Schlafstörung: Wenn die Nächte zu lang werden

Als Schlafstörung bezeichnet man eine Beeinträchtigung der Schlafqualität, der Schlafdauer oder des Einschlafzeitpunktes und die damit verbundene Leistungsminderung am folgenden Tag. Man unterscheidet zwischen organischen und nichtorganischen Schlafstörungen. Wie der Name schon sagt, liegt einer organischen Schlafstörung eine körperliche Erkrankung zugrunde. Beispiele sind das Restless Legs Syndrom (eine Erkrankung, bei dem der Patient den Antrieb hat, die Beine während Phasen von Inaktivität besonders in Ruhe oder im Schlaf zu bewegen) oder das Schlafapnoe-Syndrom. Unter nichtorganischen Schlafstörungen versteht man Veränderungen des Schlafzustandes, die keine organischen Ursachen haben und zu Schlafmangel führen. Dazu gehört Insomnia (Ein- oder Durchschlafstörung) und Parasomnia (auffällige Ereignisse während des Schlafes wie Schlafwandel oder Alpträume). Da Insomnia eins der häufigsten Symptome ist, aufgrund derer Patienten einen Arzt aufsuchen, wird das Thema folgend näher erläutert.

Schlafen ist essentiell für eine ausgeglichene physische und psychische Gesundheit. Außerdem ist schlafen wichtig für die Entwicklung unserer kognitiven Fähigkeiten und das Immunsystem. Deshalb brauchen Kinder längere Schlafperioden als Erwachsene. In der folgenden Auflistung siehst Du die empfohlene tägliche Schlafdauer für die verschiedenen Altersgruppen:

  • Mit 6 Monaten ca. 14 Stunden
  • Mit 3 Jahren ca. 12 Stunden
  • Mit 6 Jahren ca. 10,5 Stunden
  • Mit 10 Jahren ca. 10 Stunden
  • Mit 14 Jahren ca. 9 Stunden
  • Mit 16 Jahren ca. 8 Stunden
  • Ab 17-18 Jahren ca. 7-8 Stunden

Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen sind die Hauptsymptomatik einer Schlafstörung. Die Betroffenen klagen oft über frühes Aufwachen, gestörten Schlaf-Wach Rhythmus, sowie unzureichende Qualität und Quantität des Schlafes trotz idealer Schlafbedingungen.

Ausgeruhte Erwachsene benötigen 10 bis 20 Minuten zum einschlafen und verbringen weniger als 30 Minuten wach während des Nachtschlafs. Erwachsene mit Schlafstörung dagegen benötigen über 30 Minuten zum einschlafen und verbringen mehr als 30 Minuten wach während des Nachtschlafs. Ferner wachen sie mindestens 30 Minuten früher auf als die eingestellte Wake-Up-Zeit.

Schlafstörung kann Ausdruck einer psychischen oder psychosozialen Belastung sein wie Verlust des Arbeitsplatzes, Tod einer geliebten Person, eine Ehescheidung, Angst vor einem großen Vortrag oder einer wichtigen Prüfung. Die Symptome können sich von alleine bessern, wenn die Belastung vorüber geht oder Gewöhnung eintritt.

Wenn die Symptome der Schlafstörung, trotz fehlender Belastung, länger als 3 Monate fortbestehen spricht man von chronischer Insomnie. Eine Chronische Insomnie kann mit Depressionen, Ängsten oder Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS gekürzt) zusammenhängen.

Andere Ursachen können der Konsum koffeinhaltiger Getränke oder der Missbrauch digitaler Medien, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, sein. Nebenwirkung bestimmter Medikamente sind ebenfalls mögliche Ursachen (z.B. Schilddrüsenmedikamente, Steroide ).

Auch organische Erkrankungen, wie Asthma bronchiale, Reflux, Neurodermitis, rheumatische Erkrankungen u.v.a.m. können zu Schlafstörungen führen.

Abhängig vom Kindesalter helfen verschiedene Strategien um ein gutes Schlafverhalten einzurichten. Für Kinder unter 5 Jahren kann die Schaffung einer positiven Zubettgehroutine schlafverbessernd wirken.

Für etwas ältere Kinder hilft ein kurzer Mittagsschlaf, von maximal 20 Minuten, tagsüber (vor 15:00 Uhr) und das Vermeiden von Schlafphasen nach 15:00 Uhr.

Heutzutage spielt der übermäßige Konsum von digitalen Medien, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, sowie der exzessive Konsum von “Energy Drinks” eine erhebliche Rolle bei Schlafstörungen. Deshalb kann die Aufklärung über ein gesundes Einschlafverhalten und die Wirkungen von schlafverhinderenden Substanzen, wie koffeinhaltige Getränke, Rauchen und Alkohol, zur Verbesserung der Schlafphasen führen.

