Infektanfälligkeit

Das Immunsystem unseres Körpers befindet sich in einem ständigen Kampf gegen krankheitsauslösende Erreger, um ihn vor Krankheiten zu schützen. Wenn das Immunsystem geschwächt wird, kommt es zur Infektanfälligkeit. Bei einer Infektanfälligkeit handelt es sich um ein vermehrtes Auftreten von Infektionskrankheiten oder um ausgesprochen lang bestehende Infektionen. Die ersten Anzeichen für ein geschwächtes Immunsystem werden in der Regel im Kindesalter festgestellt und therapiert. Die Ursachen dafür sind entweder angeboren (z. B. durch einen Immundefekt) oder erworben (z. B. durch Medikamenteneinnahme).

Viren und Bakterien aus unserer Umgebung wie etwa aus den öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen oder Kindergarten können Krankheiten im Körper hervorrufen. Nach einer durchgemachten Infektion mit einem bestimmten Erreger (z. B. das Masernvirus), bildet das Immunsystem sogenannte Antikörper. Antikörper sind Proteine, die ständig im Blut zirkulieren und das Immunsystem gegen fremde Erreger alarmieren. Bei einer durchgemachten Infektion kann das Immunsystem dank dieser Antikörper die eingedrungen Erreger schneller erkennen und effektiver bekämpfen, sodass es zu keiner erneuten Infektion mit diesem Erreger kommt.

Im Erwachsenenalter hat sich das Immunsystem bereits mit unzähligen Infektionen auseinandergesetzt und somit Antikörper gegen die verschiedensten Erreger gebildet. Im Kindesalter hingegen ist das Immunsystem noch unreif und wird durch einen Kontakt mit der Vielzahl an Viren und Bakterien aus der Umwelt trainiert, insbesondere in der Kindergartenzeit. Deshalb sind Kinder häufig krank.

Die Unterscheidung zwischen einem normalen Infektionsgeschehen und einer auffälligen Infektanfälligkeit ist schwer auszumachen und hängt von vielen Faktoren ab. Ein gehäuftes Auftreten von Infektionen in einem bestimmten Organ wie z. B. bei häufigen Nasennebenhöhlenentzündungen, kann eher durch eine enge Nasenpassage bedingt sein und muss noch nicht auf eine Infektanfälligkeit hindeuten.

Bei mehr als ca. 8 Infektionen pro Jahr im Kleinkindalter (bei Erwachsenen mehr als 5), die häufig schwer verlaufen und durch denselben Erreger oder in der Regel harmlose Erreger hervorgerufen werden, kann es sich um eine Immunschwäche handeln.

Folgende Symptome können unter anderem auf eine Infektanfälligkeit hinweisen:

  • Deutlich häufige Infektionen (Erwachsene ca. 5/Jahr, Kinder ca. 8/Jahr).
  • Die Infektionen nehmen einen schweren Verlauf.
  • Oft heilen die Infektionen nicht richtig aus.
  • Die Infektionen werden durch in der Regel harmlose Erreger ausgelöst (das heißt, Erreger, die bei gesunden Menschen keine Erkrankungen auslösen).
  • Die Infektionen erscheinen an ungewöhnlichen Stellen (z. B. bei einer schweren Hautinfektion nach einer kleinen Wunde).

Verschiedene Ursachen führen zu einer Infektanfälligkeit:

  • Angeborene Immundefekte: Hierbei handelt es sich um eine Fehlfunktion des Immunsystems, sodass der Körper sich vor Neuinfektionen nicht mehr adäquat wehren kann (z. B. das Immunsystem kann keine funktionierenden Antikörper produzieren).
  • HIV/AIDS: Eine HIV-Infektion ist erfreulicherweise in Deutschland selten geworden, aber dennoch muss sie bei einer Infektanfälligkeit in Betracht gezogen werden.
  • Chronische Krankheiten: Diabetes Mellitus, Krebskrankheiten oder Organtransplantationen können das Immunsystem beeinträchtigen und das vermehrte Auftreten neuer Infektionen begünstigen.
  • Medikamentöse Therapien: z. B. Antibiotika, Chemotherapien oder regelmäßige Kortisoneinnahmen führen zu einer Immunschwäche.
  • Ungesunde Lebensweise: Faktoren wie z. B. chronischer Stress, Schlafmangel, unausgewogene Ernährung, Rauchen, erhöhter Alkohol - und Drogenkonsum und mangelnde Bewegung können das Immunsystem negativ beeinflussen.

