosyphilis kann es zu einer Entzündung des zentralen Nervensystems kommen. Im Rahmen der Neurosyphilis können Schlaganfälle auftreten. Auch eine Hirnhautentzündung ist möglich. Die Patienten leiden unter Sensibilitätsstörungen, Schmerzen und Krampfanfällen. Bei Befall der aus dem Rückenmark tretenden Nerven spricht man von Tabes dorsalis. Dabei kann es zu Störungen der Bewegungskoordination kommen und zu fehlenden Reflexen.

Die chronische Erkrankung heilt in manchen Fällen ohne antibiotische Therapie von alleine aus. In anderen Fällen kommt es zu bleibenden Organschäden, die bis zum Tod führen können. Bei entsprechender Therapie mittels Antibiotikum liegt die Heilungsrate bei nahezu 100 %.

Auch wenn der Arztbesuch unangenehm erscheint, solltest du dich bei Auftreten von Beschwerden untersuchen lassen. Der Spezialist für die Behandlung von Geschlechtskrankheiten ist der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Venerologe). Aber auch Hausärzte, Gynäkologen und Urologen können dir bei Fragen weiterhelfen. Je früher die Erkrankung behandelt wird, desto weniger gesundheitliche Folgen kann Syphilis nach sich ziehen.

Die Diagnosestellung gestaltet sich besonders in den späten Stadien äußerst schwierig, da die Krankheit mit sehr unterschiedlichen Symptomen auftreten kann und verschiedene Organsysteme befällt. Syphilis Schnelltests liefern mitunter falsche Ergebnisse und sind weniger verlässlich als die Diagnostik durch den Arzt.

  • Im Rahmen eines Praxisbesuchs wird der Arzt zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch führen, dabei wird er besonders auf deine Beschwerden eingehen und Fragen zu deinem Sexualverhalten stellen.
  • Sofern eine definierte Hautläsion vorliegt, kann ein Abstrich entnommen werden und eine Untersuchung unter dem Mikroskop durchgeführt werden, um die Bakterien nachzuweisen.
  • In späteren Stadien kann der Nachweis mithilfe einer Blutuntersuchung geschehen. Nachdem Bakterien die Blutbahn erreicht haben, bildet das menschliche Immunsystem Antikörper, die sich gegen die Infektionserreger richten. Bei der Diagnose wird dem Patienten Blut abgenommen und serologisch untersucht. Treten antisyphilitische Antikörper auf, kann weiterhin die Krankheitsaktivität bestimmt werden.

Um dich sicher vor der Erkrankung zu schützen, solltest du immer Kondome oder Femidome benutzen. Diese Verhütungsmittel bieten einen guten Schutz vor Syphilis und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.

Sobald du mit einem neuen Partner ungeschützt Geschlechtsverkehr haben möchtest, bietet es sich an, dass sich beide auf das Vorliegen von ansteckenden Geschlechtskrankheiten testen lassen. Vielerorts bieten die Gesundheitsämter kostenlose Tests an, die du anonym durchführen lassen kannst.

Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung von Syphilis ist die antibiotische Gabe von Penicillin. Bei Allergien oder Unverträglichkeitsreaktionen kann alternativ ein anderes Antibiotikum verschrieben werden. Im Rahmen der Penicillintherapie kann es zu einer Reaktion des Körpers auf die freigesetzten Giftstoffe der zerfallenden Bakterien kommen. Diese Reaktion wird Jarisch-Herxheimer-Reaktion genannt und zeigt sich mit grippeähnlichen Symptomen. Bei Auftreten dieser Symptome sollte die Therapie dennoch fortgesetzt werden, da dies ein Zeichen für das Anschlagen der Antibiotika ist.

Es wird empfohlen, alle Geschlechtspartner der infizierten Person zu untersuchen und gegebenenfalls mitzubehandeln. Je nach Stadium sollten dabei Sexualpartner der letzten zwei Jahre berücksichtigt werden.

Während der Therapie sollte weiterhin auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden, um eine Ansteckung des Partners zu vermeiden. Nach Beendigung der Antibiotikagabe kann davon ausgegangen werden, dass kein Ansteckungsrisiko mehr besteht.

Syphilis tritt häufig in Zusammenhang mit einer HIV-Infektion auf. Die Hautgeschwüre bei Lues können als Eintrittspforte für den Humanen Immundefizienz-Virus dienen. HIV-Patienten sind häufig immunologisch geschwächt, und es kommt zu einer schwerwiegenden Immunsuppression. Die körpereigene Abwehr ist durch den Virus stark geschwächt und nicht in der Lage, Infektionserreger abzuwehren. Bei simultaner Syphilisinfektion kann es zur Lues maligna kommen, eine sehr ausgeprägte Form der Geschlechtskrankheit.

Infizierte Mütter können die Erkrankung auf das werdende Kind übertragen. Dabei gelangen die Bakterien über den Mutterkuchen (Plazenta) in das Blut des Fetus. Auch während des Geburtsvorgangs kann es zur Infektion des Kindes erfolgen. Mitunter kann es durch die Infektion auch zu Fehl- oder Totgeburten kommen. Kommt es zu einer Ansteckung des Kindes, spricht man von einer angeborenen Syphilis (Lues connata). Die Säuglinge fallen durch fleckige Hautausschläge sowie Blasen an Händen und Füßen auf. Zusätzlich tritt ein blutiger Schnupfen auf. Im Laufe des Kleinkindalters treten außerdem Fehlbildungen der Zähne (Tonnenzähne), Schwerhörigkeit sowie eine Hornhautentzündung (Keratitis parenchymatosa) auf. Die Nasenwurzel kann infiziert werden, sodass es zur Ausbildung einer Sattelnase kommt. Im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinien werden alle schwangeren Frauen auf das Vorliegen einer Syphilisinfektion untersucht, um so eine Infektion vorzubeugen, und die werdenden Mütter rechtzeitig zu therapieren.

Du hast eine Hautveränderung an dir bemerkt? Über die Kry-App kannst du einen Arzt kontaktieren und ihm deine Beschwerden schildern. Außerdem kannst du für den Termin Bilder der Hautläsion hochladen. Der Arzt kann dir ein Medikament verschreiben, ein Rezept ausstellen und dich gegebenenfalls krank schreiben. Darüber hinaus kann er dich an einen entsprechenden Facharzt überweisen, falls weitergehende Untersuchungen nötig sind.

  • Frauenärzte im Netz, Herausgegeben vom Berufsverband der deutschen Frauenärzte e.V. - Dr. med. Michael Bolz (11.12.2018): “Syphilis” from https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/syphilis/, last access 27.05.2020
  • RKI Ratgeber (25.07.2003): “Syphilis” from https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Syphilis.html, last access 27.05.2020
  • Deutsche STI Gesellschaft (07.2014): “Diagnostik und Therapie der Syphilis Aktualisierung und Aufwertung S2k 2014” https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/059-002l_S2k_Diagnostik_Therapie_Syphilis_2014_07-abgelaufen.pdf
Letzte Aktualisierung:
1. Okt. 2020