Eine Schlafstörung kann diagnostiziert werden, wenn Ein- und Durchschlafprobleme 3 mal pro Woche seit mindestens einem Monat bestehen und von einem oder mehreren der folgenden Symptome begleitet werden:

  • Tagesmüdigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Sozialer Rückzug
  • Reizbare oder depressive Stimmung
  • Schlafneigung während des Tages
  • Fehlende Motivation und Energielosigkeit
  • Erhöhte Fehlerrate und Unfälle
  • Vergesslichkeit

Bei Kindern könnte Intelligenzminderung ein Zeichen von Schlafmangel sein.

Wenn Dir die Schlafstörung einen Leidensdruck verursacht und Dein alltägliches Leben beeinträchtigt, musst Du einen Arzt aufsuchen.

Der Arzt hilft Dir die zugrundeliegende Erkrankung zu identifizieren und kann eine Therapieempfehlung vorschlagen.

Nachts auftretende Atemnotanfälle können Zeichen einer nicht ausreichend eingestellten medikamentösen Therapie bei Asthma bronchiale sein. Es könnte aber auch ein Zeichen ernsthafter Erkrankungen darstellen, insbesondere wenn Herzpalpitationen, Brustenge oder Schmerzen zu spüren sind. In dem Fall musst Du so schnell wie möglich zum Arzt.

Gesunde Schlafgewohnheiten, in der fachsprache als Schlafhygiene bezeichnet, helfen Ihnen für einen besseren Schlaf:

  • Ausreichender Nachtschlaf (so lange ausschlafen bis Du ausgeruht bist)
  • Einhalten regelmäßiger Zubettgeh- und Aufwachzeiten, auch am Wochenende
  • Vermeiden koffeinhaltige Getränke nach dem Mittagessen
  • Vermeiden von Alkohol vor dem Zubettgehen
  • Rauchen vermeiden (insbesondere abends)
  • Erst schlafen gehen wenn Du müde bist
  • Vermeiden von Hunger und Durst
  • Ruhige, abgedunkelte angenehm temperierte Schlafumgebung
  • Ausreichende Aktivität tagsüber
  • Vermeidung von abendlichem Medienkonsum, vor allem in der Stunde vor dem Zubettgehen
  • Das Bett nur zum Schlafen (und zum Geschlechtsverkehr) nutzen

Eine weitere Therapieempfehlung ist eine sogenannte “Stimulus Control”. Da manche Menschen Zubettgehen mit Wachsamkeit verbinden, will man bei “Stimulus Control” diese Assoziation mithilfe folgender Schritte unterbrechen:

  1. Wenn Du länger als 20 Minuten im Bett zum Einschlafen verbringst, stehe auf und gehe in ein anderes Zimmer
  2. Beschäftige Dich mit einer einfachen Aktivität wie z.B. Lesen bis Du die Müdigkeit spürst
  3. Wenn Du müde bist, gehe wieder ins Bett und versuche innerhalb von 20 Minuten einzuschlafen. Falls Dir dies nicht gelingt, wiederhole die Schritte 1 bis 3
  4. Stelle Dir täglich einen Wecker um die gleiche Uhrzeit, auch am Wochenende
  5. Versuche den Mittagsschlaf zu vermeiden

In der ersten Nacht könnte Dir etwas Schlaf fehlen. Allerdings wirst Du die nächsten Nächte besser schlafen, denn die Müdigkeit steigt und Mittagsschlaf ist nicht erlaubt.

Eine medikamentöse Therapie sollte erst erfolgen, nachdem alle Verhaltenstherapeutische Verfahren ausgeschöpft sind. Zu den freiverkäuflichen Präparaten, die unterstützend zu den Verhaltensänderungen wirken, gehören Phytopharmaka (z.B. Baldrian) und Antihistaminika (z.B. Doxylamine und Diphenhydramine). Antihistaminika sind antiallergische Medikamente, die aufgrund ihres zentralen Wirkmechanismus eine dämpfende und beruhigende Nebenwirkung haben.

Weitere nicht freiverkäufliche Präparate sind Benzodiazepine (Triazolam, Lorazepam), Hypnotikaka (Zolpidem), Antidepressiva (Doxepin) und Neuroleptika (Melperon). Aufgrund ihres hohen Abhängigkeitspotenzials, werden Benzodiazepine nur für eine kurzfristige Behandlung eingesetzt.