Um die zugrundeliegende Ursache einzugrenzen, kann der Arzt dir folgende Fragen stellen:

  • Wie viele Infektionen hast du oder hat dein Kind im vergangenen Jahr durchgemacht?
  • Wie lange hat es gedauert, bis die Infektionen ausgeheilt sind?
  • Hast du oder hat dein Kind alle vom STIKO empfohlenen Impfungen erhalten?
  • Sind die Infektionen in einem bestimmten Organ vermehrt aufgetreten (z. B. häufige Mittelohrentzündungen)?
  • Gibt es Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden?
  • Rauchst du oder wird dein Kind Tabakrauch ausgesetzt?
  • Sind irgendwelche Vorerkrankungen bekannt?
  • Liegt eine HIV-Infektion vor?

Falls weiterhin eine Unsicherheit über die mögliche Ursache der Infektanfälligkeit besteht, sollten laborchemische Untersuchungen erfolgen.

Du solltest einen Arzt konsultieren, falls bei dir oder bei deinem Kind:

  • häufig wiederkehrende Infektionskrankheiten auftreten
  • hohes Fieber vorliegt
  • die Infektionskrankheiten trotz Einnahme von Antibiotika nicht ausheilen
  • im Familienkreis eine Immunschwäche bekannt ist
  • dein Kind im Vergleich zu seinen Altersgenossen/-innen unterdurchschnittlich entwickelt ist

Zu den Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems gehören:

  • Impfungen: Sie stärken das Immunsystem und schützen vor vielen Infektionskrankheiten
  • Rauch- und Alkoholverzicht
  • ausreichend Schlaf
  • eine ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Ernährungsweise für Erwachsene besteht zu ca. 30 % aus Fett, 50 % Kohlenhydrate, 0.8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht (z. B. bei 80 kg schwerer Person 80 × 0.8 = 64 g pro Tag) und mindestens 30 g/Tag Ballaststoffe. Im Allgemeinen sind Gemüse, Früchte, Fisch und ballaststoffreiche Produkte (z. B. Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Nüsse und Samen) gut für den Körper.
  • regelmäßiger Sport
  • sorgfältige Mund- und Zahnhygiene
  • regelmäßiges Fiebermessen, um Infektionen früh zu erkennen
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Stress vermeiden
  • in der Wohnung ausreichend lüften und auf Schimmelpilzbefall achten

Falls eine eindeutige Ursache für die Infektanfälligkeit durch den behandelnden Arzt identifiziert wird, gibt es überprüfte Therapieverfahren, die vom Arzt individuell angepasst und eingeleitet werden können. Die Wirksamkeit von pflanzlichen und homöopathischen Mitteln zur Stärkung des Immunsystems wurde in ganz wenigen Studien überprüft und zeigte sehr unterschiedliche Ergebnisse. Deshalb sollten diese Präparate gemieden oder nur zusätzlich zu bewährteren Therapieverfahren eingesetzt werden.

Was versteht man unter Infektanfälligkeit? Gibt es Warnzeichen, die auf eine Störung des Immunsystems hindeuten? Wie kann man das Immunsystem am besten stärken? Welche Impfungen sollten du oder dein Kind erhalten? Mit welchen Nebenwirkungen sollte man rechnen? Bei diesen und anderen Fragen können die Ärzte von KRY dir und deinem Kind behilflich sein, dich umfassend beraten oder gegebenenfalls an einen anderen Facharzt oder zum Immundefektzentrum überweisen.

  1. Schmid I. (2014): „Pädiatrische Differenzialdiagnostik, Infektanfälligkeit“, https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-642-29798-4_60, aufgerufen am 29.05.2020

  2. Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (2018), MEIN KIND HAT STÄNDIG INFEKTE …, https://www.dgkj.de/fileadmin/user_upload/images/Elternseite/Elterninformationen/DGKJ_Infekte_18.pdf, augerufen am 30.05.2020

  3. Deutsches Grünes Kreuz, Infektanfälligkeit oder Immundefekt?, https://dgk.de/meldungen/infektanfaelligkeit-oder-immundefekt.html, aufgerufen am 30.05.2020

  4. American Academy of Allergy, Asthma & Immunology, RECURRENT INFECTIONS MAY SIGNAL IMMUNODEFICIENCIES, https://www.aaaai.org/conditions-and-treatments/library/immune-deficiencies-library/recurrent-infections-immunodeficiencies, aufgerufen am 30.05.2020

  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr in Deutschland, Österreich und der Schweiz, https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/, aufgerufen am 30.05.2020

Letzte Aktualisierung:
10. Aug. 2020