Mückenstich

Das älteste Fossil einer Mücke ist 90 bis 100 Millionen Jahre alt. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass die ersten Vorfahren dieses Insekts schon viel früher existierten. Heutzutage findest du Mücken auf jedem Kontinent der Erde. Ihre Stiche sind in den meisten Fällen harmlos, doch können sie schwerwiegende Krankheiten wie zum Beispiel Malaria und das Denguefieber übertragen. Wenn du nach einer Reise in tropische Gebiete plötzlich hohes Fieber, Durchfall, Hautausschläge oder Übelkeit und Erbrechen entwickelst, solltest du deshalb dringend einen Arzt aufsuchen.

Ein schöner Abend am See kann durch Stechmücken schnell zum Albtraum werden. Warum Mücken vor allem rund um Gewässer gefunden werden können, lässt sich durch ihren Lebenszyklus erklären.
Die weibliche Mücke legt ihre Eier auf die Oberfläche von langsam fließenden oder stehenden Gewässern. Schon nach 1-2 Tagen schlüpfen daraus kleine Larven, die die nächsten 2 Wochen unter Wasser leben und sich von Algen, Plankton, Bakterien und anderen Mikroorganismen ernähren. Nach dieser Zeit verpuppen sie sich und schwimmen an der Wasseroberfläche. Aus diesen Puppen schlüpfen innerhalb von 1-4 Tagen erwachsene Mücken.

Erwachsene Mücken ernähren sich vorwiegend von Blütennektar. Erst wenn weibliche Mücken Eier legen, müssen diese auf Blut zurückgreifen. Die im Blut enthaltenen Proteine sind essentiell für die Eierproduktion und -reifung. Auf der Suche nach Blut ist der Mensch jedoch nicht die erste Wahl einer Stechmücke. Meist sind es Tiere, die gestochen werden. Mücken können fast allen Tieren Blut entnehmen, egal ob gleich- oder wechselwarm. Einige Mückenspezies stechen sogar Fische.

Mücken sind vor allem in der Dämmerung aktiv. Sie werden durch Kohlenstoffdioxid, dass du beim Atmen produzierst, aus einer Entfernung von bis zu 35 Metern angezogen. Einmal in der Nähe einer potentiellen Blutquelle werden sie durch Bewegung, Farbe und Körpergeruch (Schweiß, Parfum etc.) angelockt.

Sobald sie die gewünschte Quelle gefunden haben, nutzen sie ihren Stechrüssel, um die geeignete Einstichstelle zu finden. Er dient dabei nur als Führungshilfe und biegt sich vor dem eigentlichen Stich zurück. Mit kleinen Stechwerkzeugen können sie nun durch kleine Sägebewegungen die Blutbahn erreichen. Da kleine Wunden schnell durch Blutverklumpung verheilen, injizieren sie eine kleine Menge ihres eigenen Speichels mit in die Haut, um die Blutgerinnung zu verhindern. So können sie die gewünschten 0,001-0,01 mL Blut ohne Probleme aufnehmen. Dieser Speichel ist dem Körper fremd und löst dadurch eine Immunreaktion mit Rötung und Jucken aus.

Mückenstiche sind lästig, in den meisten Fällen jedoch komplett harmlos. Einige Menschen haben gar keine Beschwerden nach einem Mückenstich. Oft handelt es sich um ältere Menschen, bei denen sich der Körper im Laufe des Lebens an die vielen Mückenstiche gewöhnt und die Immunreaktion herunterreguliert hat.
Das klassische Bild eines Mückenstichs ist eine kleine rote Erhebung oder Quaddel, die stark juckt. Manchmal können auch kleine Blasen oder dunkle Punkte entstehen, die einem blauen Fleck ähneln. Diese Beschwerden vergehen nach einigen Tagen.