Ein ausführliches Gespräch mit einem unserer KRY-Ärzte kann Dir helfen, die Ursache Deiner Schlafstörung zu finden, um die richtige Therapie einzuleiten. Falls eine organische Erkrankung vermutet wird, wirst Du zum richtigen Facharzt überwiesen. Darüber hinaus kann unser KRY-Arzt Dir eine Krankschreibung und nach seinem Ermessen ein Rezept ausstellen.

  1. Nichtorganische Schlafstörungen (F51),1. Klassifikation, 1.1 Definition
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  2. Classification of sleep disorders
    https://www.uptodate.com/contents/classification-of-sleep-disorders?search=sleep%20disorder&source=search_result&selectedTitle=1~150&usage_type=default&display_rank=1#H13423686

  3. Clinical features and diagnosis of restless legs syndrome and periodic limb movement disorder in adults, Introduction
    https://www.uptodate.com/contents/clinical-features-and-diagnosis-of-restless-legs-syndrome-and-periodic-limb-movement-disorder-in-adults?search=sleep%20disorder&topicRef=7700&source=see_link

  4. Overview of the treatment of insomnia in adults, Indtroduction
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  5. Insufficient sleep: Evaluation and management, Introduction
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  6. Nichtorganische Schlafstörungen (F51), Diagnostische Einordnung, 3.1 Identifizierung der Leitsymptome
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  7. Evaluation and diagnosis of insomnia in adults,Types of Insomnia,
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  8. Evaluation and diagnosis of insomnia in adults, clinical Features
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  9. Nichtorganische Schlafstörungen (F51), 2.6 Weitergehende Diagnostik
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  10. Nichtorganische Schlafstörungen (F51), 1.4 Untergruppen, nichtorganische Insomnie
    https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-012l_S1_Nichtorganische_Schlafstoerungen_2018-07.pdf

  11. Evaluation and diagnosis of insomnia in adults, clinical Features, Difficulty initiating or maintaining sleep
    https://www.uptodate.com/contents/evaluation-and-diagnosis-of-insomnia-in-adults?sectionName=TYPES%20OF%20INSOMNIA&search=sleep%20disorder&topicRef=7700&anchor=H2093124172&source=see_link#H2093124172

  12. Nichtorganische Schlafstörungen (F51), Weitere spezifische Therapien, Nichtorganische Insomnie
    https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-012l_S1_Nichtorganische_Schlafstoerungen_2018-07.pdf

  13. Nichtorganische Schlafstörungen (F51), Hierarchie der Behandlungsentscheidungen und diesbezügliche Beratung
    https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-012l_S1_Nichtorganische_Schlafstoerungen_2018-07.pdf

  14. Nichtorganische Schlafstörungen (F51), Nichtorganische Insomnie (F51.0), Diagnostische Kriterien gemäß ICD-10
    https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-012l_S1_Nichtorganische_Schlafstoerungen_2018-07.pdf

  15. Evaluation and diagnosis of insomnia in adults, clinical Features, Compromised daytime function
    https://www.uptodate.com/contents/evaluation-and-diagnosis-of-insomnia-in-adults?sectionName=TYPES%20OF%20INSOMNIA&search=sleep%20disorder&topicRef=7700&anchor=H2093124172&source=see_link#H2093124172

  16. Nichtorganische Schlafstörungen (F51), 3.2 Identifizierung weiterer Symptome und Belastungen
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  17. Patient education: Insomnia (Beyond the Basics), INSOMNIA CAUSES
    https://www.uptodate.com/contents/insomnia-beyond-the-basics?search=sleep%20disorder&topicRef=7676&source=see_link

  18. Patient education: Insomnia treatments (Beyond the Basics), BEHAVIORAL THERAPY FOR INSOMNIA
    https://www.uptodate.com/contents/insomnia-treatments-beyond-the-basics?search=sleep%20disorder&topicRef=7717&source=see_link

  19. Patient education: Insomnia treatments (Beyond the Basics), BEHAVIORAL THERAPY FOR INSOMNIA, Stimulus control
    https://www.uptodate.com/contents/insomnia-treatments-beyond-the-basics?search=sleep%20disorder&topicRef=7717&source=see_link

  20. Risk factors, comorbidities, and consequences of insomnia in adults, RISK FACTORS AND COMORBIDITIES
    https://www.uptodate.com/contents/risk-factors-comorbidities-and-consequences-of-insomnia-in-adults?search=insomnia&source=search_result&selectedTitle=5~150&usage_type=default&display_rank=5#H371661727

  21. Nichtorganische Schlafstörungen (F51), Nichtorganische Insomnie (F51.0), Medikamentöse Behandlung der Insomnie
    https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-012l_S1_Nichtorganische_Schlafstoerungen_2018-07.pdf

Letzte Aktualisierung:
1. Jan. 2020