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Rotavirus

Eine Rotaviren-Infektion zeigt sich durch plötzlich einsetzende wässrige Durchfälle und Erbrechen. Vor allem Säuglinge und Kinder sind davon betroffen, obwohl sich auch Erwachsene mit dem Virus anstecken können. Die Behandlung basiert vor allem auch dem Ausgleich des Wasser- und Mineralsalzverlustes. Bei Säuglingen und Kleinkindern verläuft eine Rotavirus-Durchfallerkrankung meist schwerer als Durchfallerkrankungen durch andere Erreger. Nach 2 bis 6 Tagen klingen die Beschwerden meist wieder ab.

Was sind Rotaviren?

Rotaviren sind sehr kleine, nicht-umhüllte Viruspartikel und gehören zur Familie der Reoviridae. Sie sind die häufigste Ursache viraler Darminfektion bei Kindern und haben den Menschen als Reservoir.

In den westlichen Industrieländern sind vor allem Säuglinge und Kinder zwischen 6 Monaten und 2 Jahren betroffen, da sie aufgrund ihrer noch fehlenden Immunität eine hohe Empfänglichkeit für eine Infektion aufweisen. Durch wiederholte Infektionen im Laufe der Kindheit wird eine spezifische Immunität gegenüber Rotaviren aufgebaut, denn mit 3 Jahren haben 90% aller Kinder schon mindestens eine Rotavirusinfektion durchgemacht. In Entwicklungsländern tragen Rotaviren erheblich zur Kindersterblichkeit bei, weshalb die WHO dazu rät, die Rotaviren-Schutzimpfung in alle nationalen Impfprogramme mit aufzunehmen.

Da die Immunität gegen Rotaviren nur kurz anhält und es viele verschiedene Serotypen gibt, sind wiederholte Erkrankungen möglich und auch Erwachsene können sich mit Rotaviren anstecken, obwohl nahezu alle Erwachsenen Antikörper gegen Rotaviren aufweisen. Bei Erwachsenen zeigt sich jedoch meist ein milderer Verlauf als bei Kindern. Vor allem Eltern erkrankter Kinder, Menschen über 60 Jahre und Menschen in Altersheimen haben ein erhöhtes Risiko, eine Rotavirus-bedingte Durchfallerkrankung zu entwickeln. Rotaviren spielen auch bei Reisedurchfall eine große Rolle.

Durchfallerkrankungen durch Rotaviren treten vermehrt im Winter und in den Frühlingsmonaten (Februar bis April) auf, da die Erreger sich im warmen und trockenen Klima der geheizten Wohnungen besonders gut vermehren können. Eine Infektion mit Rotaviren ist meldepflichtig.

Wie werden Rotaviren übertragen?

Eine Infektion mit Rotaviren geschieht fäkal-oral durch Schmierinfektionen oder kontaminiertes Wasser und Lebensmittel. Die Viren sind sehr leicht übertragbar - schon 10 Viruspartikel reichen aus um ein Kind zu infizieren und allein 1g Stuhl eines akut Infizierten beinhaltet mehrere Millionen Viren. Nach einer Infektion besteht meist eine Inkubationszeit von 1 bis 3 Tagen, bis sich die ersten Symptome bemerkbar machen. Die Ansteckungsfähigkeit besteht hauptsächlich während des akuten Krankheitsstadium und solange das Virus mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Dieser Zeitraum beträgt i.d.R. nicht länger als 8 Tage.

Besondere Gefahr einer Ansteckung besteht auf gemeinschaftlichen Toiletten, also z.B. in Kindergärten und Schulen.

Das Virus vermehrt sich in den Oberflächenzellen des Dünndarms. Dort führt es zum Absterben und zur Abstoßung der oberen Zellschichten, welches zu einer vorübergehenden Milchzuckerunverträglichkeit führen kann. Diese Laktoseunverträglichkeit gibt sich nach einigen Wochen oder Monaten wieder, es sollte jedoch während dieser Zeit auf Kuhmilch oder Milchprodukte verzichtet werden. Zusätzlich zur Abschilferung der obersten Zellschichten sezerniert der Dünndarm vermehrt Flüssigkeit und Schleim, welches zusätzlich zum Durchfall beiträgt.

Symptome einer Rotavirusinfektion

Die Symptome einer Rotavirusinfektion variieren stark. Vor allem Erwachsene entwickeln oft keine Symptome. Andere Menschen klagen über leichten Durchfall, andere entwickeln eine schwere Erkrankung und müssen stationär in einem Krankenhaus behandelt werden.