In seltenen Fällen kann die Immunreaktion überschießen und zu einer so genannten Anaphylaxis führen - einer akuten, allergischen Reaktion. Sie lässt sich an einer Schwellung des Halses, Luftnot oder Nesselsucht erkennen. Diese Beschwerden sind meistens nicht durch Mücken, sondern andere Insekten ausgelöst.
Ein eher seltenes Bild ist das Skeeter Syndrom, eine lokale allergische Reaktion auf Mückenstiche mit Entzündung oder sogar Fieber. Hiervon sind vor allem Kinder betroffen, deren Immunsystem noch nicht häufig mit Mücken in Kontakt gekommen ist. Noch seltener, aber umso gefährlicher, ist das “Servere mosquito bite allergy syndrome”, das mit einer schweren Immunreaktion gegen Mückengift einhergeht und mit einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus assoziiert sein kann.

Die meisten Mückenstiche verheilen innerhalb einiger Tage von alleine. Kratzen kann zu Hautabschürfungen führen, die sich wiederum mit Bakterien infizieren können. Ein entzündeter Mückenstich braucht häufig länger, um vollkommen abzuheilen und kann zu Narbenbildung führen.

Mücken können mit ihren Stichen Viren und andere Krankheitserreger übertragen. Vor allem in tropischen und subtropischen Regionen ist das Risiko dafür erhöht. Bevor du eine Reise planst, solltest du dich deshalb über die örtlichen Infektionsrisiken informieren und dich bei einem Arzt zu empfohlenen Impfungen und Vorsorgemaßnahmen beraten lassen.
Zu den übertragenen Erkrankungen gehören zum Beispiel:

  • Malaria
    Malaria-auslösende Parasiten (Plasmodium) werden durch die Anophelesmücke übertragen. Weltweit sterben jährlich über eine Million Menschen an Malaria. 300-500 Millionen Menschen werden jährlich infiziert.
  • Chikungunya
    Chikungunya wird durch das Chikungunya-Virus ausgelöst und geht mit Fieber und starken Gelenkschmerzen einher. Es wird durch Stechmücken übertragen und ist insbesondere in südöstlichen Teilen Afrikas, Südostasien und Indien verbreitet.
  • Denguefieber
    Denguefieber kommt in tropischen und subtropischen Klimaregionen vor und kann starke Temperaturerhöhungen sowie Kopf-, Muskel-, Knochen- und Gliederschmerzen verursachen. Es ist meist nur von kurzer Dauer, kann jedoch auch durch schwere Komplikationen zum Tode führen.
  • Gelbfieber
    Gelbfieber ist vor allem in einigen Teilen Afrikas sowie in Zentral- und Südamerika zu finden. Es kann leichte aber auch schwerwiegende Verläufe haben, die durch die Beteiligung der Leber den Namen geprägt haben.
  • Zika Virus
    Eine Zika Virus Infektion verläuft meist symptomfrei, kann aber mit grippeähnlichen Beschwerden einhergehen. Die Infektion ist vor allem für Schwangere gefährlich, da das Virus sich auf das ungeborene Kind übertragen kann und dort Probleme in der Entwicklung des Gehirns und eine Verkleinerung des Kopfumfangs hervorrufen kann.

Wenn du nach einem Mückenstich schlecht Luft bekommst oder Quaddeln an deinem ganzen Körper beobachten kannst, ist es möglich, dass du an einer akuten allergischen Reaktion gegen den Mückenspeichel leidest. Wenn du gerade von einer Reise aus den Tropen zurückgekehrt bist und Fieber oder Übelkeit entwickelst, können durch Stechmücken übertragene Krankheiten die Ursache sein. In beiden Fällen solltest du dir dringend ärztliche Hilfe holen.

Einen magischen Stichheiler gibt es leider nicht. Nachdem du von einer Mücke gestochen wurdest, kannst du aber einige Mittel anwenden, um die Beschwerden zu lindern:

  • Kühlen statt Kratzen
    Durch Kratzen bilden sich kleine Wunden in deiner Haut, die sich entzünden können. Es ist deshalb wichtig, das Kratzen eines Mückenstichs zu vermeiden. Durch Manipulation können die Beschwerden sogar verschlimmert werden, in dem der Juckreiz-auslösende Mückenspeichel weiter verteilt wird. Kühlen kann das Jucken lindern. Hierfür kannst du zum Beispiel Eiswürfel nehmen, die du vorher in ein Küchentuch eingewickelt hast. Auch Aloe Vera hat einen kühlenden Effekt. Kälte verengt die Blutgefäße, welches eine abschwellende Wirkung hat.
  • Mit Hitze gegen Jucken
    Es konnte gezeigt werden, dass das direkte Applizieren von Hitze auf einen frischen Mückenstich die Beschwerden abmildern kann. Hierfür kannst du spezifisch für diesen Zweck verwendete Geräte benutzen, die zwar heiß genug sind, um die Proteine des Mückenspeichels zu inaktivieren, aber dennoch keine Verbrennungen verursachen.
  • Bei stärkeren Beschwerden kannst du in der Apotheke Cremes kaufen, die die Immunreaktion des Körpers heruntersetzen. Hierzu gehören Gels mit einem Antihistaminikum oder Cortison. Histamin verursacht die Schwellung und das Jucken eines Mückenstichs.

Die wichtigste Methode um durch Stechmücken übertragene Erkrankungen zu vermeiden, ist, dem Stich vorzubeugen.

  • Vermeide es, dich in den Mückenhochzeiten (Dämmerung) draußen aufzuhalten.
  • Decke Brutplätze für Mücken ab. Die Regentonne oder eine verstopfte Regenrinne sind ideale Brutstätten für Stechmücken.
  • Trage lange, helle Kleidung. Dunkle Kleidung zieht Mücken vermehrt an.
  • Achte darauf, dass deine Fenster und Türen richtig geschlossen sind, oder schütze dich mit Mückengittern. Du kannst auch Mückennetze erwerben, die du um dein Bett spannen kannst.
  • Trage Antimückenspray sparsam auf deine freien Körperstellen auf. Wenn du keine stichfeste Kleidung trägst, solltest du auch unter der Kleidung etwas auftragen. Hier heißt es jedoch: mehr hilft nicht mehr. Wie lange das Spray Mücken fernhält, hängt vom genutzten Mittel ab und nicht davon, wieviel du verwendest. Der Goldstandard der Mückenabwehrsprays ist seit vielen Jahren der Wirkstoff N-Diethyl-3-Methylbenzamide (DEET). Du solltest die Inhaltsstoffe deines Mückensprays überprüfen, um die Wirksamkeit einschätzen zu können. Es gibt auch natürliche Mückensprays, die auf ätherischen Ölen basiert sind. Sie wirken nicht so lange, wie synthetische Stoffe und könnten vermehrt allergische Reaktionen hervorrufen.
  • In vielen Antimückenkerzen oder -Fackeln ist Citronella enthalten. Sie wirken vor allem bei Windstille. Citronella ist auf Kleidung oder der Haut weniger effektiv.
  • Antimückensprays dienen dazu, den Körpergeruch zu überdecken. Vermeide deswegen auch Parfums oder stark parfümierte Cremes.

Da Mückenstiche meist innerhalb einiger Tage folgenlos verheilen, ist es größenteils nicht nötig, sich dafür ärztlichen Rat zu holen. Wenn du jedoch stark unter den Symptomen von Mückenstichen leidest, kannst du mit deinem Arzt besprechen, ob zum Beispiel eine Therapie mit Antihistaminika für dich in Frage kommt.

Du hast eine juckende Rötung auf deiner Haut entdeckt und bist dir nicht sicher, ob es ein Mückenstich ist? Über KRY kannst du einem Arzt direkt ein Foto davon schicken. So kannst du andere Erkrankungen ausschließen, die ein ähnliches Krankheitsbild hervorrufen. Bei dem Verdacht, dass die Rötung durch eine andere, schwerwiegende Erkrankung hervorgerufen wird, kann dich der Arzt direkt beraten und dir gegebenenfalls eine Überweisung zu Experten ausstellen.

  1. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/mosquito-bites/symptoms-causes/syc-20375310 (Zugriff am 03.05.2020)
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    https://www.aaaai.org/conditions-and-treatments/library/allergy-library/taking-a-bite-out-of-mosquitoes (Zugriff am 03.05.2020)
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    https://www.mosquito.org (Zugriff am 03.05.2020)
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Letzte Aktualisierung:
6. Aug. 2020