Eine Rotavirusinfektion macht sich vor allem durch wässrige Durchfälle und Erbrechen bemerkbar. Zusätzlich können Schleimbeimengungen im Stuhl beobachtet werden. Anhand der Symptome ist eine Rotaviren-Gastroenteritis nicht von anderen infektiös-bedingten Durchfallerkrankungen zu unterscheiden, auch wenn sie bei Kleinkindern und Säuglingen meist schwerer verläuft als andere Durchfallerkrankungen. Die Beschwerden halten i.d.R. 2 bis 6 Tage an.

Andere mögliche Beschwerden sind:

  • Fieber

  • Bauchschmerzen

  • Unspezifische Beschwerden der oberen Atemwege, z.B. Husten, Halsschmerzen

  • Vorübergehende Laktoseintoleranz

  • Austrocknung: Austrocknung ist eine gefürchtete Folge der Rotaviren-Gastroenteritis, die unbehandelt bis zum Tode führen kann und im Krankenhaus behandelt werden sollte.

Diagnosestellung

Die Diagnose einer Rotaviren-Gastroenteritis wird i.d.R. allein durch die Symptome und eine gründliche körperliche Untersuchung gestellt. Zusätzlich kann eine Stuhlprobe entnommen werden und der Virus aus dem Stuhl mit dem “Enzym-Immun-Test” (EIA) nachgewiesen werden. Dies ist ab dem 3. Bis 4. Tag der Erkrankung möglich.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Du solltest mit deinem Kind einen Kinderarzt aufsuchen, wenn:

  • Ein Säugling über 6 Stunden Durchfall hat

  • Ein größeres Kind über 2 Tage lang Durchfall hat,

  • Häufiges Erbrechen auftritt,

  • Fieber >40°C auftritt,

  • Du schwarzen Stuhl (Teerstuhl), Stuhl mit Blut- oder Eiterbeimengungen beobachtest,

  • Das Kind Anzeichen von Austrocknung aufweist.

Schwangere und immungeschwächte Menschen sollten verfrüht bei Symptomen von starkem Durchfall eine Arztpraxis aufsuchen, spätestens jedoch, wenn sie Fieber bekommen. Sonst gesunde Erwachsene sollten ärztliche Hilfe suchen, falls:

  • du mehr als 24 Stunden lang keine Flüssigkeiten bei dir behalten kannst,

  • du über 2 Tage lang Durchfall hast,

  • du Blut im Stuhl oder im Erbrochenen sehen kannst,

  • du Fieber >39,4°C entwickelst,

  • dir schwindelig ist oder du sehr schwach bist,

  • du Anzeichen von Austrocknung zeigst.

Zeichen von Austrocknung sind:

  • Trockener spröder Mund

  • Eingesunkene Augen

  • Nicht sichtbare Halsvenen

  • Unelastische Haut (stehende Hautfalten)

  • Ausgeprägte Teilnahmslosigkeit

  • Wenig Urin, dunkler Urin

Das kannst du selbst bei einer Rotavireninfektion tun

Die wichtigste Therapie bei einer Rotavireninfektion ist die Substitution der fehlenden Flüssigkeit und Mineralsalze. Hierfür kannst du zum Beispiel eine Elektrolytlösung aus der Apotheke erwerben. Du solltest deinem Kind davon alle paar Minuten ein bis zwei Teelöffel zu trinken geben. Die Lösung hilft häufig auch, das Erbrechen zu lindern. Auch stilles Mineralwasser mit einem hohen Gehalt an Natrium, Magnesium, Kalium und Calcium, mit wenig Sulfat kann gut zur Substitution genutzt werden. Die sogenannte „Fanconi-Lösung” hilft besonder bei Kindern gut, den Wasser- und Mineralsalzverlust auszugleichen. Hierfür löst du 3 EL (Trauben-) Zucker und einen halben TL Salz in 300 mL Orangensaft auf. Diese Mischung wird dann mit 1 L verdünntem Schwarztee aufgefüllt. Die fertige Fanconi-Lösung kannst du deinem Kind in kleinen Portionen warm zu trinken geben, du kannst sie natürlich auch selber bei Durchfall trinken.

Heutzutage wird nicht mehr empfohlen, eine strenge Durchfalldiät zu halten. Kinder mit Magen-Darm-Beschwerden haben i.d.R. auch wenig Appetit und du solltest sie nicht zu Essen zwingen, da dies die Übelkeit verschlechtern kann. Der mangelnde Appetit stellt sich von alleine wieder ein. Trotzdem solltest du es vermeiden, deinem Kind schwer verdauliche Mahlzeiten zuzubereiten. Günstig bei Durchfall sind:

  • Weißbrot

  • Nudeln

  • Zwieback

  • Kartoffeln

  • Bananen.
    Wird dein Kind noch gestillt, solltest du es einfach weiter stillen und eventuell häufiger anlegen, um den erhöhten Flüssigkeitsverbrauch zu kompensieren.

Leidet dein Kind unter Bauchschmerzen, kann eine sanfte Massage des Bauches helfen, Bauchkrämpfe und die damit verbundenen Schmerzen zu lösen. Auch eine Wärmflasche kann lindernd wirken.

Auch Erwachsene können unter einer Rotaviren-Gastroenteritis leiden. Zusätzlich zu den oben beschriebenen Maßnahmen, solltest du darauf achten, Substanzen zu vermeiden, die deinen Verdauungstrakt zusätzlich reizen. Hierzu gehören z.B.:

  • Stark gewürztes Essen

  • Koffein

  • Alkohol

  • Nikotin

Die einfachste Methode, eine Rotavireninfektion zu behandeln ist es, sie von Vornherein zu vermeiden. Eine gute Hygiene ist hier das A und O. Die wichtigsten Hygienemaßnahmen sind:

  • Saubere Toilette

  • Händewaschen nach Benutzung der Toilette und vor dem Essen

  • Aus keinem Fall aus dem Becher der/des Erkrankten trinken, deren Essensreste aufessen oder dessen Besteck nutzen

  • Im Bad nur getrennte Handtücher und Waschlappen benutzen

Therapie

Eine Rotaviren-Gastroenteritis kann nur symptomatisch behandelt werden. Der wichtigste Pfeiler der Behandlung ist es, den Wasser- und Mineralsalzverlust durch den Durchfall und das Erbrechen wieder auszugleichen. Dies kann i.d.R. zuhause über Elektrolytlösungen oder andere Substitutionsmaßnahmen geschehen. Wenn eine intravenöse Substitution nötig wird, ist eine Krankenhausaufnahme indiziert. Es besteht zudem keine Indikation für eine Antibiotikatherapie oder für die Einnahme von Darmbewegungen hemmenden Medikamenten (z.B. Loperamid).

Schutzimpfung gegen Rotaviren

Bei Kleinkindern, die aufgrund von schweren Durchfallerkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert werden, sind Rotaviren in über 50% der Fälle ursächlich. Um diese schwerwiegenden Rotaviruserkrankungen und die dadurch bedingten Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, wird seit 2013 die routinemäßige Rotaviren-Impfung für Säuglinge unter 6 Monaten vom Robert Koch Institut empfohlen.

Die Impfung erfolgt als Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff. Je nach Alter des Kindes werden 2 (Rotarix) oder 3 (RotaTeq) Dosen verabreicht. Der Impfung wurde eine hohe Wirksamkeit und Effektivität nachgewiesen und ist im allgemeinen gut verträglich. Nach der Grundimmunisierung wird von einem Schutz für 2-3 Saisons ausgegangen.

Eine bekannte Komplikation der Rotaviren-Schutzimpfung ist ein geringfügig erhöhtes Risiko für Darmeinstülpungen (Darminvaginationen). Da das Risiko dieser Komplikation mit dem Alter zunimmt, wird empfohlen, so früh wie möglich mit der Impfserie zu beginnen. Die Wahrscheinlichkeit, eine Darminvagination zu entwickeln, ist hauptsächlich in den ersten 7 Tagen nach der ersten Impfung erhöht. Um eine Darmeinstülpung zu entwickeln, sind i.d.R. noch andere Risikofaktoren zusätzlich zu einer Rotaviren-Schutzimpfung notwendig, dennoch solltest du auf mögliche Symptome achten:

  • Starke Bauchschmerzen

  • Anhaltendes Erbrechen

  • Blutige Stühle.
    Es wird zusätzlich empfohlen, ein Zusammentreffen von Impfstoff und Muttermilch nach Möglichkeit zu vermeiden. Du solltest nicht aufgrund der Impfung aufs Stillen verzichten, doch wäre es gut, soweit es der Stillrhythmus deines Kindes zulässt, eine Stunde vor und nach der Impfung nicht zu Stillen.

So kann Kry bei einer möglichen Rotavirenerkrankung helfen

Wenn dein Kind unter starkem Durchfall leidet, kann es sein, dass du dir unsicher bist, ob du einen niedergelassenen Kinderarzt aufsuchen solltest. Was sind die möglichen Ursachen des Durchfalls? Welche Behandlungsmöglichkeiten und welche Alternativen gibt es? Wie kann ich die Beschwerden lindern? Sollte ich in die Apotheke gehen, um eine Elektrolytlösung zu kaufen? Über Kry kannst du direkt mit Kinderärzten sprechen. Sie können natürlich dein Kind nicht körperlich untersuchen, aber eine erste grobe Einschätzung über die Schwere der Erkrankung und eine Empfehlung übers weitere Vorgehen geben.

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